Konzert mit Band JWD. John Cale auf Zollverein

Ich bin eine weiße Leinwand

Hooray, hooray, Ole, es lebe Twitter. Mit ein bisschen Gezwitscher habe ich mir bei 2010lab zwei Karten für die Weltpremiere von John Cales (Mitbegründer von Velvet Underground) Performance im Salzlager auf Zollverein erspielt. Ich wusste nicht genau, was mich da erwartet, im Namen des Theater der Welt. Das ganze nennt sich „Dyddiau Du -Dunkel Tage“. Ich habe nichts darüber gelesen. Sind das gute Voraussetzungen für einen Theaterbesuch? Unbelecktsein? Ich wollte nur John Cale sehen, weil ich den so gern mag. Ich frage einen Freund, ob er mich begleiten möchte. ESonnenuntergang auf Zollvereinr ist begeistert und macht am Abend davor „Hausaufgaben“ und hört sich alte Sachen von Velvet Underground an. Wir fahren mit dem Auto gen Zollverein. Ich war wirklich schon das ein oder andere Mal auf der Fläche des Weltkulturerbes, aber an das Salzlager kann ich mich nicht erinnern. Wir parken irgendwo am Pöppes der Essener Welt und laufen uns einen Wolf bei Sahara-Temperaturen. Schilder leiten unseren Weg und wir laufen und laufen, nur um festzustellen, dass wir im Kreis gelatscht sind, wir haben nämlich recht nah am Salzlager geparkt, sind aber einmal komplett durch Zollverein gelaufen. Da das Areal schön ist, gibt es schlimmeres. Es sind schon viele Leute da und alle tragen Kopfhörer. Hmmm. Meine Begleitung hat Angst vor „Kunstkacke“ und tritt von einem Bein aufs andere. Ich hoffe auf einen kühlen Raum und Sitze.

Leinwände. Kopfhörer. Spaziergänge

Wir treten ins Salzlager und dort sind sechs Leinwände aufgebaut. Die Menge verteilt sich. Man kann im Mittelraum stehen, sodass alle Leinwände um einen herum sind. Oder man setzt sich auf die Treppe. Oder auf den Boden. Oder geht herum. Wie man möchte. Die Tür schließt sich, es ist sehr dunkel, überall tanzen die kleinen grünen Lichter an den Kopfhörern. Es rauscht in ihnen. Eine Leinwand zeigt eine Tür. Eine einen Wasserschlauch. Eine andere einen Raum. Dann beginnt Cale zu singen. Er hat eine so angenehme Stimme, der ich ewig lauschen könnte. Die Szene wechselt und wir sehen Berge und John Cale, wie er die Hügel ersteigt. Und angestrengt atmet. Auf den Kopfhörern läuft derweil ein Gedicht. Wo aber ist Cale? Wo John Cale - Dyddiau Du - Dunkle Tagedie Band? Ich nehme die Kopfhörer ab. Ich höre das Geschlurfe der anderen und eine eigenartige Konzertstille. Hinter dem schwarzen Vorhang am Ende des Raumes kann man dumpf Geräusche vernehmen. Dort ist die Live-Band versteckt. Später zeigen die Leinwände heruntergekommene Häuser und John Cale lässt seine melancholische Stimme und Musik erklingen. Ich setze mich auf den Boden. Auf einen Platz, von wo ich den ganzen Raum überblicken kann. Dann zeigt eine Leinwand einen gefesselten Menschen, der schreit und ins Wasser getaucht wird. Über die Kopfhörer lausche ich einem Chor und auf einmal ist alles vorbei und John Cale steht direkt neben mir und verbeugt sich. Ich bin verwirrt, stimme aber in den Applaus ein. Das war kurz. Das war merkwürdig. Einerseits kam man sich vor wie in einem Museum. Mit Audioguide auf dem Kopf. Andererseits hatte es aber doch Konzertcharakter. Ein Konzert für mich allein. Mit anderen. Das hat mir gefallen.

Wenig Konzert – weil: Theater?

Die Idee Musik, Theater, Film etc. also die Künste zu verbinden ist nicht neu. Ich finde das eigentlich immer sehr toll.John Cale Auch hier. Ich wusste nur nicht, was dahinter stand, da ich, wie beschrieben, völlig unvorbereitet an die Sache gegangen bin. Eigentlich doof, wenn solch eine Vorarbeit vonnöten ist. Wir waren beide vom abrupten Ende überrascht und hatten auf etwas mehr Konzert gehofft. Laut Programm verarbeitet Cale mit seiner Klang-Bild-Installation, seine Historie, die eines Menschen, aufgewachsen in einem walischen Bergarbeiterdorf:

Was trage ich aus Wales in mir? Was wirkt weiter, auf alles, was ich tue, gleichgültig, wohin ich gehe? […]Ich wollte ehrlich sein und mich den Widersprüchen stellen, die ich durchlebte, einschließlich der Gefühle, die ich nicht für Wales empfand.“

Heute, am Tag nach der Weltpremiere gibt es nach der Performance ein Publikumsgespräch. Schade, dass hätte ich auch gerne gehabt. Zum Abschluss noch ein Lied von Herrn Cale (wahllos herausgegriffen, weil einfach soooooooo vieles, soooooo gut ist von ihm):

http://www.youtube.com/watch?v=rfjuhDvW2Z4&feature=related

3 Gedanken zu “Konzert mit Band JWD. John Cale auf Zollverein

  1. Ein Live-Konzert ohne Band , Musik von der Konserve (??) , überwiegend nichtssagende Bilder – ein sehr enttäuschender Abend und mit uns haben fast alle fluchtartig nach knapp 50 Minuten den Raum verlassen.
    Mit hohem Anspruch auf „ein Gesamtkunstwerk“ stellte sich eher ein „geneppt worden sein-Gefühl“ ein … und das alles für 30 Euro Eintritt!! Für die erschwerten Klimabedingungen konnten die Veranstalter ja nichts – vielleicht hätten ja wir mit kühlem Kopf mehr Spass gehabt !!

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