Guten Abend, gute Nacht – einschlafen beinah erwünscht, wär‘ aber schade drum

Singen, Summen, Träumen

„Müde bin ich geh zu Ruh‘, mache beide Augen zu…“ Wenn dann ein Wiegenlied mein Gehör findet und mich langsam in den Schlaf hinüberführt, ist das schön. Auch heute noch. Ich kann mich nicht wirklich erinnern, dass mir meine Eltern/ Großeltern Schlaflieder vorgesungen haben. Kann ich mir, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen. Vielmehr werden Sie mir, ich bin ein wahres Kassettenkind, dementsprechende Platten oder Liederkassetten vorgespielt haben. Denn: beim Mitmach-Konzert „Singen, Summen, Träumen“ in der Mercatorhalle Duisburg, kenne ich so ziemlich jedes Wiegenlied, das dort vorgetragen wird. Es ist ein weiteres Projekt der Ruhr 2010.

Wiegenlieder-Deko in der Mercatorhalle

Kinderstimmen und Männerquintett

Für 14 Uhr am Nachmittag ist das Mitmachkonzert angesetzt und pünktlich steht eine Schlange vor den Türen, die sich nach Öffnung der Pforten rasch in den Saal quetscht. Die mittleren Sitze sind größtenteils reserviert. Gemaule macht sich breit, obwohl für alle Platz ist und die Sicht auch von oben noch OK ist. Die Mitte gehört den Kindern. Ein Zusammenschluss an Grundschulchören sitzt dort und wird einige Stücke mit dem Vokalensemble Vocus Focus zum Besten geben. Über die Bühne ist ein Tuch gespannt, wie ein Baldachin, wie bei einem Himmelbett. Die fünf Männer stimmen zu Beginn Franz Schuberts „Abendfrieden“ an und mir fallen wirklich schnell die Augen zu. Sehr getragen, Herr Schubert. Aber schön. Mozarts „Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein“ kenne ich ebenso wie Brahms‘ „Guten Abend, gut‘ Nacht“. Dann dürfen die Kinder aufstehen und in den Kanon „O wie wohl ist mir am Abend“ einstimmen. Da schießen einem fast die Tränen in die Augen, wenn man die glockenklaren Kinderstimmen hört. Wie toll! Michael Busch von Vocus Focus übernimmt die Rolle des Chorleiters und fordert die Frauen und Männer im Saal auf, in den Kanon einzustimmen. Hinter mir raunen sich sofort zwei entsetzte Frauen zu: „Ich sing nicht!!!“ – „Ich auch nicht!“ Selber schuld. Ich finde singen ganz, ganz super und stimme mit ein: „Wenn zur Ruh‘ die Glocken läuten, Glocken läuten. Bim Bam, Bim Bam, Bim Bam.“ Ist doch geil.

Der weiße Neger Wumbaba

Wenn man mitsingen darf, ist das immer toll, da wird die Starre im Publikum aufgebrochen und man ist Teil des Ganzen. Ich mag das. Insgesamt vier Lieder sind zum mitmachen gedacht: „Ade zur guten Nacht“, „Weißt du wieviel Sterne stehen“ (schluchz, ist das schön) und „“Der Mond ist aufgegangen“. Bei letzterem muss ich bei der Textzeile „Und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar“ fast lachen, weil ich an Axel Hacke und den legendären Verhörer „der weiße Neger Wumbaba“ denken muss. Höhö.

„Bett-Bühne“

Die Unbekannten und die Fremden

Am besten gefallen, neben dem Kinderchor, haben mir die fremdsprachigen und unbekannten Lieder. So war mir „Ich ging in einer Nacht“ von Bernhard Weber zuvor kein Begriff. Das ist, wie Michael Busch vorab versprach, zum schmunzeln. 🙂 Sehr berührt hat mich das traurige japanische Schlaflied, dass sich japanische Kinder, vornehmlich Mädchen, zum Mutmachen und Trost vorsangen, da sie von den Eltern zur Arbeit fortgeschickt wurden. *Schnief*  Mit dem russischen Wiegenlied „Bajuschki-baju“ habe ich etwas Liebgewonnenes aber Vergessenes wieder entdeckt. Das habe ich ewig lange nicht gehört, aber die Melodie ist mir noch sehr vertraut und auch weiß ich, dass es mir einstmals sehr gefiel.

Interessant sechzig Minuten voll schöner Musik und Erinnerungen. „Singen Sie mit Ihren Kindern, es tut Ihnen gut und den Kindern und ist einfach wichtig für Leib und Seele“, gibt uns Michael Busch noch mit auf den Weg. Hat er Recht.

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