Rezension: Plötzlich ist später jetzt von Elena Senft

Gleich vorweg muss ich die Band Wir sind Helden zitieren: „Guten Tag, guten Tag,  ich will mein Leben zurück!“Denn Elena Senft hat meines geklaut und in ihrem Erstling „Und plötzlich ist später jetzt. Vom Erwachsenwerden und nicht wollen“ verarbeitet. Zumindest 98% davon. Auf irre komischen, manchmal auch nachdenklichen, immer aber wahren 218 Seiten erzählt sie, wie das Leben sie eingeholt hat. Dass es einem vorkommt, als habe man gestern erst Abi gemacht, dabei ist das schon 12 Jahre her. Dass man immer dachte mit spätestens 30 Jahren stehe man fest im Berufsleben. Was Senft dachte, dachte ich auch und mit uns beiden wohl etliche andere da draußen.

Entlang von fünf Standard-Bewerbungsgespräch-Fragen durchläuft Senft in ihrem Debüt alle Stadien der Generation Praktikum:

  • Bitte stellen Sie sich mal kurz vor…
  • Was haben Sie denn so gemacht?
  • Wo liegen Ihre Interessen?
  • Wie sind Ihre Gehaltsvorstellungen?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wie sehr die Antworten, die hierauf zu geben sind, mit den Vorstellungen vom eigenen Leben abweichen, hat mich oftmals aufhorchen und auflachen lassen. Es ist verblüffend zu verfolgen, dass es anscheinend wirklich ein Generationenproblem zu sein scheint, dass es nicht so recht fluppt mit dem Berufseinstieg. Wie naiv wir an die Uni gerannt sind, unsere Auslandsemester und Praktika gemacht haben, mit der festen Überzeugung, dass danach schon „was“ gehe. Was dann alles aber nicht geht und was einem passiert, listet Senft an Beispielen aus Ihrer eigenen Vita und der von Freunden auf. Dabei geht sie nicht unreflektiert vor, sondern zeigt auch, an welchen Stellen sie Situationen falsch eingeschätzt hat. Schön sind vor allem die Beispiele aus dem Berufsleben. Wie klein sich Berufseinsteiger oftmals machen, wie willkürlich manche Einstellungsverfahren sind, wie unsinnig manche Fragen im Bewerbungsgespräch sind und wie sich manche Chefs unglaublich selbst überschätzen.

Generell lässt sich sagen: Frau Senft ist mir zuvor gekommen.  Ein spaßiges Buch mit ernstem Hintergrund. Die Girlie-Optik und das Daumenkinovögelchen auf den Seiten sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich fand es ganz nett. Wir lesen ja hier von einem Leben zwischen den Dingen. Nicht mehr in der Pubertät, aber der Weinkennende Polo-über-der-Schulter-Träger und Golfurlauber ist man ja auch nicht. Dann doch lieber noch Motto-Shirts tragen, wie eines auf dem Cover zu sehen ist.

Fazit: Das kleine grüne Büchlein lässt sich schnell lesen und man findet sich in so vielen Situationen wieder und muss mit dem Kopf nicken, bis der Nacken schmerzt. Ich kann es nur empfehlen!

Elena Senft:Und plötzlich ist später jetzt. Vom Erwachsenwerden und nicht wollen. 218 Seiten. Knaur Taschenbuch 2009

Wer es gerne kaufen möchte, kann dies zum Beispiel hier tun: Buch kaufen.

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