Hörspielstationen

Ich habe entmistet am Wochenende. Tut immer gut, etwas angesammelten Ballast abzuwerfen. Ich wollte auch meinen alten CD-Kassetten-Player ausmisten, aber da ist mir meine Box unter dem Bett wieder eingefallen. Da sind meine Hörspielkassetten drin. Die ich noch aus Kindertagen aufbewahre. Die meisten sind lose oder die Hüllen haben keine Inlay mehr. Sie sind wie alte Stofftiere – abgeliebt. Von denen kann ich mich nicht trennen. Schon gar nicht von der einen, wo meine jüngere Schwester und ich Tesa über den Tonträger geklebt hatten und dann die Aufnahmetaste am Rekorder drückten, sodass jetzt statt der Abspannmusik das Getöse von uns beiden zu hören ist. Mein 10jähriges Ich, konserviert. Ein freakiger Gruß vom Damals ans Heute. Habe ich gelacht, als ich mir das gestern anhörte. Nee, wie schön bescheuert. Diese Hörspiele haben einen ganz großen Platz in meiner Kindheit eingenommen. Bei uns vier Geschwistern wurden so allerlei Hörreihen durchgenudelt und viele, ja Unmengen an Zitaten in den alltäglichen Wortgebrauch übernommen. Sobald das Wort „Schweinebraten“ fällt, ist sicherlich eine meiner Schwestern dabei, die innerhalb von Sekunden Vater Blocksberg zitiert, der sich einen „schönen Schweinebraten“ (Bibi Blocksberg und die Kuh im Schlafzimmer) herbeisingsangt. Eine andere Schwester wird dann garantiert mit einsteigen und den Amibesucher bei Bibi-Blockberg zitieren: „Schinkenburger – Burgermeister, hört sich das nicht verwandt an?“ Das versteht so erstmal niemand, aber wir amüsieren uns auch nach Jahren darüber noch ganz köstlich. Ich habe überlegt, welche Kassetten bei uns immer liefen. Ganz weit zurückgedacht, erinnere ich mich an

Die kleine Hexe Klavi-Klack

Ursela Monn in ihrer Paraderolle, wie ich finde. Ich kann mich noch an das Lied erinnern und wie die kleine Hexe ihren Namen fand. Klar wie Klack. So einfach war das und weil sie aus einem Klavier entstieg, wurde sie von einem Kind „Klavi-Klack“ getauft. Das fand ich toll. Die kleine Hexe war frech und abenteuerlustig.  „Die kleine Hexe Klavi-Klack macht so gerne Schabernack…“

Schubiduu…uh – das pfiffige Gespenst

Das Gespenst war immer gut drauf und konnte super reimen. Ein Gedicht, das mir sehr gefiel war dies: „Lehrt dich die Schule mal das grausen, denke dran – es gibt auch Pausen!“ Aaaaah, Poesie. Schubiduh ist ein Schlossgespenst im hohen Norden Deutschlands, das super gerne Popcorn ist. Der Geist freundet sich mit einem Jungen und einem Mädchen an. Erzählt wird das alles übrigens famoserweise von Walter Giller.  Wir hatten nur wenige Folgen, aber die fand ich super. Ein sehr wortgewandtes Gespenst, hachja.

Pitje Puck

Da hatte ich auch die Bücher von. Pitje Puck ist Briefträger und hat einen Hund (Schlappohr) und einen Papagei (Lorchen). Mit dem Bäckermeister Windbeutel und dem Wachtmeister Knurrhahn gerät er oft aneinander, sie spielen sich gegenseitig Streiche. Den Postbeamten sprach der Zentis-Mann Ernst Hilbich. War auch toll.

Mäuseweihnacht

Das war die erklärte Lieblingsplatte von meinen Schwestern und mir. Leider krieg ich nicht mehr viel davon zusammen. Es geht um die Zeit vor Weihnachten in einer Mäusefamilie. Und da war eine Katze, über die immer gesungen wurde: „Katinka Katze hat ’ne Glatze“. Irgendwann hat meine Mutter die entsorgt. Eine Wunde, die bis heute nicht verheilt ist. Und bei all dem Internethype – Ich habe dieses Hörspiel bis dato nicht gefunden. Ich weiß aber eben auch nicht mehr viel, nur dass ich sie liiiiiiebte.

Hui Buh

Die Kassette hat meiner Mutter bestimmt sehr gefallen. Hans Clarin hat da immer richtig vom Leder gezogen und das Gespenst Hui Buh heulen lassen, bis zum geht nicht mehr. Wie die das genervt haben muss, wenn die Geschichte in heavy rotation aus dem Kinderzimmer zu hören war… Ich fand das manchmal etwas gruselig. Wenn Hui Buh seinen Kopf verliert zum Beispiel. Uuuuuh, voll spooky. Der Erzähler war hier in den Originalfolgen der wunderbare Hans Paetsch. Mein liebster Märchenerzählopa überhaupt.

Benjamin Blümchen

Nunja, den sprechenden Elefant mit seinem Kumpel Otto kennt ja so ziemlich jeder. Mir war der ja immer ein bisschen zu brav. Es gab einige Highlightfolgen, die bei uns sehr gut ankamen: Benjamin feiert Geburtstag etwa. Wo im Reisebüro Aufschneider (hahahahaha) die ganze Bande aus Kenia ihre Reise bucht. Klasse! Oder Benjamin als Koch, der einen Burger mit 10 Mal Fleisch und dann erst eine Brötchenhälfte, entwickelt. Groß! Am allerliebsten mochten wir aber die Weihnachtsfolgen. Die waren das ganze Jahr über im Keller und wurden erst in der Adventszeit herauf geholt und um die gab es immer einen regelrechten Kampf. Benjamin als Weihnachtsmann: super, die wollte man hören. Benjamin und der Weihnachtstraum: noch besser, die allerbeliebteste Weihnachtskassette bei uns überhaupt. Benjamin träumt sich in den Himmel zum Weihnachtsmann und hilft die Geschenklisten abzuarbeiten, die ja immer länger würden. Da bekommen er und Otto gleich noch eine Lektion in Demut. Einfach prima. Wenn man Pech hatte, ließen die Schwestern nur Benjamin und der Weihnachtsabend (der dem Weihnachtstraum voran geht) über. Da werden andächtige Geschichten erzählt und Lieder gesungen. Allerdings schaut hier auch Bibi Blocksberg vorbei.

Bibi Blocksberg

Die kleine Hexe hat nicht nur in meiner Familie Kultstatus. Die ersten 30 Folgen kann ich sicherlich noch mitsprechen. Es gibt aber auch Knallerfolgen, mit einem wirklich schrägem Witz, den man als Kind so doch gar nicht wahrnehmen konnte. In Bibi heilt den Bürgermeister heißt es beispielsweise: „Sie sind wohl ein Roter, was? (Papa Blockberg wird hier in die politische Mangel genommen) Darauf antwortet Sohnemann Boris: „Mein Papi ist rosa, wie andere Papis auch.“ Genial! Noch doller ist allerdings der Granatendialog aus Bibi und die Zauberlimonade. Wenn man die trinkt beendet man jedes Wort mit „i“. Daraus entstand dieses: „Papi isti blödi“ -„Borisi seii nichti soi frechi sonsti scheuri ichi diri eini!“ Meine Güte, habe ich da Lachflashs geschoben. Wie auch bei der „Kuh im Schlafzimmer“. Die Folge ist purste Comedy. Ganz ganz super! Eine tolle Reihe, die mittlerweile ja etliche spin-offs hat. Bibi war frech und cool und hatte das Herz am rechten Fleck. Boah, das war ein Knaller.

TKKG

Für mich als drei Fragezeichen-Junkie war das die Konkurrenz, die meinen Helden nicht mal annähernd das Wasser reichen konnte. Trotz des tollen Songs: TKKG-huh…TKKG-huh. TKKG, die Profis in spe. Bischen betulich. Wie auch die „Fünf Freunde“. Nee, dann die lahme Gaby dazu. Das war mir zu langweilig. Da habe ich lieber einige Folgen im TV geschaut mit Fabian Harloff, der damals ein ziemlicher Held war.

Die drei ???

Jaaaaaaaa, das sind sie. Meine Helden. Für immer und ewig. Auch zitierfähig. „Spezialgelagerte Sonderfälle“ um Justus Jonas, den dicken Schlaumeier, Peter „Schisser“ Shaw (was ja eigentlich so auch nicht stimmt, ne?) und Bob Andrews, verantwortlich für Recherchen und Archiv. Immer die Karte an die Hand geben, Jungs. Mit dem Superpapagei und den tollen Rätseln ging’s los und bis heute bin ich denen treu geblieben. Merkwürdig. Manche Folgen sind aber auch spitze. Die erste mit den Papageien natürlich. „Ich nahm den Bogen meinen besten, mein Pfeil flog 100 Schritt gen Westen“ „Schau unter die Steine, jenseits der Gebeine. Hol den Schatz ans Licht. Ein Schloss rührt sich nicht. Ich hab‘ noch jeden reingelegt, da guckste in die Röhre, was?“ Dazu dann das tolle Krächzen von Produzentin Heikedine Körting als Blacky. Ein Klassiker, der fast meine Lieblingsfolge wäre. Wäre. Gäbe es da nicht Die drei ??? und das Gespensterschloss.  Folge 11. Uuuuh, war die unheimlich. Mit dem blauen Phantom und der schaurigen Orgelmusik. Uuuuuah. Und Skinny Norris, der Erzfeind, war dabei. Und der Fahrer Morton. Und überhaupt. Hier stimmt einfach alles. Die Fragezeichen habe ich mir auch live angesehen, was auch super war. Meine Favoriten überhaupt…*die Originalmelodie pfeif*

Flitze Feuerzahn

Wunderbar. Der friedliche Drache, der Rabe Raps, Kapt’n Buddelmann und die Wildsau Schnorche-Grunze. Mensch, das war immer toll. Der Erzähler war immer voll in Action, berichtete sogar live aus dem Hubschrauber. Der Erzähler ist auch hier wieder der großartige Hans Paetsch. Flitze Feuerzahn wird von Eckart Dux gesprochen, der auch Anthony Perkins als Norman Bates in Psycho seine Stimme lieh. Die Folge mit der Wildsau, die Geburtstag hat und einen Krimi im Haus von Käpt’n Buddelmann sehen möchte („Gestörter Fernsehabend“), ist meine Lieblingsfolge. Bizarr, aber gut.

Panki aus Pankanien

„Das ist Panki, Panki, Panki aus Pankanien und er isst so gerne Kastanien…“ Mmmh, ein Alien, das sich super mit den Erdenkindern versteht. Wenn man ihn ruft, kommt er und hilft. Fand meine kleine Schwester immer besser als ich, da wir aber teilweise ein Zimmer geteilt haben, ist diese Eröffnungsnummer in meinem Kopf nach Jahrzehnten noch präsent.

Hanni & Nanni

Die Bücher gab es bei uns Zuhause begleitend zu den Hörspielen. Ich mochte das schon gern. Vor allem die Folgen mit Claudine, der affektierten aber lustigen Mitschülerin. Aus dem gleichen Hause wie die drei Fragezeichen. Und auch wieder mit Hans Paetsch. Qualität. Und für kurze Zeit wollte ich auch mal auf ein Internat und mit Freunden so viele Dinge erleben wie die Zwillinge vom Lindenhof.

Karius & Baktus

Eine Erziehungsauftragskassette. Damit wir uns alle besser die Zähne putzen wird hier von Karius und Baktus erzählt, die dem vernaschten Jens die Zähne kaputt machen. Dazu gibt es ein paar schmissige Songs, die ich auch gern mochte. „Rot-weiß-rot, das sind die Farben – in einem schönen Mund. Drum putz dir stets die Zähne und bleib gesund.“ Wie sich Karius, der pfiffigere der Beiden einen Balkon in einem oberen Eckzahn baut und wie der tumbere Baktus fleht: „Du musst nicht auf deine Mutter hören, Jens“, als sie sagt, der Junge solle sich die Zähne besser putzen, ist saukomisch. Gut gemacht. Auch ein Klassiker!

Erzähl mir was

Ein supertolles Projekt. Märchen aus aller Herren Länder werden von wirklich tollen Stimmen vorgelesen. Dazu gab es ein Begleitheft, wo man die Geschichten mitlesen konnte. Musste umgeblättert werden, ertönte ein Glöckchen. Außerdem konnte man manche Märchenmotive ausmalen. Ein rundum-glücklich-Paket. Gelesen haben unter anderem Hans Paetsch (bspw. Der Schuhbaum – so eine tolle Geschichte), Thomas Fritsch (der ja zu den Fragezeichen gestoßen ist, was mich sehr gefreut hat) oder Maria Schell. Sie liest mein Lieblingsmärchen: Die wilden Schwäne. Und wirklich jede Geschichte wird ausnehmend gut vorgelesen. Ein Juwel in meiner Box. Der Hexenkater Gobbolino, der stotternde Karlchen Kasper, Aldo aus Arkadien, Artur Artig oder Groger der Oger – neben den klassischen Märchen gab es immer wieder diese schönen Erzählungen, die mich begeistert haben. Toll, toll, toll!!!

Alf, Knight Rider oder Pumuckl

Das war dann etwas später, da wurden die Originaltöne der Serien auf Kassette gebannt und mit etwas Erzählung zusammengefasst. Die Serie Alf  mochte ich aber sehr gern, da hat mir die Hörspielfassung dann natürlich auch gefallen. Bei Knight Rider war es dasselbe oder bei Pumuckl.

Die Ampelmännchen

Auch ein Vermächtnis meiner jüngeren Schwester. Zwei Ampelmännchen (ein rotes und ein grünes, natürlich) kämpfen für das Gute. Sie decken beispielsweise Umweltskandale auf. Sie können sich durch Strom-und Telefonleitungen bewegen. Sie sind mit einer Gruppe Kinder und dem Rentner Herrn Lohmann befreundet, die sie in ihren Abenteuern unterstützen.

Das kleine Gespenst

„Geisterrunde, Geisterstunde – Mitternacht ist da!“ Ich lieb(t)e die Bücher von Otfried Preußler und seinen kleinen Helden. So auch das Gespenst. Es lebt auf Burg Eulenstein mit seinem Freund Uhu Schuhuu. Einfach schön. Buch oder Hörspiel – beides ist so toll. Zumal hier auch noch Peter Pasetti den Erzähler gibt (der Originalerzähler der drei Fragezeichen).

Knuddel – der allerärmste Hund der Welt

In meiner Gunst auch gaaaaaaaaaaaaaanz weit vorne. Die Geschichten, um den Hund Knuddel, seinem Frauchen, das immer sagt „Ich werde waaaaahnsinnig“, weil sie immer so gestresst ist. Im kleinen Örtchen Zirngiebelhausen lebt der Dackel und sieht das Leben aus Hundesicht. Niemand kann den Armen so richtig verstehen und wieso gibt es so selten Leberwurst? Auch hier ist eine Weihnachtsfolge mein Liebling. Knuddel und der Engel Ambrosius („Am-bro-si-us? Wie kann man nur Am-bro-si-us heißen?!?!?“). In der Folge geht es auch um den kleinen Kemal, der die schwarzen Töpfe seiner Mutter in bunten Farben anmalen möchte und aus Armut Filzstifte stiehlt. Der Bildungsauftrag wird hier rührend umgesetzt. Und wie der Engel das erste Mal Spaghetti isst, hat mich immer zum lachen gebracht: „Auf dem Hemd, auf der Hose – überall Tomatensoße!“ Tolle Geschichten, mit echten Typen, die alle vom selben Erzähler gesprochen werden, der das einfach unfassbar gut macht. Norbert Scheumann! Wundervoll.

Ach, Hörspiele. Ihr habt mir einen guten Dienst erwiesen. Ich liebe gute Geschichten noch immer. Und noch immer habe ich viele Melodien und Szenen noch im Kopf und mein Gedächtnis ist voll mit diesem wunderbaren Quatsch. Danke.

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