Vegetarische Schuhe sehen aus wie alle anderen Schuhe auch. „Unprojekte“ ist so ein tolles Wort. Grillen im Garten ist schön. Ein Samstag im Ruhrgebiet

Ich habe das an anderer Stelle bestimmt schon mal anklingen lassen – Ich liebe es im Ruhrgebiet zu wohnen! Es findet immer irgendwo etwas interessantes statt. So auch dieses Wochenende wieder.

Veggie-Street-Day in Dortmund

Seit mehr als fünf Jahren lebe ich vegetarisch. Immer wieder wird man gefragt: „Was isste denn dann?“ Als ob es da nichts gäbe. Als ob ein Stück Fleisch oder eine Wurst einfach dazugehören MÜSSTE. So ein Quatsch. Ich erinnere mich, dass der Gedanke vegetarisch zu leben schon lange in mir gährte, bis ich dann entschloss „Ab morgen esse ich kein Fleisch mehr!“ Das war dann doch super einfach. Ich habe einfach gestoppt. Man muss dazu sagen, ich habe nicht wirklich viel Fleisch zuvor gegessen, auch wenn ich Omas Hackbraten liebte. Oma war dann auch etwas irritiert und ist es noch. So fragt sie bei jeder Familienfestplanung: „Was machen wir denn zu essen für dich?“ Und immer wieder bringt sie halb fragend halb bewundernd auf den Tisch: „Also, dass du das so konsequent durchhälst…“ Es ist für mich aber nicht eine Sekunde lang schwierig gewesen. Ich habe seitdem NIE das Gefühl des Verzichtes gehabt. Über loving-Facebook habe vom Veggie-Street-Day erfahren und bin dann nach Dortmund, um mir das anzuschauen. An der Reinoldiskirche waren der kleine Platz sehr gut gefüllt und ich schlenderte entlang der Infostände. Ich trage mich mit dem Gedanken vegan zu leben, habe aber da Hemmungen. Ich trinke zum Beispiel gerne Milch. Kuhmilch. Ich habe mir einen Flyer zum Thema mitgenommen und will mich in das Thema mal etwas vertiefen. Aber wenn ich daran denke, wie scheußlich mir Sojamilch schmeckt… Andererseits ist da mein soziales Gewissen. Die Infostände sind von den Interessierten belagert, ich komme mitunter kaum nach vorne durch. Ich beschaue die vegetarischen Schuhe und sie gefallen mir, stünde nur auf der Schnalle nicht „vegetarian shoe“. Als wäre der zum essen. Ich mag es übrigens auch nicht, wenn „adidas“ auf dem Schuh steht im Gegenzug. Eine Geschmacksfrage. Eine Frau als Kuh vekleidet verkauft mir Lose und ich gewinne Hafermilch (…angst…) und einen Hafersnack, der schrecklich nach Hundeleckerli aussieht. Wie isst man den nur? Werde ich ihn überhaupt probieren? Mal schauen. Ein Poster gewinne ich auch „Die moderne Hausfrau kocht ohne Sau“ (gibt es auch ein Poster mit dem modernen Hausmann???) steht da drauf, unter dem Bild einer…na? Naa? Richtig, unter dem Bild einer freundlich dreinblickenden Sau. Ach, ich mag Schweine. Und ich mag sie nicht essen! Ich mag Tiere. Wie sie sind. Ich will ihre Haut nicht an meinen Füßen, ihr Fleisch nicht auf meinem Teller, ihr Blut nicht in meinen Kosmetika. Punktum. Ich schlendere an der Bühne vorbei, wo eine junge Frau gerade Joan-Baez-Like „No no, it ain’t me, babe“ von Bob Dylan singt. Me like. Dann geht’s los. Die Fressbuden sind da. Ich hole mir einen Wrap, vollgepackt mit Salat, Tomaten, Gurken, Zwiebeln etcpp., dazu leckeren Aufstrich, Sesam- und Nusspaste. Gott, wat lecker. Neben mir Leute, die das noch nicht kennen und mutig sagen: „Machense mal allet drauf, ich probier dat mal, auch wenn ich nich weiß watat is!“ Finde ich gut. Und geschmeckt hat es auch. So sehr, dass der Verkaufsstand von vegan-wonderland wirklich gut zu tun hat. Beim Veggie-Döner-Stand ist eine ziemliche Schlange und auch der Lush-Kosemetik-Stand ist gut gefüllt. Auch hier riecht es gut. Überall Flyer und Infobroschüren, die ich mitnehme. Irgendwo muss ich mich engagieren, das fühle ich. Nur wo? Bei den Tierfreunden? Bei den Ärzten gegen Tierversuche? Beim Vegetarierbund? Ich werde mich einlesen, dann geht’s los. Mir hat es gut gefallen auf dem Veggie-Street-Day, ich werde wieder hingehen. Weil die Zeit drängte musste ich gehen und zwar zum

Unprojekt-Festival in Essen

Die Unprojekte sind die nicht offiziellen Projekte des Kulturhauptstadtjahres. Durch den Verein Unprojekte 2010 sollen diese vernetzt und realisiert werden. Durch basisdemokratische Abstimmung. Am Samstag war ihr Sommerfest und ich wollte sehen, welche Projekte so eingereicht wurden, mehr von den Machern hören. Auf dem Weg zum Kopstadtplatz höre ich einen Mann sagen: „Mensch, wat feiern die denn getz schon wieder??“ Sich. Uns. Den Pott. Die Kultur. Allet. Die kleine Bühne ist leer, die schremmeligen Couches auch. Die Galerie zeigt die Ideen und manche Macher sind vor Ort. Die Ideen werden auf Präsentationsbögen dargeboten. Ich habe, zugegebenerweise, wenig Lust mir das alles durchzulesen. Ich schlendere die Ideen entlang und freue mich, dass es so viele Menschen in der Region gibt, die mitgestalten wollen. Von Architektur über aktuelle Trends zu Literatur und bildender Kunst: hier ist einfach unglaublich viel Potential. Gefallen haben mir mitunter folgende Projekte:

Ruhr2010. Untertage Tag und Nachts – Ein Interviewprojekt mit „Kulturschaffenden, Kreativen und Kommunikativen“

Telefonzellenwahnsinn – Doku-Mission zur Erforschung des Ruhri und seiner Heimat

Union der Helden – Fotocomic über Superhelden im Ruhrgebiet einer Parallelwelt

Copperhead Copinski – Atelier für Sinnfreie Kunst! Literatur, Illustrationen, Malerei & Comics

Aber das sind nur einige. Wahrscheinlich war ich übrigens zu früh vor Ort. Ich hatte im Kopf, es ginge um 11h los, das Fest, aber tatsächlich startete es um 15h. Es füllte sich erst allmählich. Ich fand einige Ideen ganz gut, aber man hat mehr davon, wenn man sich im Internet schlau macht. Lange konnte ich auch hier nicht bleiben und als eine gewisse Saxophonkünstlerin Emmi das Geschehen auf der Bühne unterbrach, was wohl als komische Einlage gedacht war, bin ich gegangen. Himmel, die Frau hat weh getan. Also ich war nur zu Beginn da, habe aber viele Sachen gesehen, die mich angesprochen haben, so dass ich das über die Website weiter verfolgen und abstimmen werde.

Dann husch, husch nach Hause, meine Veggie-Day-Einkäufe und Gewinne sowie alle Infobroschüren und Co ausgepackt, dann nochmal in den Supermarkt fürs Grillen einkaufen. Der Sonnentag sollte nämlich ganz spontan noch durch etwas Grillerei aufgewertet werden. Dann ab nach Krefeld aufs Land, in den Gartenstuhl und lecker essen und unterhalten. Mit dem Hund spielen. Schön. Zum Olgas-Rock in Oberhausen habe ich es leider somit nicht mehr geschafft an diesem Tag, dabei hätte ich mir die Band Großstadtgeflüster schon ganz gern angesehen, aber ich musste mich entscheiden. War aber OK. Ich lieb‘ es hier. Das Leben. Die Leute. Die Region. Basta und raus.

2 Gedanken zu “Vegetarische Schuhe sehen aus wie alle anderen Schuhe auch. „Unprojekte“ ist so ein tolles Wort. Grillen im Garten ist schön. Ein Samstag im Ruhrgebiet

  1. Ich komme doch gleich mal rüber geschlurft 😉

    Zum VSD wollte ich zunächsten ebenfalls, am Ende war ich zu spät dran und habe mich für Essen entschieden. Dein Programm ist deutlich umfangreicher ausgefallen und deine Berichterstattung klasse! Wir werden sicher hier und da mal ähnliches von einander zu lesen bekommen!

    Liebe Grüße und einen schönen Tag dir!
    Emily

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