Reisebericht: Südkorea. Teil 1

Die Vorbereitung

Was für eine Aufregung. Ich brauche manchmal lange für Entscheidungen. Eine Freundin von mir arbeitet schon einige Zeit (fast 4 Jahre) in Seoul als Französisch-Lehrerin an einer Internationalen Schule und immer schon wollte ich sie besuchen. Für dieses Jahr hatte ich es mir wirklich fest vorgenommen. Sogar meinen Reisepass habe ich schon beantragt und widerliche 59 Schleifen dafür bezahlt. Ich habe nach Flügen gesucht wie eine Irre. Das ist wirklich eine elende Schatzsucherei im Netz. Aber mit FinnAir oder  Turkish Airlines gibt es zwei Anbieter, die in derselben Preisklasse liegen. Jeweils ein Zwischenstopp ist auf dem Weg einzurechnen. Entweder Helsinki oder Istanbul. Da man den Flughafen nicht verlassen darf, ist mir das eigentlich ziemlich wurscht, wo ich mich gelangweilt hinsetzen muss.

Die Flüge mit Turkish Airlines

Ich entscheide mich für Turkish Airlines. Bäng. Gebucht. Eine gute Entscheidung, denn alle Flüge waren pünktlich, ruhig und boten Top-Service. Und wenn das jemand wie ich mit latenter Flugangst schreibt, will das schon was heißen. Der kurze Flug nach Istanbul dauert nur gute 3 Stunden.

Im Flughafen Istanbul

Umsteigen. Latsch, latsch, Pass rein, Pass raus. Warten. Dann mische ich mich unter die Asiaten, ich bin phänotypisch die einzige Europäerin im Flugzeug. Hahahaha, auch mal eine Erfahrung. Ein wenig Horror vor dem langen Flug habe ich ja schon. Elf Stunden im Flieger – ich kann mir wirklich etwas Schöneres vorstellen. Bewaffnet mit Nackenhörnchen und Thrombosestrümpfen nehme ich am Fenster Platz und atme tief durch. Los geht’s. Schon nach kurzer Zeit rolle ich den engen Socken runter und pfeffere das Nackenhörnchen in die Gepäckablage, weil mich beides nervt. Dann schaue ich auf meinem kleinen Monitor einige Folgen „How i met your mother“. Dabei stelle ich fest, wie sehr mich das TV beruhigt. Ich schaue mir noch „Due Date“ und „Crazy Heart“ an und dämmere dabei weg. Richtig schlafen kann ich nicht. Jedes Mal, bevor ich merke, dass ich gleich richtig einnicke, schreckt es mich hoch. Gerne schaue ich mir die Fluginformationen an und lass mir anzeigen wie hoch wir sind, wie schnell und wie es gerade vor den Augen der Piloten aussieht. Das gefällt mir.

Flug-Informationen

Kurz vor der Landung muss man kleine Formulare ausfüllen. Einmal muss ich angeben, ob irgendetwas zollpflichtiges einführe und einmal muss ich angeben, was mich nach Südkorea verschlägt und wo ich während meines Aufenthalts wohne. Gut, dass ich A.s Visitenkarte habe und alles eintragen kann. Als ich in Seoul ankomme, bin ich weder richtig wach und frisch noch müde und filzig. So ein Zwischending halt. Ich bin sehr froh, es geschafft zu haben. Ich fahre Rollband über Rollband über Rollband. Fahre Treppen runter und wieder rauf, dann noch mit der Bahn, um wieder über Rollbänder zu fahren. Geht es irgendwann auch mal raus, frage ich mich. Dann endlich: Passkontrolle. Meinen taufrischen Reisepass lege ich vor und…er kann nicht gelesen werden. Toll. Ab ins Immigration-Office. Da muss ich nochmal meine Fingerabdrücke und ein Foto abgeben. Geht aber alles ganz schnell und dann darf ich endlich mein Gepäck holen. In der Ankunftshalle steht A. schon mit einem Willkommensschild. Wie schön!

Ankunft in Seoul

Wir ziehen meinen Koffer zur Bushaltestelle und zahlen dem Busfahrer 10.000 Won (fast 10 Euro) und machen uns auf in die Stadt. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde und gibt schon mal Eindrücke der Megacity (groß, hoch, voll, bunt!). Wir fahren an einem „Kunstwerk“ vorbei. Ich habe sofort zwei große Fragezeichen in den Augen und frage, was dass denn bitte solle: „Why do they have a big fat Phallus right next to the airport???“. Die Antwort: „I know…but it’s supposed to be a plane“. Hahahaha.

Das „Flugzeug-Kunstwerk“ bei Nacht

A. wohnt direkt auf dem Schulcampus. Hoch oben hinter der Yonsei University. Wir nehmen nach der Busfahrt noch ein Taxi. Ich lerne, dass man „annyeoung haseyo“ sagt, denn das heißt „Hallo“ oder „Guten Tag“. Der Fahrer fährt uns rauf zu dem Lehrerwohnungen der Schule. Ganz schön hügelig. Wir zahlen, sagen brav „gamsa hamnida“ (Danke) und laden mein Gepäck ab. Die Wohnung ist wirklich schön. Möbel im asiatischen Stil und Seidenpapier-Türen. Toll! Da A. erst einen Tag vorher aus Indien zurück gekehrt ist, hat sie so gut wie nix Essbares im Haus. Wir gehen also zum einkaufen runter nach Sinchon.

Unterwegs in Sinchon

Es ist mittlerweile Dunkel und überall blinkt und tönt es. TVs, Radios tönen aus den Geschäften oder die Mitarbeiter selber, die die Leute hineinlocken wollen. Ist das trubelig. Im Grand Market bin ich nach kurzer Zeit schon hoffnungslos verloren. Was ist das? Und das hier? Ist da Fleisch drin? Schmeckt das? Was soll das denn sein? Nirgendwo steht was in englisch, sehr aufregend.

Gibt es immer und überall: Kimchi
Soju – alkoholisches Getränk aus Süßkartoffeln
Keeeekseeeeeee

Wir schnappen uns Frühstücks- und Knabberkram und Getränke und ich fühle mich auf dem Heimweg schon komplett reizüberflutet und bin nicht mehr zu wirklich viel Kommunikation in der Lage. Ein Gefühl, dass sich noch etwas weiter fortsetzen sollte.

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