„Clowns, die in Synapsen scheißen“ – Vincent will meer

Ein riesiger Kinosaal und darin sitzen: 7 Leute. Nach einer Horde mittelmäßiger Trailer (Die Pforten der Hölle haben sich aufgetan und Rob Schneider, David Spade und Adam Sandler haben sich für die Granatenkomödie „Kindsköpfe“ zusammengetan – Wo bleibt die Anti-Spaß-Terrorbekämpfung????) schauen wir uns die 96 Minuten Dramödie von Ralf Hüttner an. Der kennt sich ja mit komödiantischen Stoffen aus (siehe Musterknaben, Voll Normaaal oder Texas).

Der 27jährige Vincent (Florian David Fitz) hat das Tourette-Syndrom. Dazu noch die Art mit Koprolalie, sodass ihm das F-Wort, das auf …otze endet, häufig über die Lippen kommt. Nun ist seine Mutter gestorben und sein Vater (Heino Ferch), der von der Familie getrennt lebte, übergibt seinen ihm entfremdeten Sohn ins Heim. Dort trifft Vincent die magersüchtige Marie (trägt fieses Krank-Ausseh-Make-Up: Karoline Herfurth) und teilt sein Zimmer mit Alexander (Johannes Allmayer), der an Zwangsstörungen leidet. Marie überredet Vincent zu einem Trip aus der Klinik und stiehlt dafür das Auto der behandelden Ärztin Dr. Rose (Katharina Müller-Elmau). Als Alexander dies verhindern will, nehmen die beiden ihn einfach mit an Bord. So beginnt ein Roadtrip mit drei Menschen, die in ihren Krankheitsgeschichten eines vereint: Sie sind Außenseiter. Als Trio lernen Sie ihre Schwächen zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen.

Es ist ein Riesenverdienst von Florian David Fitz, der das Drehbuch verfasste und von Regisseur Ralf Hüttner, das diese Geschichte weder in Klamauk noch in Kitsch verendet. Vielmehr hält der Film wunderbare Balance zwischen Spaß und Ernst. Fitz ist stark in der Titelrolle, seine Kollegen stehen ihm da nicht nach. Angenehm auch das Tempo. Typisch deutscher Film möchte man sagen. Eine Geschichte will erzählt werden. Das braucht Zeit. Keine hektischen Schnitte. Die Kamera fängt schöne Alpenpanoramabilder ein, die nicht nur die kleine Reisegruppe auf der Leinwand, sondern auch den Zuschauer beeindrucken und aufzeuftzen lassen.

Zum Ende hat Vincent das Meer erreicht, fährt aber dennoch nicht zurück, denn er will mehr, um das Wortspiel aufzugreifen. Er hat gelernt, dass er die Möglichkeiten hierfür hat. Trotz Tourette und Tod der Mutter. Eine versöhnliche Aussicht, die aber eine reale Ungewissheit lässt. Wohltuend, wenn dem Zuschauer nicht alles kleingekaut wird und erklärt wird. So wissen wir nicht, was auf dem Zettel steht, den Vincent Marie am Ende zusteckt.

Ein schöner Film mit lakonischem Witz und drei überzeugenden Akteuren. Empfehlenswert. Ich hoffe, der Film wird mehr Zuschauer bekommen. Er hat es verdient.

Die offizielle Filmseite: Vincent will Meer

http://www.youtube.com/watch?v=tiq2O29Igic

2 Gedanken zu “„Clowns, die in Synapsen scheißen“ – Vincent will meer

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