Reisebericht: Sizilien. Teil1. Über die Dörfer. Von Weeze nach Paceco

Travel on a budget

Urlaub? Klar, aber bitte für ein schmalet Geld. Und bitte kein Club, oder sowas. Grusel. Spontan wollte ich mit einer Freundin in die Ferien. Wohin? Keine Ahnung. Unsere Augen fliegen planlos durch das überfüllte Web und wir sind schnell entnervt ob der vielen Seiten und Angebote und des ganzen BlingBling. Doch erstmal das Ziel aussuchen schien ein guter Plan. Fliegen – das war klar. In den Süden. So halbwegs klar (Dänemark ist soo schön…). Ryanair bietet einige Ziele ab Weeze an. Trapani. Hm, sagt  uns nichts. Wikipedia spuckt ein paar nette Infos aus. Youtube zeigt schöne Bilder. Joa, könnte man mal machen. Dann die Zimmersuche. Kein Hostel mehr (wenn ich an London oder Prag denke, kommt’s mir schon wieder hoch, das Gemisch aus Tränen, Ekel, Hysterie und Verzweiflung), aber ein teures Hotel kann es irgendwie auch nicht sein. Das Ding in der Mitte ist ein B&B. Perfekt. Das ist der schwierigste Teil der Suche. Wir haben uns für das Cafisu in Paceco (einem Vorort von Trapani) entschieden und wurden da auch nicht enttäuscht. Gründliche Vorabrecherche ist nervig, aber Gold wert.

Transport: Billigflieger und Busse

Wir fliegen ab Düsseldorf. Naja, nicht direkt. Nicht mal indirekt. Eigentlich so gar nicht. Wir fliegen ab Weeze. Flug geht um 6:30 Uhr, also stehen wir um 2:00 Uhr auf. Am Abend vorher noch das Deutschlandspiel gegen Ghana. War das schlecht. Um nach Weeze zu kommen, haben wir einen Platz im Bus mit der Direktverbindung Duisburg-Weeze gebucht. Abfahrt: 3:30 Uhr. Örgs. Da muss man durch. Der Fahrer ist gut gelaunt und summt zu den simplen Melodien des WDR 4-Programms („…sanfte Gefühle…ich hab saaaanfte Gefüühle….“). Wir schleppen unsere mit Bedacht gepackten Koffer (aufgeben darf man nicht mehr als 15 kg, Handgepäck nicht mehr als 10kg, außerdem gilt es hier bestimmte Maße einzuhalten) an den Schalter und sind positiv überrascht wie groß der Flughafen ist. Wir hatten uns eine kleine klitschige Airbase vorgestellt. Flug ist angenehm (und ich habe latente Flugangst, das will also was heißen). Die armen Ryanair-Leute müssen viel Kram verticken (Lose, Telefonkarten etc…) und tun mir etwas leid. Die Aussicht ist aber toll.

Blick auf Trapani

In Trapani knallt schon die Sonne, wir steigen in den Bus nach Paceco und fahren natürlich prompt falsch bis nach Trapani durch. Am Hafen überqueren wir todesmutig die Straße (die fahren wie die Irren ohne sich die Karren zu schrotten – ein Faszinosum) und nehmen den anderen Buss zurück. Italienisch sprechen trauen wir uns noch nicht so. Wir fragen einen Opa nach dem Weg zum Hotel. Er fragt, ob wir Italienerinnen sind? Nein…Daraufhin stellt er seine Sprache ein und gestikuliert nur noch wild und wir müssen alle anfangen zu lachen. Aber es funktioniert und wir kommen im B&B an. Hier gibt es keine Rezeption. Die Tür ist offen und wir latschen rein und schauen uns die freien Zimmer an. Schön. Wir rufen den Manager an und er schickt erstmal seine Mutter, die uns alles zeigt, was wir eh schon erschnüffelt haben. Dann kommt Daniele selbst und erklärt alles und versorgt uns mit Infos. Ein Hübscher ist er. Jaja. Wir packen aus, freuen uns, dass alles sauber ist und so schön „stylisch“ (Hasswort, ich weiß…) eingerichtet. Dann machen wir uns auf und fahren nach Trapani. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Nordwestsiziliens.

Trapani – alter Gammel, viel Strand, Thunfisch und ein Hafen

Ist das schön hier. Das Wasser im Hafen ist schon so wunderbar einladend blau, dass ich nur noch nach Strand und Meer lechze. Durch die schmalen und verwinkelten Gassen staunen wir über jedes balkonbeladene Gebäude und erfreuen uns an den schönen Fassaden und Fensterläden. Es sind nicht viele Touristen hier. Das ist gut. Es wird wenig bis kein englisch gesprochen. Eigentlich OK, macht aber macht manches so schwierig. Wir stromern durch die Einkaufsstrassen und erreichen schon bald die Küste. Aaaaaah. Die Sonnenstrahlen springen glitzernd über die sanften Wellen. Rein da, rein da. Jetzt. Wir haben keine Badeklamotten an, geschweige denn mitgenommen. Die liegen noch in den Koffern. Egal. Schuhe fliegen von den Füßen und wir laufen durch das klare Wasser, hinterlassen unsere Spuren im Sand. Wie wunderschön. Es sind zwar einige Leute zum Baden da, aber es ist keinesfalls zu voll. Eine gute Entscheidung gerade jetzt dorthin zu fahren. Wir laufen und laufen. Es wird immer einsamer und dann erreichen wir einen Abschnitt, an den so keiner will. Auf einer Landzunge steht alter Gammel. Eine Ruine von …wer weiß was. Ein altes leerstehendes Hotel mit dem Namen „Pony“ stirbt vor sich hin. Überall liegt Müll. Fässer, Papier, Plastik, Schuhe, Möbelteile. Dazwischen streunende Hunde. Mir blutet das Herz. Dann kommt ein Italiener in einem dieser typischen Dreiradautos angefahren, der bis unters Dach voller Sperrmüll und Schrott ist. In Seelenruhe kippt er diesen Scheiß direkt in den Sand. Gerne hätte ich ihm ein paar deftige Worte entgegen gegkotzt. Ich schüttle immerhin verärgert den Kopf, zeige auf den Müll, dann auf ihn und schüttle wieder den Kopf. Er versteht nicht. Ich erinnere mich an eine ehemalige Vorgesetzte, die auf Malta geurlaubt hat und sich von dort einen Hund mitgebracht hat. Würde ich auch machen, einen Hund retten. Ich bin vor gar nix fies und streichele sogar einen von ihnen. Uaaah, jetzt hab ich bestimmt Millionen Flöhe. Hach Mensch, muss das denn sein? Die armen Tiere. Ebensoviele Hunde wie Katzen habe ich durch die heißen Gassen rennen sehen.

Was mir aufgefallen ist: die Italiener sind ganz unbefangen im Umgang mit den Streunern. Sie werden nicht verscheucht, oder so. Ein paar Infos zu dem Thema habe ich auf der Seite von Sabine Middelhaufe gefunden oder auf inselhunde.de.

Wir laufen weiter und in so ziemlich jedem Laden gibt es Thunfisch. Ich warte auf Thunfischbonbons und Thunfischjacken und -handschuhe. Der erste Tag ist nach dieser Besichtigung auch schon vorbei und wir fallen müde und von der Sonne schon ordentlich aufgeheizt auf die weiche Matratze und freuen uns darauf, die Gegend zu erkunden.

Ein Gedanke zu “Reisebericht: Sizilien. Teil1. Über die Dörfer. Von Weeze nach Paceco

  1. Hey, ein schöner Einblick. Überlege auch gerade mit Ryanair zu reisen. Habe ich noch nie gamcht, aber das scheint ja gar nicht übel zu sein. Bin gespannta auf den 2. Teil.
    PS Das Ruhrgebiet scheint auch eine Reise wert zu sein, wie ich hier sehe??? 🙂

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