Richard Wagner, D.A.F und Tron – ein kleiner Crossover-Abend

Samstag Abend und ich habe eine Karte für eine Benefiz Opern-Gala in der Mercatorhalle. Auf dem Programm stehen Werke von Richard Wagner und Richard Strauß. Öha. Danach will ich mich noch mit Freunden treffen und in irgendeinen Club gehen. Irgendeinen ist gut. So groß ist die Club“szene“ in Duisburg nicht. Sie ist sogar so verschwindend gering, dass das schmierige Wort „Szene“ hier auch gar nicht zieht.

Die Nibelungen und eine gute Portion Oboe

Der Alt-Oberbürgermeister Josef Krings ist der Schirmherr der Operngala. Der ist ja mittlerweile eine Art heilige Kuh der Stadt. Der darf sagen, was er will und niemand nimmt es ihm übel. Da muss man erst mal hinkommen. Er sagt ein paar einführende Worte und zitiert Markus Lüpertz (der mit dem ätzhäßlichen Herkules auf der Zeche Nordstern), der über das Kulturhauptstadtjahr sagte: „Viel Event, wenig Kultur.“ Das sei ja an diesem Abend der Hochkultur ganz anders. Krings versetzt zum Schluss noch den Plänen zum Ausbau der Küppersmühle einen Schlag: „Das ist scheußlich, was da passiert!“ Das Konzert beginnt, Manfred Jung, seines Zeichen erprobter Wagnerianer Tenor, dirigiert ein Orchester aus Duisburger und Essener Philharmonikern, die das Siegfried-Idyll anstimmen. Als nächster Programmpunkt steht das Konzert für Oboe und Orchester D-Dur von Richard Strauß, intoniert von Manfred Jungs Tochter Melanie. Sie ist gewandet in eine Scheußlichkeit von blauem Kleid, dass mich an furchtbare Bollywood-Filme erinnert. An Inderinnen, die durch die Alpen tanzen.

Melanie Jung an der Oboe

Vor mir wird gemurmelt: „Das Kleid könnte auch aus Marxloh stammen.“ Läster, läster. Die Oboe zu spielen sieht anstrengend aus. Wie schnell die Finger über das Instrument fliegen, da bin ich immer schnell begeistert und neidisch. Ich starte sofort einen inneren Heulanfall: Ich will ein Instrument beherrschen. Jetzt sofort. Eltern, wieso habt ihr mich nicht dahin getrimmt? Wäääh!! Dann erfolgt die Pause. Natürlich muss man sich dann passend zum Ambiente ein Glas Sekt genehmigen. Das tun wir und dann belegen wir die bequemsten Sessel, die man sich vorstellen kann. Die sehen zudem aus wie aus einem James Bond Film, sodass ich mir sofort eine Katze auf den Schoß wünsche, mich schwungvoll mit dem Sessel zu meinem Erzfeind umdrehen möchte und sagen will: „Ich wusste, wir würden uns wiedersehen, Mr. Bond…“ Toll. Die Pause ist kurz und der Sekt furztrocken. Ganz schwer, den schnell hinunterzukippen dann.

Der Sekt
Die James-Bond-Sessel

Als nächstes steht Die Walküre, erster Aufzug an. Gefolgt von der Götterdämmerung und dem Trauermarsch. René Kollo, Hyuana Ko und Hans Sotin betreten die Bühne. Hinter mir wird kommentiert: „Kollo – der eingebildete Fatzke!“ Mir fällt seine Max & Moritz-Frisur und seine kackhäßliche Brille auf. Ich weiß nur, dass er mal Schlager gesungen hat. Als Kammersänger sagt er mir nix. Der Bariton Sotin hat eine Figur, die schon Stimmgewalt ausstrahlt. Was für ein Resonanzkörper. Es wird deutsch gesungen. Ich habe das Nibelungenlied an der Uni lesen müssen, aber zusammenfassen könnte ich es jetzt schon nicht mehr. Dementsprechend überfragt bin ich, worum es gerade geht. Irgendwie um eine Quelle, einen Kampf mit Wölfen, Siegmund, der seinen Namen nicht preisgeben kann, den Wirt Hunding und so allerlei. Die Geschwister Siegmund und Sieglinde lernen sich kennen und zeugen dann Siegfried. Irgendwie so war das. Inzest. Hochkultur. Das dauert ganz schön lang, gefällt mir aber ganz gut. Eigentlich für 23 Uhr wieder verabredet werde ich unruhig. Die Solisten verbeugen sich, als mir fast die Geduld flöten geht. Hm, aber die Türen öffnen sich nicht. Ey, was los? Dann wird mir zugeraunt: „Jetzt kommt doch noch die Götterdämmerung und der Trauermarsch. Noch ’n Stündchen?!“ Da haben wir 22:40Uhr. Ächz.  Immerhin ist die Musik ein Donnergrollen. Pauken und Becken. Laut, schnell. Yeah.

Kollo, Ko, Sotin

Um kurz vor 23 Uhr ist Feierabend und die Leute stürmen hinaus, obwohl die Türen noch nicht geöffnet wurden. Hm? Das Publikum klatschte aber immerhin begeistert. Schade, dass außer den einleitenden Worten keine Spur mit dem Publikum geredet wurde. Manfred Jung hat sich dieses Konzert ja selber zum Geschenk gemacht, da hätte es mir gefallen, wenn er nochmal kurz gesagt hätte wieso und warum. Na, dann eben nicht. Eigentlich wollte ich noch nach Hause und mich umziehen, aber dazu fehlt jetzt die Zeit. Auf ins Goldengrün.

Goldengrüne Hippness

Das Goldengrün

Eigentlich wollten wir ins DJÄZZ, solange es noch da ist. Aber da war HipHop-Abend und das ist unsere Sache nicht. Ich hoffe dennoch inständig, dass sich für das DJÄZZ eine Lösung findet. Bei der Demo am 29. Januar bin ich dabei. Im Goldengrün waren wir noch nie und mögen es gleich. Hübsch aufgemacht. Winzig klein. Musik war OK. Ich freue mich über D.A.F mit „Der Räuber und der Prinz“ und die Sterne mit „Trrrmmer“. Um uns herum jede Menge Typen mit Nerdbrillen und Seitenscheiteln. Wahnsinnig indivduelle Massenhippness. Egal-O. Wir fühlen uns da dennoch ganz wohl, stimmen aber überein, dass das wohl ein Laden ist, um zu starten oder zu enden, aber nicht, um wirklich zu tanzen. Wir ziehen weiter ins Hundertmeister.

Erstsemester-Party

We enter the Hundertmeister-Place and it is: fast leer. Was? Wie? Wo? Egal, wir gehen erstmal an die Bar. Während wir unsere Getränke zu uns nehmen, betrachten wir die Szenerie. Ich erwische mich dabei Nerdtendenzen zu haben. Auf der Leinwand läuft der Original Tron-Film aus den 80ern. Ich liebe den. Keiner aus der Runde kennt ihn und ich werde fragend angestarrt.

Tron im Hundertmeister

Für Nichtkenner muss das auch wahnsinnige trashig aussehen, was da gerade passiert. Dabei ist es voll tragisch. RAM stirbt gerade. Schluchz. Den Nachfolgefilm Tron: Legacy will auch keiner sehen, auch nicht, als ich sage, dass die Musik von Daft Punk kommt. Banausen. Echt Mal. Die Musik sagt uns an diesem Abend hier nicht zu, sodass die Lust zum Tanzen nicht recht aufkommen will. Außerdem reagieren wir amüsiert bis erkenntnisgeschockt, dass das Publikum so jung ist. „Die tragen ja alle Karohemden und sehen aus wie uniformierte berufsalternative Erstsemester“ wird kommentiert. Hier beenden wir den Abend nicht. Wir ziehen nach einer Weile dann weiter in Graefen.

Schäbbig ist schön

Wir trotten ins Graefen. Wir lassen uns nieder und erfreuen uns, dass das Graefen „so schön versifft“ aussieht. Der ganze Boden ist voller Erdnussschalen.

Nüsse auf dem Graefen-Boden. Herrlich.

Wir sammeln die Nüsse vom Nachbartisch und verschnappern die. Damit schmeckt der Aperolsekt nochmal so gut. Ungefragt stehen dann auch noch Salzbrezeln auf dem Tisch. Nicht lange. Lecker. Die Musik ist gut, es ist gemütlich. Mann, war ich da lange nicht drin.

So umherzustromern ist toll. Leider ist die Auswahl in der Innenstadt nicht allzugroß für so etwas. Wie schön wäre ein Dellviertel mit lauter kleinen Clubs und Bars. Dann wäre der riesige Platz in der Mitte vielleicht nicht so eine steinerne Wüste. Auch wenn wir nicht im DJÄZZ waren – wir mögen den Laden und wollen das er bleibt. Alle hingehen zur Demo nächsten Samstag um 12 Uhr!!

Unterstützt das DJÄZZ

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