Element of Crime in Münster. Masematte und trübes Wetter

Schauwerte mit ihrem EoC-Ticket

Hurra, jipie, jahaaaa – Element of Crime in concert. Freude schöner Götterfunken… Die wollte ich schon immer mal sehen, hat sich nie ergeben. Bis jetzt. Das war so toll. Ganz wunderbar. Spitze. Ein Traum! Von vorn.

Über die Dörfer

Donnerstag. Heute Abend ist das Konzert und ich schmeiße mich in den RE nach Münster. Da war ich zuletzt zu Oberstufenzeiten, um mir die Uni anzusehen. Lang ist’s her. Die Fahrt führt über so schöne Orte wie Bösensell oder Nottuln Appelhülsen. Nottuln Appelhülsen – wie schön klingt das denn? Als ich in Münster aussteige, ist der Himmel in klischeehafteste Kackwetterfarbe getaucht. Ich denke an Anke Engelke in „Der Wixxer“: „Wieso issen hier eigentlisch alles so grau in grau? Da hätt isch jo gleisch in Bitterfeld bleiben können!“ Schnell zum J. fahren, um den Rucksack abzuwerfen. Hunger hab ich auch.

Münster = Bikercity

J. wohnt ganz nett. Direkt umme Ecke gibt es eine ansehnliche Zahl Kneipen. So viele an einem Ort. Ein Traum…Er schlägt vor, dass wir uns aufs Rad schwingen und  Richtung Jovel Music Hall fahren: „In Münster musst du Fahrrad fahren. Münster-Feeling.“ So bekomme ich ein ziemlich abgewetztes Rad unter den Pöppes geschoben und wir radeln los. Die Sattelspitze ist lose, sodass ich während der Fahrt ganz undamenhaft zwischen den Beinen rumfrickeln muss, um den Bezug wieder auf das Gestell zu drücken, da es sich sonst sehr unangenehm anfühlt. Tjaja. Wir fahren zum „Kreativ-Kai„. Bei solchen Wortschöpfungen überkommt mich das kalte Grausen und ich könnte kotzen, in ganz warmen Farben. Wir verlustieren uns bei einem Italiener und ich bin traurig, weil es da kein Pinkus-Bier gibt. Nur Warsteiner. Igitt. Dann machen wir uns auf in die Jovel Halle.

Masematte

„Samma, wat soll „Jovel“ (ich spreche es jowell aus) eigentlich bedeuten?“ So frage ich J., der sich als neu zugezogener Münsteraner mit seiner neuen Heimat auseinandergesetzt hat. Er erklärt mir, dass dies ein Wort des Masematte-Dialekt ist. Mase…wat? Wat et nich all gibt. In diesem westfälischen Dialekt bedeutet jovel soviel wie gut, oder sehr gut, prima, klasse, nett.  Die Musikhalle ist in dem ehemaligen Autohaus Opel Kiffe (haha) untergebracht und das ist anscheinend nicht die erste Jovel-Location, wie ich später lerne. Die Halle ist ganz nett, aber dass man an der Garderobe 2 Euro zahlen muss, um seinen Wintermantel verstauen zu lassen, finde ich doof. Auch, dass man sich Verzehrkarten kaufen muss (an der Kasse vorn), um an der Bar sein Bierchen zu bekommen. Und hier gibt es auch kein Pinkus. Doof. Wieder nur Warsteiner. Wir fragen uns, ob es die Münsteraner Warsteiner-Mafia gibt und entscheiden uns für Salitos. Lecker. Auch in der Ice-Version. Es ist gar nicht mal so voll hier und wir gehen nach vorne. Stehen dritte Reihe. GEIL!

Maike Rosa Vogel

Der Saal wird dunkel und -zack- steht Sven Regener auf der Bühne und sagt den Warm-up Act an: Maike Rosa Vogel. Applaus. Nie gehört. Sie hat eine Gitarre vor dem Körper und eine Mundharmonika (iiiiiih) vor dem Mund.Ich habe angst. Ich fand sie aber ganz gut, vor allem dieses Lied hier:

http://www.youtube.com/watch?v=u2yYZAyZvdY

Element of Crime – die Helden für feine Alltagsbetrachtungen und noch feinere Musik

Nach der Maike geht es relativ schnell weiter mit dem Konzert von Element of Crime. Endlich. Ich liebe sie. Punktum. Regener hatte ich vor einiger Zeit noch gesehen bei 3nach9. Dort aß er Nüsse und schaute bevorzugt auf den Boden, wenn er sprach. Komischer Kauz. Aber nicht unsympathisch oder arrogant oder so. Ich hatte mal gehört, dass er auf Konzerten nicht für seine Ansagen bekannt ist. Ich fand ihn ganz spaßig. Zuerst äußerte er sich über das Jovel: „Das wievielte Jovel ist das jetzt?“ Er betonte, wie sehr er das Jovel mag und untermauerte an späterer Stelle: „In einer Welt ohne Jovel möchte ich nicht leben“. Er fragte sich, ober sich mit solchen Ansagen um Kopf und Kragen rede und welchen Sinn solch Gefasel vor/ nach den Songs macht. Ich war amüsiert. Vor allem immer dann, wenn er sich mit minutenlanger Verzögerung nach einem Lied bedankte. Zwischendurch reckte er die Arme in den Himmel, beugte sich ein wenig nach hinten und rief unmotiviert: „Romantik!“ Hach, hach. Alles toll. Ich ärgere mich so, meine Kamera nicht da zu haben. Schnüff, schnüff. Los ging es mit „Kopf aus dem Fenster“. Hurra! “ Ich liebe diese Band. Ich liebe diese Texte. Ich liebe diesen Sound. Ich liebe diesen Humor. Ich liebe diese Instrumente. Einfach genial.

Nimm die Hand von der Hupe – ich will an Land.
Wer nicht schwimmen kann, taucht.
Wer nichts taucht – runter vom Strand.

Was für Cloppenburg „Pfanni“ ist, bist du für mich
und dann scheiß auf Metaphern,
die sind böse und heiß und im Gesicht hab´n sie Pickel,
die sind nicht schön.

Ist das nicht allein schon prima? Als nächstes kommt „Am Ende denk ich immer nur an dich“. Diese kleine Momentaufnahme finde ich so großartig, da gehen einem sofort die Komparative aus:

Auf einem Spielplatz ruft ein Kind nach seiner Mutter,
damit die sieht wie hoch das Kind schon schaukeln kann.
Und es wirft die Beine vor und hoch zum Himmel,
bis ein Schuh davon fliegt und der landet dann
auf einem Auto, das am Straßenrand geparkt ist,
auf dessen Windschutzscheibe „Schwein“ geschrieben steht.
Und das Metallic braun und glatt, wie deine Haare
genau wie du sein wahres Alter nicht verrät.

Ganz egal, woran ich gerade denke
am Ende denk ich immer nur an dich.

Die deutsche Mutter stürmt nach vorn in heller Panik,
und übersieht dabei ein Kindesbein im Sand,
und schlägt lang hin – da lacht der Kindesbeinbesitzer
der hat ein Erdbeereis in seiner rechten Hand.
Das hängt bedenklich schräg nach vorn in seiner Waffel
und tropft sich selbst verschwendend auf die Haute Coture, am Leib des ganzen Stolzes seiner schönen Eltern
und wird zu Dreck dort, genau wie ich bei dir.

Ganz egal, woran ich gerade denke
am Ende denk ich immer nur an dich.

Warum blutet Mutter aus der Nase?
Warum ist ihr Kind so dumm, wie klein?
Darf ein metallicbraunes Auto denn da parken?
Und warum kann ich ohne dich nicht glücklich sein?
Wieviele Erdbeereise muss der Mensch noch essen?
Bevor er endlich einmal sagt: Ich bin dafür
die böse Tat des Beinestellens zu unterlassen?
Und darf ich irgendwann nochmal zurück zu dir?

Ganz egal, woran ich gerade denke
am Ende denk ich immer nur an dich.

Ganz egal, woran ich gerade denke
am Ende denk ich immer nur an dich.

Regener – du bist der Geilste, echt. Ich bin schon nach zwei Liedern spontanverliebt, weil so begeistert. Ich bewundere das Gitarrenspiel von Jakob Ilja und den Mann an der Violine, Christian Komorowski. David Young spielt den Bass beständig und wirkt selig lächelnd weltentrückt. Richard Pappik am Schlagzeug fügt sich in das talentierte Ensemble ein und Regener spielt das Instrument, das ich wahrlich nicht mag: die Trompete. Und doch: hier kann ich es ertragen. Muss ich sonst immer an Big-Band-Getröte auf der MS Deutschland denken, wäre die Musik von Element of Crime ohne die Trompete so viel ärmer. Das reguläre Konzert endet mit dem Tour- und Albumtitelgebenden Kracher „Immer da wo du bist, bin ich nie“. Uh yeah! Geiles Lied, hier mal mit Ina Müller:

http://www.youtube.com/watch?v=Pu6r5U4yOPU

Es kommen danach drei Zugaben. Klar ist „Weißes Papier“ dabei. Eines meiner ewigen Lieblingslieder. Ich freue mich auch über „Blaulicht und Zwielicht“ sowie „Delmenhorst“ (das vom Publikum natürlich zuvor immer wieder gefordert wurde und angesagt wurde als ein Lied über eine Stadtmarketingkampagne des Landes Niedersachen, die eigentlich alle Städte des Landes umfassen sollte, nach diesem Lied aber aufgekündigt wurde, höhö). Mein Highlight war aber „Don’t you smile“ vom Album „Try to be Mensch“. Das hatte ich sooooooooo lang nicht gehört, konnte mich kaum dran erinnern. Ein geiler Song:

http://www.youtube.com/watch?v=yZus25tWMGE

Ich hätte noch ewig und drei Jahre dort bleiben und zuhören können. Aber alles geht einmal zu Ende. Als wir nach Hause kommen legen wir nochmal EoC auf und trinken endlich ein Pinkus. Alles war gut. Hier noch die Setlist:

  • Kopf aus dem Fenster
  • Am Ende denk ich nur an dich
  • Deborah Müller
  • Immer unter Strom
  • Im Himmel ist kein Platz mehr für uns Zwei
  • Rein gar nichts
  • Über dir der Mond
  • So wie du
  • Seit der Himmel
  • I’ll warm you up
  • Bitte bleib bei mir
  • Weit ist der Weg
  • Wenn der Morgen graut
  • Straßenbahn des Todes
  • Kaffee und Karin
  • Euro und Marktstück
  • Immer da wo du bist, bin ich nie
  • Zugabe1
  • Weißes Papier
  • Delmenhorst
  • Zugabe 2
  • Don’t you smile
  • Blaulicht und Zwielicht
  • Zugabe 3
  • You only tell me you love me when you’re drunk
  • Alten Resten eine Chance

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen aus Münster, die zu den unkitschigen, melancholischen Tönen von Element of Crime passen wie Arsch auf Eimer.

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Die münstersche Aa
Prinzipalmarkt
Kreativkai
Kiepenkerl
Lamberti Kirche
Rad über Rad

Ein Gedanke zu “Element of Crime in Münster. Masematte und trübes Wetter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s