Kino-Triple für viereckige Augen

In fünf Tagen dreimal ins Kino zu rennen, das macht man auch nicht oft. Muss ich auf Dauer auch nicht haben. Es war aber alles dabei: Klasse, Schrott und Mittelmaß. Es fing  alles äußerst vielversprechend an, nämlich mit Christopher Nolans „Inception“ .

http://www.youtube.com/watch?v=JEv8W3pWqH0

Allein die Bildsprache nahm einen schon in den Bann. Anknüpfend an alte „Batman“-Manier ist auch hier das Bild düster und alles bis in die Haarspitzen der Darsteller durchgestylt. Die visuellen Effekte sind verblüffend und lassen einen vor Begeisterung in die Hände klatschen (wenn etwa die Träumer zusammengefesselt durch die Luft schweben oder sich eine Stadt aufeinanderfaltet). Kino kann das also immer noch: begeistern. Die Geschichte fordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit und erstreckt sich über so viele Ebenen, dass man kurz vor einem Gehirnmuskelkater steht. Es geht um Träume und Gedanken. In einer nicht näher bestimmten Zeit (Zukunft?) können Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) und sein Team (u.a. Gordon-Levitt und Ellen Page) mittels einer neuen Technologie in Träume eindringen und den Menschen so beeinflussen. Man kann dort Gedanken einpflanzen, die das spätere reale Tun des Träumenden bestimmen. Das soll im Sinne von Wirtschaftsspionage  beim Erben Robert Fischer Jr. (Cilian Murphy) geschehen, damit er die Firma seines Vaters vereinzelt, um deren Monopol zu brechen. Allerdings geschieht dies in mehreren Traumebenen (die in einem furiosen Final zusammetreffen), sodass irgendwann die alte Frage aller Fragen erscheint: Was ist eigentlich real? Am Ende findet sich eine schöne Analogie zu  Blade Runner. Statt des Einhorns ist es bei Inception ein Kreisel.

Nach diesem cineastischen Hochgenuss kam dann den Totalabsturz mit Toy Story 3.

http://www.youtube.com/watch?v=P6jMPoIXG1g

Ich habe die beiden Vorgängerfilme wirklich geliebt. Tue ich noch. Aber was ist da bloß diesmal schiefgegangen? Der dritte Teil ist die pure Folter. Das es hierfür keine Altersbeschränkung gesetzt wurde, halte ich für fatal. In 70 Prozent des Films kämpfen die Spielsachen um das nackte Überleben. Eine furchteinflößende Riesenpuppe (die sich mit Chucky mal zum Tee treffen sollte), ein gar nicht so knuddeliger Bär, ein fieses Plastikinsekt und ein Kindergartenüberwachungsstaat a la Guantanamo…Wem sind denn da die Gäule durchgegangen? Kaum Lacher, viel Schrecken und Action. Toll, jetzt wissen wir, dass Pixar auch anders kann. So bitte nie wieder. Ich hatte mich schon vorab geärgert. Darüber, dass Peer Augustinski den Woody nicht erneut spricht. So etwas ist wirklich störend. Das hat mich auch den ganzen Film über echt genervt. Nichts gegen Bully, aber sowas ist einfach blöd! Der Vorfilm „Night & Day“ war auch schon nicht so gut. Er war zwar ganz nett und originell gemacht (Tag und Nacht zeigen sich ihre jeweiligen Vorzüge und Nachteile und haben nur den Sonnenunter bzw. -aufgang gemein), aber vom Hocker gerissen hat er mich nicht. Und auf den Film eingestimmt hat er auch nicht. Da hätte man es also auch schon erahnen können. Pixar, das war hoffentlich ein einmaliger Ausrutscher. Das während des Films Mütter mit Kindern die Vorstellung verließen, muss ich nicht extra erwähnen, oder?

Mittelmaß bei „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“

http://www.youtube.com/watch?v=6L6_nNaCXMk

Der Film lief zwar vor der wunderschönen Kulisse des Landschaftspark Nord, aber das konnte nicht darüber hinwegtrösten, dass er mich streckenweise gelangweilt hat. Ich habe die Karten kurzfristig bekommen, wollte eigentlich gar nicht in den Film. Ich wusste auch nicht, worum es genau geht. Mode, dachte ich. Mitnichten. Der Film erzählt von den frühen Jahren der Modeschöpferin Gabriele „Coco“ Cha(s)nel (Audrey Tautou). Der Untertitel war mir vorab entgangen. Es wird erzählt von ihrer Kindheit im Waisenhaus, in welches sie der Vater nach dem Tod der Mutter gab. Von Auftritten in drittklassigen Bars und ihrer Beziehung mit Baron Balsan, bei dem sie sich einquartierte und der sie aushielt (finanziell und auch sonst). Wir sehen, wie sich  Chanel in  Arthur Capel (Alessandro Nivola) verliebt und ihn durch einen Unfall verliert. Das alles nimmt fast den gesamten Film ein. Zehn Minuten vor dem Abspann sehen wir dann Chanel in ihrem eigenen gut gehenden Hutgeschäft und folgend vor einer edlen Modenschau. Mich hätte mehr interessiert, wie sie dieses Imperium aufbaute und nicht, mit wem sie wie lang und wieso in der Kiste lag. Was mir aber gut gefiel, war zu sehen, dass sie einen sehr eigenen Charakter und Kopf hatte und nach ihren Prinzipien gelebt hat. Leider nicht selbstverständlich für die Zeit. Das hat mich beeindruckt. Vielleicht lese ich mir mal eine Biographie über sie durch.

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