Dem Trend und der Pubertät hinterher. Rezension Bis(s) zum Morgengrauen

Es ist wie bei Harry Potter. Nein, doch nicht so ganz. Aber bei Potter ging mir der ganze Hype auch auf den Keks. Als der dritte Band herauskam, nahm ich mir ein Herz und las erstmal den ersten. Dann den zweiten. Dann fieberte ich jeder Neuveröffentlichung entgegen. Erstmal motzen, dass das was alle plötzlich toll finden, voll nervt. Mecker, mecker. Jetzt ist es diese Twilightgeschichte. Ich mag Vampire. Sexy und gefährlich, eine unwiderstehliche Mischung. Gary Oldmans Performance als Dracula finde ich immer noch unübertroffen, wie überhaupt der ganze prunkvolle Film von Francis Ford Copolla absolut genial ist und zu meinen Lieblingen gehört.

http://www.youtube.com/watch?v=Xw2-ZMhxTUs

Wieso bin ich nicht früher auf die Twilightserie angesprungen? Hmm, ich hatte nur gehört, dass Vampire angeblich glitzern jetzt. Und dass in der Verfilmung Robert Pattinson mitspielt. Den finde ich ja mal gar nicht prickelnd. Vor ein paar Wochen bin ich so durch die Buchhandlung geschlendert und erfahrungsgemäß komme ich da ohne Neuerwerbung nicht heraus. Ein riesiger Stapel Twilight-Bücher starrt mich an und ich denke: OK, jetzt nimmste dir den ersten Band mal vor, vielleicht ist es ja wie mit Harry Potter und du findest die toll. Tue ich nicht. Schrecklich! Ich habe mich gefühlt, als wäre ich Teil der Lethal-Weapon-Filme: Ich bin zu alt für diesen Scheiß!

I’m just a teenage dirtbag, baby

Ein weiblicher Teenager namens Bella zieht in eine Kleinstadt zu ihrem Vater. An der Highschool durchlebt sie das typische Teenagerdasein (Welche Rolle spiele ich? Bin ich cool? Was ist mit dem Abschlussball? Wo sind die süßen Jungs? Wer kann mich leiden? Etc…). Doch da ist dieser rätselhafte blasse und hübsche Junge namens Edward, der so eigenartig anders ist. So launisch. So über den Dingen. So wahnsinnig faszinierend. Und so unfassbar schön. Bis hierhin dachte ich schon, das Frau Meyer sehr auf die weibliche Teenagerzielgruppe zugeschrieben hat. Da habe ich mich nicht angesprochen gefühlt und wirklich aufregend ist das auch nicht. Aber was dann auf so ziemlich jeder zweiten Seite steht, hat mich den letzten Nerv gekostet: Die unglaubliche Schönheit des Vampirs Edward Cullen. Meine Güte, ist das übertrieben und ermüdend. Ein paar Beispiele? Gern, ich blättere mal wahllos durch den 511 Seiten starken Wälzer:

  • „Ich starrte sie an, weil ihre so verschiedenen und doch gleichen Gesichter [die der Cullen-Familie] umwerfend und überirdisch schön waren.“
  • „Er [Edward] grinste breit und offenbarte eine Reihe perfekter, blendend weißer Zähne.“
  • „Die Wiese, deren Schönheit mir vorher noch den Atem geraubt hatte, war neben seiner [Edwards] Pracht verblasst.“

Eine Stelle, wo Edward mal wieder mit einer griechischen Götterstaue verglichen wird, habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, aber man versteht das Ganze auch so. In fast jedem Satz finden sich ähnliche Versatzstücke a la „dieser seltsame schöne Junge“, seine „Stimme war seidenweich“, seine „langen Wimpern“ unterstreichen den Blick mit „glühenden Augen“, sein Atem hatte einen „exquisiten Duft“ und er offenbart eine „muskulöse Brust“. Gähn, da werden doch vorpubertäre Phantasien bedient. Ist das ein Schmalz. Und das wird immer schlimmer. Bella merkt dann recht schnell, mit wem sie es zu tun hat. Auch diese Entdeckung ist wahnsinnig tiefgründig geschildert und zeugt von der Originalität der Autorin. Bella gibt nämlich in die Suchmaschine das Wort „Vampir“ ein und – O Wunder- da ist ja in den Beschreibungen einiges so ähnlich wie bei den Cullens. Danke Technik. Bald sind die jungen Leute aber so angetan voneinander, dass sie, Gefahr beiseite (schließlich kann Edward sie ja beißen), es wagen einander zärtlich näher zu kommen. Ooooch, höre ich da die Teenie-Herzen seufzen. Vielleicht hätte ich das als 13/14jährige auch total toll und dramatisch gefunden, was mir jetzt nur noch einfältig simpel und fad erscheint. Außer Bella und Edward wird auch kaum Wert auf irgendeine wie auch immer geartete charakterliche Tiefenzeichnung gelegt. Das ist alles so flach, dass es mich mitunter wirklich ärgert. Dieses Hohle wird gerne durch die Beschreibung der Schönheit der Vampire und durch Liebesschwüre gefüllt (Jaaaaa, wir haben das verstanden, die sehen gut aus! Ja, die beiden finden sich super! Ja, das ist gefährlich! Und?). Bella schmachtet. Edward sieht gut aus. Damit ist das Buch, überspitzt gesagt, auch schon zusammengefasst. Den Rest des Buches finden die beiden halt zusammen, widerstreben der Gefahr (es gibt nämlich noch andere, bösere Vampire), es kommt zum Showdown und wird der Grundstein für weitere Folgen gelegt. Wird es Rache geben? Was ist mit dem Werwolf? Wer mit wem? Für wie lange und warum? Mir ist das egal.

P.S. Und Vampire glitzern hier wirklich. Wenn sie an die Sonne kommen. Damit fangen sie ihre menschliche Beute. Die sind dann nämlich wahnsinnig unwiderstehlich. Auch unser Edward, obwohl der Quasi-Vegetarier ist (er jagt keine Menschen, aber Tiere…). Mensch, da lobe ich mir ein ordentliches Gemetzel wie bei Blade, habe ich mehr von. Das ist ein Schmus bei den Bissen zum Morgengrauen oder am Abend oder wann auch immer.

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