Schleimfrisuren-Schaulaufen. Der Bambi, seine Kategorien und die Leute

Ich schaue Preisverleihungen. Ich lasse auf diese Weise gern das (TV-) Jahr Revue passieren. Auch liebe ich es, wie so viele andere auch, über die Veranstaltung zu hetzen und über die Leute zu lästern. Ja, böses ich. Das erste Mal hatte ich gestern den Laptop auf dem Schoß und verfolgte nebenbei die galligen Tweets bei Twitter zur Bambi-Posse. Das hat Laune gemacht, denn: was war das wieder für ein gestelzter Quark. Zu Beginn tritt Sarah Jessica Parker auf und quatscht uns voll und skandiert: „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin.“ Das muss doch schlimm für sie sein, wenn man ihr auf die Moderationskarte schreibt, dass sie das sagen soll, weil die Deutschen auf sowas abgehen. Die hatte keine Ahnung, was das bedeuten soll. Warum stand die da überhaupt und hat pseudomoderiert? Ich bin immer noch der Meinung als Revanche schicken wir die Ferres zu den Oscars!! Dass die „Fashion-Ikone“ (kommt in meiner Wertschätzung gleich nach Schmuck- und Nageldesignerin) da war, lag doch nicht etwa am „Überraschungsbambi“, den sie bekommen hat? Über den sie sich, total überrascht (pruuust, die konnte noch nie gut schauspielen!), voll gefreut hat? Mensch, da schämt man sich vor der Glotze so fremd! Zum Glück kam dann Michael Mittermeier und übernahm die Rolle des Moderators. Nee, doch nicht zum Glück. Heischte er früher mit Themen wie „Arschlochkindern (AKs) um Lacher, macht er es heute mit Kackwindeln und den Erlebnissen mit dem eigenen Nachwuchs. Wie die Zeit vergeht. So richtig lustig fand ich beides nicht. Als erste Preisträgerin darf sich Hannah Herzsprung freuen, die für ihre Rolle in der Serie „Weissensee“ ausgezeichnet wurde. Super. Frau Herzsprung finde ich wirklich interessant und die Serie habe ich sehr gern geschaut! Aber dann: Immer feste drauf auf meinen Geschmack, auf meine Nerven, denn dann darf Shakira die Bühne entern (angesagt vom schleimbehaarten Mesut Ösil, der wahnsinnig aufgeregt mit dem Text auf dem Teleprompter zu kämpfen hat). Shakira tanzt wie ein durchgedrehter Derwisch im, wie es aussieht, Seegrasröckchen und gibt den Ethno-Popstar und bedient jede drittklassige Buschmann/-frau-Fantasie. Die Trainer-Riege der Herren-Fußballnationalmannschaft gewinnt den Bambi. Dafür, dass sie den dritten Platz errungen hat und wir nun blaue V-Ausschnitt-Pullis lieben. Ja, super. Ein Ehrenbambi für den dritten Platz. Applaus. Standing Ovations! Wenn die Frauen nächstes Jahr unter die ersten drei kommen, bin ich gespannt, womit sie geehrt werden. Gar nicht auszudenken, was passieren würde, sollten die Männer mal wieder eine WM gewinnen. Dann werden ihre Gesichter in die Alpen gezimmert, mindestens! Wenigstens gibt es einen Lacher, als sich Jogi bei Shakira bedankt, die die Mannschaft ja motiviert hat „aufgrund ihrer…Persönlichkeit (Gelächter im Publikum) und ihres Aussehens“.

http://www.youtube.com/watch?v=s3uA4LStH2M

Dann wird der beste Schauspieler national (wieso die Einschränkung, ein internationaler wurde doch gar nicht ausgezeichnet…na, egal) geehrt und ich finde alle drei Nominierten gut und mochte alle drei Filme: Florian David Fitz (Vincent will meer), Felix Klare (Bis nichts mehr bleibt) und Friedrich Mücke (Friendship!). Fitz gewinnt und auch er ist heute mit dem „abgeleckter Katzenkopp-Look“ unterwegs. Ist das alles die Schuld von zu Guttenberg?Als Laudatoren waren Jessica Schwarz (in einem Kleid, in dem sie aussah wie ein frischer Muffin) und David Cross vor Ort. Er war aber nur Staffage. Hat der eigentlich etwas gesagt? Kann mich gar nicht entsinnen, komisch. Eine weitere skurille Kategorie bei den Bambis nennt sich „Unsere Erde“. Bizarr, aber die Ehrung Jane Goodalls und die Verleihung durch Hannes Jaennicke darf ich nicht kritisieren. Es muss mehr Leute geben, die etwas tun. Wenn auch nur im Kleinen. (Ich fördere mit meinen geringen Möglichkeiten beispielsweise Greenpeace und den Vebu). Widerlich, wenn Leute wie Patricia Riekel, Chefredakteurin der Bunte, dann vor Ehrfurcht und Lobpreisung bei der Kategorie „Stille Helden“ fast vergehen, sich am nächsten Tag aber wieder nur um die Fashion-Trends von irgendwelchen Soapsternchen kümmern. Statt andere zwar zurecht zu beklatschen, sollte sie sich selber engagieren. Das ständige „Ganz toll, was sie machen, wirklich, ganz toll“ klingt so falsch und nur so als würde es ihr eigenes Gewissen beruhigen. Toll, dass sie da irgendwo irgendwas machen, toll dass irgendwas geschieht, dann wird sich ja gekümmert. Als Musikeinlage quält dann noch der unsägliche Graf mit seiner Band „Unheilig“ (Nomen est Omen, Freund) die Ohren und fährt dick auf. Aber mächtig dick. Mit Streichern! Mit Tenören (Adoro = IGITT!) und einem Kinderchor. Und dann widmet er seinen Preis noch seinem verstorbenen Freund, für den er das Lied geschrieben hat. Ächz, mehr geht nicht. Scheußlich! Weiter geht’s. Sylvie Van der Vaart kommt. Zu Hülfe – mit ihrer Frisur sieht sie aus wie eines der Aliens aus Mars Attacks. Der Preis „Talent“ geht dann an die zwei Jungdarstellerinnen aus dem Hanni & Nanni-Film. Es gibt also doch eine Kategorie Talent. Da wissen die anderen Preisträger ja dann Bescheid…Als Anna Loos kommt frage ich mich schnell, was die so zu sich genommen hat. Alkohol? Andere Drogen? Einen Mix? Die ist eindeutig beschickert oder stoned! Krass, sie übergibt den Preis an Udo, der von seinem bald Premiere feiernden Musical schwärmt: „Das wird geil, ich geh‘ da selber jeden Abend hin!“. Höhö. Nachdem Karl Lagerfeld seine Laudatio auf Beth Ditto  hielt, kommen The Gossip auf die Bühne. Ditto ist auch schon beschwipst, verpasst den Einsatz und zwischen den Textzeilen und zum Schluss des Songs prostet sie uns allen immer wieder zu. Ich muss da auch mal eingeladen werden, da wird gut ausgeschenkt! Unvermittelt danach werden Bilder von Verstorbenen eingeblendet. Bäm. Ohne Vorwarnung. Michael Mendl rühmt im Anschluss noch mal das Wirken Christoph Schlingensiefs. Der hätte dem ganzen Brimborium gut getan, der hätte RambaZamba gemacht. Er fehlt. Nachdem Orlando Bloom (gähn) sagt, dass er Currywurst und bayerisches Bier mag (Mensch, super) wird die beliebteste Serie ausgezeichnet: „Um Himmels Willen“. So eine pupige Oma-Serie gewinnt. Naja, wer’s mag. Positiv fallen mir dann allerdings Hurts auf mit dem Lied „Wonderful Life“.

http://www.youtube.com/watch?v=bvjwFQUsuEE

Ich mag’s. Angekündigt von Joko Winterscheidt und noch einer anderen farblosen Musik-TV-Dame. Herr Winterscheidt war voll im Trend und hatte ’ne Klätschfrisur. Meine Herren – das ist NICHT schön! Wirklich nicht. Nazan Eckes darf dann noch den Bambi „Integration“ (diese Kategorien…) an Mesut Özil vergeben. Dafür, dass seine Eltern Türken sind. Nee….dafür, dass er in Deutschland geboren ist…Nee, auch nicht…Dafür, dass er in Deutschland aufgewachsen ist…Nee…Hm, dafür, dass er in der Fußballnationalmannschaft spielt mit der Bürde eines türkischen Namens? Ich habe keine Ahnung. Da kann man den Preis wirklich an andere verleihen. Hier wird sich doch wieder auf die Schulter geklopft: Guckt mal, wir wieder. Haben einen Türken, der irgendwie schon Deutscher ist, aber auch nicht so richtig, in unserem HEILIGTUM, der Fußballnationalmannschaft und finden den auch noch gut, der hat nämlich ins Tor getroffen. Und dabei hat der gar nicht gemuckt, oder so. Überhäuft ihn mit Preisen, der hat sich hier ja toll eingefügt (wie auch nicht…geboren und aufgewachsen…). Komische Sache das. Zum großen Finale darf Westerwelle seinen Parteispezi Hans-Dietrich Genscher laudatieren und als „Architekten der Einheit“ hofieren. Genschman, so heißt er bei mir unwillkürlich (kommt das eigentlich von der Knaller-Puppen-Show Hurra Deutschland?) singt ein eindringliches Loblied auf Europa und mit dem Einsatz von Peter Maffays quarkig komponierten Klangteppich verlässt die Kamera die Szenerie und ich bin geschafft. Wenig Show, lahmes Gesülze, bisschen peinlich, bisschen rührig, bisschen komisch – es war wie immer. Bis nächstes Jahr.

http://www.youtube.com/watch?v=DDtTdSoO4z4

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