Chorgewitter, Theaterfeuersturm und Wassermärchen

It’s been a while, aber ich hau’s trotzdem noch raus.  Die Tage voll von Arbeit und die Abende und Wochenenden voll von Kultur. Dieses Jahr ist so krass. Kann jeder unken über die Kulturhaupstadt Ruhr2010 wie er möchte, ich bin sehr dankbar, dass ich das aller hier mit erleben darf. Ich finde das geil! Drei Highlights aus dieser Rubrik muss ich noch beschreiben. Nunja, eines fällt nicht unbedingt da hinein, aber was soll’s.

Die Sinfonie der Tausend

Das ist ein weiteres Supermegaprojekt von Ruhr2010. Sage und schreibe 1000 Menschen intonieren Mahlers 8. Sinfonie. Das klingt wahnsinnig. Man stelle sich die Organisation dahinter vor. Neee, lieber nicht. Üffes. Stattgefunden hat das Ganze im von mir heiß und innig geliebten (nach einer etwas anderen Führung vor einer Woche sogar noch ein Quentchen mehr) Landschaftspark. Die eigentliche Aufführung war rattenfix ausverkauft, ich habe nur (wat heißt hier „nur“?) Karten für die Generalprobe bekommen. In Begleitung einer Freundin aus dem Ruhr2010-Büro (Sie ist verantwortlich für den Einsatz der Volunteers) hat es mich schon in lauter Vorfreude in den Ohren gekitzelt. Wir hatten ziemlich gute Plätze vorne rechts und ich habe den Kinderchören zugeschaut, wie sie auf ihren Einsatz warteten. Nervöse Flecken in den kindlichen Gesichtern, gerne machte auch mal ein Gähnen die Runde. Wie schön normal. Und doch wie aufregend. Hätte ich auch super gefunden (habe sechs Jahre im Chor geträllert und vermisse das manchmal schrecklich). Die Kraftzentrale ist riesengroß und beinahe voll gefüllt. Einige Leute schafften es nicht rechtzeitig da zu sein, da sie draußen im Autochaos versumpften. Wie kann man nur auf den letzten Drücker mit der Karre zu so einer Großveranstaltung kommen? Wieso überhaupt mit dem Auto?? Es wurde sich entschlossen, trotz der Abwesenden mit der Probe zu beginnen. Als der Chor sich dann mitsamt seiner 1000 Sänger aufschwang erschlug mich die Welle der Stimmkraft fast. Ich hatte eine Ganzkörpergänsehaut. Abgefahren. Dafür gab es standing ovations.

Standing Ovations Sinfonie der Tausend
Standing Ovations Sinfonie der Tausend

Verbrennung in der Jahrhunderthalle

Facebook sei Dank bin ich auf die dortige Page Kulturkenner NRW gestoßen, die immer interessante Tipps und Links im Kulturbereich anbieten. Hier habe ich zwei Karten für das Theaterstück „Verbrennungen“ in der Jahrhunderthalle Bochum gewonnen. Ich war zuvor schon mal dort, allerdings nur zur Pressekonferenz zur Eröffnung der Ruhrtriennale. Da saß man damals in kleiner Runde (klein im Vergleich zur riiiiiesigen Halle, denn es waren viele Journalisten vor Ort) und bestaunte die schöne Location. Diesmal reiste ich nicht mit dem Auto an, sondern mit ÖPNV. Die U-Bahn spuckte mich an der Jahrhunderthalle aus, aber ortsfremd wie ich war, wusste ich an der Erdoberfläche erstmal gar nicht wo lang. Ich folgte dem Tross bebrillter Schalträger, der nach Klischeekulturfreunden aussieht (die Pfeife hat noch gefehlt…) und latschte eine Anhöhe hinauf, um sie gleich wieder hinab zu latschen. Rechts, links, ran. Nah ist anders. Während ich auf meine Begleitung wartete (die sich genauso unbeholfen durch die Gegend navigiert wie ich) beobachtete ich das Treiben im verglasten Eingangsbereich und erfreute mich einfach daran, wie schön dort alles ist. Was Schönes in Bochum, man mag es ja kaum glauben, ist aber so. Als wir in die Halle kamen, stand dort ein riesiges Gerüst. Hierauf waren die Sitze angebracht. Wir erklimmen diese Zuschauerbühne und schauen herab auf das, was da vorne kommen mag. Das Stück ist vom libanesischem Schriftsteller Wajdi Mouawad und handelt von Zwillingen, die nach dem Tode der ihnen entfremdeten Mutter, nach ihrem Vater und ihrem Bruder suchen und ein schreckliches Familiengeheimnis aufdecken. Das Stück hat die volle Packung: Krieg und Folter aber auch Emanzipation und Freundschaft. Die Schauspieler begehen eine Tour de Force, das ist schon beim zusehen anstrengend. Auch technisch wird in diesem Stück an nichts gespart. Auf der Bühne regnet es, es explodiert und brennt. Die Hitzdruckwellen waren ziemlich fies. Nach guten zwei Stunden ohne Pause bin ich völlig geschafft, aber begeistert, was das Ensemble des Wiener Burgtheaters uns geboten hat. Ich bin zudem erschüttert. Harter Tobak. Mir fällt wieder auf, dass ich öfter ins Theater gehen sollte.

Jahrhunderthalle Bochum
Jahrhunderthalle Bochum

Kulturkanalfahrt

Mit dem Schiff über die heimischen Gewässer fahren. Von Bord aus auf die Schrottinseln schauen und den enormen Baggern bei der Arbeit zusehen. Das habe ich als Kind schon gerne gemacht. Im Ferienausweis war neben Freibad, Zoo und Minigolf auch glücklicherweise immer ein Bon für eine Hafenrundfahrt. Diese sollte allerdings etwas anders sein. Als ein Projekt der Ruhr2010 ist man auf dem Kulturkanal eingeladen „Vielfalt vom Wasser aus zu erleben.“Begleitet von der Jazzformation „Trionova“ und einem Märchenerzähler schippern wir über den Rhein. Auf die Emscher ging es leider nicht, die Schleuse konnte an dem Tag nicht passiert werden. Schade. So sind wir einige Mal die selben Wege lang gefahren (immer an der Landmarke Rheinorange vorbei). Es gab ein Stück Kuchen und eine Tasse Kakako, die Sonne strahlte, sodass man auch an Deck gehen konnte, um zu beobachten wie das Sonnenlicht auf den Wellen tanzt. Wenn der Erzähler Peter Glass – dann ansetzte, seine Wassermärchen zu erzählen, ging es aber flux wieder rein. Er las die Märchen/ Geschichten nicht ab, er trug sie frei vor. Das war schon toll, auch wenn die Geschichten unter der Überschrift „AUF SCHWANKENDEN PLANKEN – Kabbelige Geschichten zwischen Pfütze und Weltmeer“ mich selbst nicht so begeistert haben. Unaufdringliche, aber sehr schöne Musik, gute Unterhaltung und eine Seefahrt – das ist Harmonie!

Rheinorange
Rheinorange

Ein Gedanke zu “Chorgewitter, Theaterfeuersturm und Wassermärchen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s