!Sing Day of Song. Ein Hallelujah und Dubdibdidi auf die Steigerhymne

Bei den ganzen Ruhr2010-Projekten habe ich mich auf Drei besonders gefreut: La Fura Dels Baus in Duisburg, die gesperrte Autobahn (Still-Leben), die da noch kommt in 4 Wochen und den !Sing Day of Song. Ich wurde mal wieder nicht entäuscht. Ich finde das Kulturhauptstadtjahr GANZ WUNDERBAR. Am Sing Day bin ich um 11h los in die Duisburger City und stolperte im Forum auf den Gospelchor links der Ruhr, der dort auf den Tag einstimmte. Superwetter, Matjesfest und Bauernmarkt – die City war eh schon gut besucht. Um kurz vor 12h auf zum Theater, wo sich Chöre und Mitsinger treffen, um nach dem Glockengeläut um 12:10h parallel mit den anderen Ruhrstädten das Steigerlied und Grönemeyers „Komm zur Ruhr“ zu singen.

Was ist ein Kanon?

Bernhard Quast, Chorleiter der freien Kantorei Duisburg, instruiert uns alle, indem er uns beibringt, was ein Kanon ist. „Was ist ein Kanon? Da ist ein Kanon“ lässt er uns aufsagen mit rhythmischer Begleitung unserer Hände. Gar nicht so leicht. Er ist mit viel Freude dabei und die tausenden Besucher auch. Dann geht es los und die Kirchenglocken läuten für 10 Minuten. Das hat was erhabenes. Es wird stiller und danach stimmen alle ein in das Steigerlied.

http://www.youtube.com/watch?v=kN3doZy1a_s

Gänsehautmoment! Es folgt Grönemeyers „Komm zur Ruhr“, das mir bei der Eröffnung nicht so gefallen hat, selber singen macht aber Spaß. Und der Text ist schon richtig… Nach zwei weiteren Liedern und einem Solo für den Kinderchor ist Schluss und die Masse verteilt sich rasch. Überall in der Stadt sind musikalische Events an jenem Tag. Ich lausche eine Zeit der Kantorei im Opernfoyer, bevor ich durch die Innenstadt stromere. Der Chor aus Duisburgs Partnerstadt Perm muss nochmal ran für das ZDF. Ein weiterer Chor steht vor dem Forum. Ich schlendere über den Bauernmarkt, als von hinten ein weiterer Chor singend an mir vorüberzieht. Das gefällt mir. Doch wirklich viel Zeit habe ich nicht. Es geht ja noch zum Abschlusskonzert nach Gelsenkirchen.

60.000 Singbegeisterte auf Schalke

Wir stopfen uns in eine proppenvolle Mini-U-Bahn (Was ist da los, Gelsenkirchen?) und fahren ewig bis Gelsenkirchen JWD. In der Bahn ist die Stimmung trotz Gedränge gut (schöner Satz an diesem Tag: “ In der Bahn heißt es Gedränge, in der Kneipe nennt man’s Atmosphäre!“). Das Steigerlied wird auch hier schon wieder angestimmt.

http://www.youtube.com/watch?v=-mOWUXIPWWY

Nach Ruhrpottfrühstück (Currywurst Pommes Bier, tageszeitunabhängig) stellen wir uns an und brüten in der Sonne. Wir wollen rein. Wir wollen rein. Fast pünktlich (pingel, pingel) öffenen sich die Tore, die Leute drängen und schnappen sich das 48seitige Liederbuch. Beim Durchblättern: Freude. Ich kenne so ziemlich jedes Lied. Aber momentmal. Wie? Alle mitsingen bei Hallelujah? Bei Ave Maria? Au Haua, das wird doch gruselig. Da muss man schon gut singen können und viel geübt haben. Wir schieben diese Gedanken beiseite und entern, bewaffnet mit der Knappenkarte die Imbissstände. Große Enttäuschung bei einigen: Es gibt keine Cola Light (ekliges ZEUG, eigentlich ein Pluspunkt von meiner Seite, höhöhö). Ich war noch nie auf Schalke und bin vom Stadion ziemlich beeindruckt. Ich sitze im Oberrang und freue mich über den Leinwandwürfel, den es beispielsweise beim Depeche Mode Konzert in der LTU Arena beklagenswerterweise nicht gab. Hier werden schon Videos mit Highlights des Singtages aus den verschiedenen Städten gezeigt.

Anstimmprobe mit Volker Buchloh

Der Leiter des Kulturbüros und der städtischen Musikschule in Oberhausen Volker Buchloh hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Besucher und die Chöre auf den Abend einzustimmen. Die !Sing – Day of Song – Hymne wird geprobt aus der heraus das Steigerlied folgen wird. Wie bei so ziemlich jedem an diesem Abend merkt man ihm den Spaß an der Sache an und das überträgt sich. Unten auf dem Spielfeld ist großes Gewusel. Die Anzeigetafel erinnert, dass noch 5 Minuten Zeit sind, dann geht es los. Die WDR-Moderatorin Catherine Vogel erzählt irgendwas. Ihre Stimme dringt in dem Getümmel nicht bis zu uns hoch. Der Gong ertönt und wenig später geht es los.

Töne auf Stadiontour

Wir dürfen endlich die Hymne und das Steigerlied singen, das erstaunlich viele Menschen doch kennen und keine Texthilfe brauchen. Als Bobby McFerrin auftritt bricht ein Applaussturm los. Sein „Don’t worry be happy, fand ich immer schon ätzend!! Aber damit tut man ihm ja eh unrecht. Er ist toll. Seine Improvisation ist klasse.

http://www.youtube.com/watch?v=O6rZVxq36k0&feature=player_embedded

Er möchte, dass wir eine Tonfolge (etwas  wie Dubdibudi, *lach*) durch die Halle schicken. Erst versteht’s die Masse nicht, klatscht aber begeistert. Dann sagt er „Don’t clap“, bewegt seinen Zeigefinger im Kreis und ab geht’s. Klingt irre. Surrt in der ganzen Arena. Ein belgischer Chor singt sehr (ich meine: SEHR) ruhig und getragen zwei Lieder: „Hungriges Herz“ von Mia und „Was wir alleine nicht schaffen“ von Xavier Naidoo. Das klingt schon wirklich schön, aber mitsingen bei Naidoo geht fast gar nicht. Also dieser Text, da würgt’s einen ja. Ein Beispiel: „Wir sind Ritter mit rosaroten Visier..“ *brech*

Revierderby im Kanonsingen

Nachdem ein Kinderchor den Song „Calypso“ gesungen hat, was so schnell wieder vorbei war, dass ich es nicht richtig mitbekam, ging es zum Kanon „Hejo, spann den Wagen an“, das wohl jeder noch aus Schulzeiten kennt. Das hat Spaß gemacht. Der schön gut gelaunte Dirigent des Abends, Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, hat das Stadion in drei Bereiche aufgeteilt und sie vorher auf Kanon eingestimmt, indem er erst die Schalker, dann die Bochumer und dann die Dortmunder Fans einzeln singen lies. Nach  „Kein schöner Land“ (schnief) stürmen die Wise Guys mit „Jetzt ist Sommer“ die Bühne. Schwupp ist das Stadion ein Hexenkessel. Vor allem beim Mitmachteil ihres Liedes „Sing mal wieder“ fühlt sich das Publikum sehr abgeholt und kann endlich aus voller Kehle mitmachen. Im folgenden ist das nämlich schwerer. Bei den klassischen Stücken wie Hallelujah, dem Gefangenenchor aus Verdis Nabucco oder dem Knaller von Beethoven (der berühmte Teil der 9. Sinfonie…Freude schöner Götterfunken…) traut man sich schon nicht so recht, seine Stimmbänder zu nutzen. Der Nachbar könnte ja hören, wie grottenschelcht das klingt, weil man die schwierigen Passagen gar nicht meistern kann.  Allgemeine Verblüffung nochmal bei Ave Maria. Was Bobby McFerrin da mit seiner Stimme gemacht hat, ist erstaunlich. Er ersetzt einfach mal eine komplette Orgel. Mit dem Grönemeyer-Ruhr-Song und dem eingedeutschten „Amazing Grace“ geht dieser schöne Abend zu Ende.

http://www.youtube.com/watch?v=1bh6P1SIVSA

Es hat sehr viel Spaß gemacht, obwohl ich mir gewünscht hätte, mehr mitmachen zu können/ zu dürfen. Also eine etwas andere Stückauswahl wäre mir lieber gewesen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass man die Chöre etwas mehr in den Vordergrund stellt. Die sind ein wenig untergegangen. Dennoch: ein tolles Projekt (zwei Jahre Orga-Arbeit!!!), das ein Highlight dieses Jahres ist. Die Chöre, die Dirigenten, die Musiker – sie alle waren sehr mitreißend. Danke!

Weiterlesen auch hier: WAZ, Süddeutsche, WDR

2 Gedanken zu “!Sing Day of Song. Ein Hallelujah und Dubdibdidi auf die Steigerhymne

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