Düsseldorfer Museumsnacht: Die heilige Mutter vorm Kreuz und breakdancender Vivaldi

Eine Nacht und 40 Museen & Galerien. In Düsseldorf. Ich mag diese Kulturnächte. Egal wo, eigentlich. Also ab zum Grabbeplatz und ein Ticket für 12 Euro gekauft. Vor der K20 Kunstsammlung und der Kunsthalle ist schon trubel. Loungemusik und erste-Sahne-Wetter sorgen für feinste Laune. Wir lassen uns treiben und starten dann irgendwie im Maxhaus. Hatte ich zuvor noch nie von gehört. Ein hübsch renoviertes Kloster mit einem frei zugänglichem Ruheraum. Mitten in der City. Im Konzertsaal („Wo schon Heinrich Heine Fußball spielte“, wie wir belehrt werden…Fußball? Zu Heines Zeiten (1797-1856)? Na, egal) wird uns vom Kantor Markus Belman das Stabat Mater in seiner Entstehung und Entwicklung Nahe gebracht.

Kantor Markus Belman erklärt die Stabat mater

Teile des mittelalterlichen vertonten Gedichtes singt er selbst, andere spielt er vor. Mir gefällt’s. Musik, Musik, Musik. Wir laufen danach durch die volle Altstadt, vorbei an jeder Menge ebenso voller Typen. Rülps. Am Rhein entlang schlendern wir rüber zum Ehrenhof. Ooooh, hier ist es aber schön mit den farbwechselnden Lichterspielen.

Lichteffekte am Ehrenhof

Wir wollen zum Museum Kunstpalast, da dort die Urbanatix ihre Breakdancekünste zu Vivaldis Vier Jahreszeiten zum Besten geben wollen. Zuerst lauschen wir aber den Men in Blech (muhahahaha), die mit ihren Blasinstrumenten, Bewegungen und spaßigen Choreographien für Stimmung sorgen.

Men in Blech

Eine geforderte Zugabe gibt es nicht, denn die Urbanatixjungs sind dran. Die habe ich im Laufe von Ruhr2010 leider nicht begutachten können (*ärger*), desto erwartungsfroher bin ich hier auf sie. Was habe ich nicht für Lobeshymnen gehört. Kann ich jetzt leider gar nicht miteinstimmen, weil ihre Show vielleicht knappe 10 Minuten gedauert und mich jetzt nicht vom Hocker gerissen hat. Schade. Vielleicht schaue ich sie mir mal in einem anderen Kontext an.

Urbanatix

Wir schlumpfen weiter. Ins NRW Forum.  Da gibt es die Ausstellung „Zeitgeist und Glamour – Die Jahrzehnte des Jetset“. Eine super Fotoausstellung. Findet halb Düsseldorf und Umgebung auch, denn hier ist es besonders voll. Was für geniale Fotos. Hach, da muss ich nochmal hin. Dieses Riesen Karl-Lagerfeld-Bild ist super. Dieser Typ ist so…so…ja, keine Ahnung. Irgendwie toll. Und lustig. Aber immer so unnahbar. Krass.

Der Karl. Der Lagerfeld. In jung

Danach wollen wir zum Medienhafen. Wir werfen uns in einen pickepackevollen Bus und fahren mit der Linie Rot dorthin. Hier machen wir eine Führung durch den Medienhafen mit. Ein kleiner schmopsiger alter Mann führt gutgelaunt und spaßig entlang der Gebäude, die „alle wie Schiffe aussehen. Manchmal braucht man etwas mehr Fantasie, um das zu sehen, ist aber so. Zumindest von den Architekten gedacht.“ Wir sehen wo Ogilvy und Hugo Boss ihre Büros und Immendorff sein Atelier haben/hatte. Während die erstaunliche große Runde den Hafen entlang läuft und zu den Worten des greisen Guides nickt und lacht, flankiert uns ein Yuppipärchen und schaut verächtlich zu uns herüber. Er: „Meine Güte, was ist denn hier los? Gibt es hier etwas umsonst?“ Sie (noch abfälliger): „Ach, das sind bestimmt…Studenten…“ Hätätätäää, willkommen in Düsseldorf.  Jetzt zurück in die Yuppietränke zum Yuppiegtränk süffeln! Wir beenden die Führung und unsere Museumsnacht (ja, schon) in der Galerie Kai 10. Da gibt es surrealistische Kunst. Oh-Oh. Genau. Zum Glück machen wir eine Führung mit, sonst hätten wir die hieb- und stichfesten Konzepte dahinter gar nicht erkannt. Da steht ein altes Metallgestell und jemand klebte Tampons, Watte und TicTacs dran. Uhyeah, das ist doch der Wahnsinn. Da wird ein Gebrauchsgegenstand so künstlerisch neu interpretiert, dass es mir die Schuhe auszieht. Gähn. Das ist meine Welt nicht. Ich finde das eher lustig (siehe „Hurz“ von Hape Kerkeling: „Also, auf mich wirkt das irgendwie komisch.“ – „Da unterstelle ich, dass da kein intellektueller Zugang besteht…“ „Ja, das kann natürlich sein!“). Wir verlassen das Haus des eigenartigen Geschmacks und warten auf den Bus zurück zum Ausgangspunkt. Der erste ist zu voll, in den zweiten quetschen wir uns rein. Ohne wenn und aber. Leider bin ich zu dem Zeitpunkt schon sehr müde, sodass ich mir viele interessante Sachen entgehen lasse. Auf viel weitere Busrumgurkerei habe ich aber gar keine Lust. Was ich sah, war gut. Nächste Stadt, nächste Nacht, bitte.

Schauwerte & Co als Schatten an der NRW Forumwand

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