Reisebericht: Sizilien. Teil 2. Érice, Favignana, Nubia

Wir lieben Besichtigungen alten Gammels, deswegen stand ein Besuch Érices ganz oben auf unserem Urlaubsplan. Mit einer Gondel fahren wir auf den 751m hohen Bergkegel und besuchen das 1500 Einwohnerdorf in seinen alten Gemäuern. Die Fahrt ist ziemlich wacklig, dafür entlohnt ein fantastischer Ausblick auf die Küste:

Das mittelalterliche Stadtbild ist wunderschön. Hier sind allerdings sehr viele Touristen unterwegs. Im Zentrum finden sich unzählige der Souvenirramschläden und ein Restauant nach dem anderen. Wenn man aber die verschlungenen Seitenwege nimmt, lässt man das alles hinter sich und ist allein auf weiter Flur. Man fühlt sich dann wie aus der Zeit geworfen. Immer wieder findet man Ecken, an denen man einen Wahnsinnsausblick hat. Bis zu den ägidischen Inseln kann man schauen. Wir versinken in den Blick und schauen einfach lange Zeit nur ins Weite.

Da auch wir uns nach der Besichterei stärken wollen, schauen wir uns im Ortskern um und werden sofort von einer sizilianischen Matrone in ihr Ristorante gelockt. Kein Entkommen möglich. Sie bedrängt uns ziemlich und beinah hätte ich wegen des Gestresses eine Pizza mit Sardellen bestellt. Uaaagh. Hinter meinem Sitz ist eine Telefonzelle. Ganz dicht dran. Am Platz sind noch drei weitere. Aber nein, irgendein Heini entscheidet  sich für die hinter meinem Stuhl. So quetscht er sich an mir vorbei und wir sind Rücken an Rücken. Meine Freundin bekommt einen Lachanfall wegen dieser absurden Situation, dass ihr die Tränen kommen. Die Matrone kommt und rutscht unseren Tisch nach vorne und fragt, als noch ein Viertel meiner Pizza auf dem Teller liegt und ich offensichtlich noch esse, ob wir fertig seien. So ein Stress, dabei war gar nicht so viel los. Ungemütlich. Nachdem wir wieder runtergegondelt sind, ist noch ein wenig Strand angesagt. Irgendwie sind wir dort nach der richtigen „Anlegestelle“ suchen gegangen und sind dann wohl an einem Abschnitt für Clubmitglieder oder so. Feiner, gesäuberter Strand und Liegestühle. Darf man hier einfach einen Stuhl nehmen und sich breit machen? Hm, egal, denken wir, schnappen uns die Stühle und legen uns in die Sonne. Nach der ganzen Besichterei sind wir auch wieder ziemlich platt. Anschließend auf dem Weg zurück fällt uns wieder eine dieser Salzmühlen auf, die wir sehen wollen. Zu den Salinen komme ich noch. Ohja… Als nächstes stehen aber erstmal die ägidischen Inseln an.

Favignana – so schön, dass man davon überfordert ist

Mit einer Fähre fahren wir ’ne gute Dreiviertelstunde über das blaue Meer, vorbei an einer Unmenge an weißen und roten (igitt igitt) Quallen, an einer Miniinsel (Levanzo) zu den ägidischen Inseln. Wir haben uns für Favignana entschieden. Kaum angekommen drücken einem die Farahrad- und Scooterverleiher schon die fahrbaren Untersetzer unter den Hintern. Wir entscheiden uns für Fahrräder, zahlen 5 Euro für den Tag und treten in die Pedalen. Es ist sehr warm und wir fahren langsam in der windstillen Sonne dahin. Alsbald steigen wir schon das erste Mal ab und zücken die Fotoapparate. Die Buchten der Inseln sind einfach nur wunderschön. Daran kann man sich kaum sattsehen und muss sich losreißen von dem Blick, um mehr von  der Insel zu entdecken. Wir entscheiden uns gegen die direkte Fahrt ins Zentrum, sondern steuern den Lido Burrone an. Unfassbar schön. Kaum Menschen dort, Sandstrand, klarstes türkisfarbenes Wasser. Fahrrad abgestellt und Klamotten abgelegt. Hinein ins Nass. Die Abkühlung tut gut. Die Welt ist wunderschön!!!

Nach dem Baden sind wir noch in die „City“ von Favignana. Auf der gesamten Insel leben etwa 4000 Menschen. Der Stadtkern ist altertümlich aber wenig interessant, wenn auch schön für das Auge. Wir essen ein Eis. Überhaupt haben wir uns in das sizilianische Eis verliebt. Meine Güte ist das lecker. Und wie großzügig es mit Schäufelchen in die Waffeln und Becher gehäuft wird: herrlich. Mit einem Tragflügelboot geht es zurück. Diesmal viel schneller als auf der Hinfahrt. Cool. Schön, das wir zwei verschiedene Fahrten hatten. Alles richtig gemacht.

Wo ist das Salzmuseum? Wooooo?

In unserem schönen B&B Cafisu hat uns der Manager Daniele empfohlen, die Salinen und das Salzmuseum in Nubia zu besuchen. Das sei nur eine halbe Stunde Fussweg. Am Hafen ist uns der Wegweiser schon aufgefallen. Da wir am Abend noch das Deutschlandspiel sehen wollen, entscheiden wir uns für eine Tagestour dorthin. Gerne hätten wir das Spiel irgendwo in einer Bar oder einem Café gesehen, aber da die Italiener zu dem Zeitpunkt schon ausgeschieden waren, war die WM fast kein Thema mehr (Daniele: „Now we can go the the beach again!“). Außer der Busfahrer. Der hat sein Handy mit Internetfunktion auf das Lenkrad gelegt und mal auf die Straße, mehr aber auf das Display geschaut. Im Hinterkopf die halbe Stunde Fußmarsch laufen wir los und fragen uns nach etwa 1,5h zum ersten Mal, wie lange der Weg noch sein kann. Ein Mann auf einem Scooter kommt uns entgegen und fragt, ob wir zum Museum wollen. Als wir bejahen lacht er und empfiehlt uns einen Roller zu leihen. Da wir dafür aber nicht zurück nach Trapani laufen wollen, latschen wir weiter. Die Mittagssonne knallt. Nach über 2 Stunden kommen wir an einem Supermarkt vorbei. Kühle. Wasser. Nahrung. Dann weiter. Unsere Laune sinkt. Immer neue Schilder. Museum links. Rechts. Wieder links. Aaaargh. Nach 3,5h waren wir dann da und gingen in den alten Steinbau. Ein junger Italiener bietet uns eine Führung auf englisch an. Er gibt sich viel Mühe und macht das auch wirklich gut. Ich frage, ob vor Ort ein Bus hält, was er verneint. Er fragt, ob wir zu Fuß da seien, sagen wir ja. Zu Fuß aus Trapani. Seine Reaktion ist schlicht: pazzo! Er würde uns gerne fahren, muss aber leider noch arbeiten. Wir machen uns also wieder auf den Rückweg. Nun noch die Taschen beschwert mit Beuteln echten Meersalzes. Wir laufen und laufen. Wunde Oberschenkel und Füße zeichnen sich ab. Immer öfter brauchen wir Pausen. Nirgendwo ist Schatten. Gott sei Dank weht Wind, sonst hätte das ein schlimmeres Desaster werden können. Nach der Hälfte des Rückweges, als auch schon der Galgenhumor versiegt, hält ein Auto an und ein netter Herr bietet sich an uns nach Hause zu fahren. Dankend nehmen wir das Angebot an und setzen uns erschöpft in den Wagen unseres Retters. Viel zu müde sind wir kaum noch fähig zu Smalltalk mit Behelfsitalienisch. Er hätte uns noch gern zum Abendessen eingeladen, was wir höflich aber dankend ablehnen. Äußerst zerschlagen fallen wir ins Bett und stellen dann fest, dass wir das Fußballspiel doch verpasst haben. Auch das noch! Wie damals besprochen, können wir heut über diesen Tag herzlich lachen. Er war wirklich schlimm. Vor allem, als wir feststellten, dass es von unserem B&B in Paceco aus zur Salzmühle wirklich nur 30 Minuten sind. Wir sind aber vom Hafen aus gelaufen….

Alles in allem war es ein ganz fantastischer Urlaub. Die Sizilianer waren äußerst hilfsbereit und freundlich (Wenn ich nur an den frischen Kuchen von der Mama des B&B-Managers denke…). Die Gegend ist klasse. Wunderschön. Wir sind in der Vorsaison gefahren, was eine sehr gute Entscheidung war, da recht wenige Touristen. Flug, Unterkunft, Essen – alles war super. Nicht zu teuer, den heimischen Preisen ähnlich. Sofort würde ich wieder hin, wir wären gerne noch nach Palermo gefahren, hatten dafür aber keine Zeit mehr. Es gibt sicherlich noch so einiges zu entdecken. Ich werde wiederkommen, Sizilien!

6 Gedanken zu “Reisebericht: Sizilien. Teil 2. Érice, Favignana, Nubia

  1. Hallo! Danke für den tollen Bericht! Wir haben als Pärchen auch eine Rundreise durch Sizilien gemacht, von Palermo bis Favignana (vorab noch Florenz). Leider waren wir sehr enttäuscht von den Einheimischen, die einen wie Hunde zurückgepfiffen haben, wenn man falsch gelaufen ist, etc… Zudem wurden wir im Hotel am Etna sogar in Kategorien eingeteilt, Italiener die guten Zimmer, alle anderen Touristen (Finnen, Deutsche, Ungarn) auf die schlechten! Man hat uns keines Blickes gewürdigt, für die Einheimischen wurden sogar Gepäckwagen rausgeholt. Wir waren mit dem Auto dort und haben daher viel gesehen. Leider liegt ganz Sizillien voller Müll. Entlang der Straßen, hauptsächlich unfertige Autobahnen, wird der Müll beim Fahren aus den Fenstern geworfen, überall brennt es durch rausgeworfene Zigaretten… Und es stört sie nicht einmal… Dies mussten wir aber schon ab Italien, 100 km unter Rom feststellen, da fing es mit dem Dreck an… Favignana war das absolute Gegenteil! Wir hatten eine super schöne Ferienwohnung inmitten einer Wohnsiedlung, autofrei. Nette Menschen, sehr zuvorkommend, hilfsbereit… Zum ersten mal sprach jemand Englisch. Die Kinder lernten sogar „hallo“ für uns :o) Wir badeten in der Cala rossa, der wahnsinn, wie in der Karibik. Am letzten Tag waren aber leider zu viele Quallen dort.. Leider ging auf Favignana die Zeit zu schnell um. Wenn der Weg dorthin nicht so erschwerlich wäre (wir haben Flugangst), dann würden wir überlegen, dort noch einmal hin zu reisen. Es war wenig los in der Zeit vom 1. bis 7. Juli…. Leider ist mit dem Auto der Weg nicht leicht, da Italien keine ausgebauten Autobahnen hat und Sizilien nur aus Brücken und Baustellen besteht. Aber Favignana war ein Traum! Das lohnte sich, alles fällt dort von einem ab! Palermo hingegen war es gar nicht wert! Wir ärgern uns bis heute, dass wir dort waren. Es ist ein Dreckloch, voller Smog und Müll, Staub, Uringeruch, etc. wir reisen viel und gerne, aber haben so etwas noch nicht erlebt. Es gibt in Palermo einen schönen Fleck, das ist der Park mit angrenzender Kathedrale. Mehr nicht. Überall stinkt es, man traut sich nicht, durch Seitenstraßen zu gehen, sehr übel. Wir haben schon viele arme Länder bereist, aber uns noch nirgends so unsicher gefühlt wie dort. Unheimlich…. Ich wünschte, wir hätten auch so nette Menschliche Erfahrungen sammeln können, leider ist man uns und auch anderen Urlaubern, mit denen man gesprochen hat, nur abwertend, unverschämt und selbstsüchtig rübergekommen. Wir hatten das Gefühl, die machen alle dort, was sie wollen und den Touristen zieht man nur das Geld aus der Tasche. Schade. Ländlich ist es traumhaft, wenn der viele Müll nicht wäre… Nun, genug geschrieben. Vielleicht liest man ja noch einen Bericht aus einem anderen Land von Euch? Würde uns freuen! Liebe Grüsse und alles Gute!

  2. Wir hatten uns auf unsere „Kulturreise“ nach Palermo gefreut, es kam aber genau so,
    wie Brenda schreibt. Müll, Gestank, Lärm, unfreundliche arrogante Menschen, Abzocke, wir hatten leider ein 4-Sterne-Hotel in der Innenstadt gebucht, sind jeden Tag mit dem Bus nach Mondello gefahren, dort konnte man wenigstens atmen, nach 5 Tagen ins Villa Igea Hilton umgezogen, dreifacher Preis!, am Fenster hängt eine Warnung: nicht öffnen! Mücken! Ich hatte am ersten Abend 5 Stiche, Klimanlage dröhnt nur, kühlt aber nicht, stickig, kläffende Köter die ganze Nacht, dröhnende Fischerboote ab 7.00h
    Nie wieder Palermo!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s