„Hätte ich einen Tumor würde ich ihn Marla nennen.“ Fight Club mon amour

Ich liebe diesen Film. Unfassbar, dass er schon wieder 10 Jahre alt ist. Kann man diesen Film versuchen in wenigen Sätzen zusammenzufassen? Klar, kommt aber nur Quark bei raus. Das ist eine sehr gute Sache, dass der Film so komplex ist, dass man Probleme hat ihn zu rezensieren. Mit diesem Film begann auch meine Leidenschaft für jeglichen cineastischen Beitrag von Edward Norton. Sein Jack in diesem Film hat mich so tief beeindruckt, dass ich ihm bis heute treu geblieben bin. Oft hört man ja Fight Club sei Gewalt verherrlichend. So ein Blödsinn. Ich empfinde ihn vielmehr philosophisch und gesellschaftskritisch. Eine Abrechnung mit egomanem Machismus.

Alles fängt mit Schlaflosigkeit und einer gewissen Überdrüssigkeit an. Der eigentlich namenlose Protagonist arbeitet in einer Versicherung und erstickt im Alltagstrott („Er trug seine kornblumenblaue Krawatte, es musste Donnerstag sein.“). Alles ist so stumpf, er kann nicht mal mehr schlafen. „Wenn man nicht schlafen kann, ist man immer wach. Nur nie richtig. Schlaflosigkeit vernebelt die Realität. Alles ist nur die Kopie einer Kopie einer Kopie…“, formuliert er. Er entdeckt anonyme Hilfsgruppen für sich. Er, der emotional abgestumpfte, erholt sich am Elend der anderen. Bis Marla Singer aufkreuzt, die die Gruppen aus ähnlichen Gründen besucht („Es ist besser als TV und der Kaffee ist umsonst.“). Sie stört sein ohnehin empfindliches psychisches Gleichgewicht. Dann fliegt seine perfekte Ikea-Wohnung in die Luft und er sucht Unterschlupf bei seiner Zufallsbekanntschaft, dem Seifenfabrikanten Tyler Durden (Brad Pitt). Der Beginn eines Anarcho-(Alb)Traums. Tyler zieht „Jack“ hinein in eine Schlinge aus Gewalt und Anarchie. Sie gründen den Fight Club. Einen Ort, an dem Männer sich schlagen. Nach Regeln:

1. Kein Wort über Fight Club.

2. KEIN Wort über Fight Club.

3. Ruft jemand Stopp,macht schlapp, klatscht ab – ist der Kampf vorbei.

4. Es kämpfen jeweils nur 2.

5. Nur ein Kampf auf einmal.

6. Wer das erste Mal dabei ist, muss kämpfen.

Die Männer prügeln sich ihre Aggression und überschüssige Energie aus den Ärmeln und spüren sich wieder vollstens. Die Fight Clubs blühen auf und sind ein großer Erfolg. Doch sind sie nur der Anfang. Die Fighter werden Teil des „Projekt Chaos“, das plant Banken und Kreditinstitute zu vernichten, um die Welt „auf Null“ zu setzen. Denn: „Du bist nicht dein Job, nicht die Khakis, die du trägst!“, lautet die Devise Tyler Durdens. Vielmehr sind wir der „singende tanzende Abschaum der Welt.“ Ein Abschaum, der sich klar machen muss, dass Gott einen vielleicht nicht gewollt hat. Nihilismus pur. Sich an irdische Güter festzuhalten sei wertlos: „Alles was du hast, hat irgendwann dich!“ Kapitalismuskritik.

Irgendwann wacht der Protagonist auf und realisiert den Albtraum. Er versucht Tyler und seine Chaostruppe aufzuhalten und macht dabei eine Entdeckung, die ihn für immer verändern wird. Ein wunderbarer Twist zum Ende, den ich so nicht vorhergesehen hatte.

Deswegen gehört Fight Club zu den Filmen, die man am liebsten zweimal hintereinander sehen will (nach der ersten Betrachtung). Ich habe ihn mittlerweile so oft gesehen, ich kann ihn fast mitsprechen. Auch den Audiokommentar habe ich fast drauf. Genialer Film!

Der ganze Film ist ein einziger großartiger Zitateschatz. Das haben auch die Macher der Seite www.project-mayhem.de für sich entdeckt. Hier kann man die Wortschätze nachlesen, sich Film- und Buchkritik durchlesen und noch viel mehr. Für Fight Club Fans eine Goldgrube.

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