Reisebericht: Südkorea. Teil 2. Seoul-U-Bahn, Gyeongbokgung Palace, Seodaemun Prison

Seoul Metro

Meine ersten Bewegungen laufen, bzw. fahren mit der U-Bahn, Seoul Metro. Das System ist simpel wie in jeder anderen Metropole auch. Zu Stoßzeiten (und selten passt ein Name besser zur beschriebenen Situation) ist es ein wirkliches „Erlebnis“. Meine Güte, die Bahnsteige füllen sich und füllen sich, bis man denkt mehr ginge nicht. Es geht aber immer noch was. Die Bahnsteige sind mit einer Glaswand von den Schienen getrennt. Umbringen kann man sich hier nicht, und auch nicht auf die Schienen geschubst werden, aus Versehen oder nicht. Da in diesem Land scheinbar alles technisiert ist (selten so wenig Türgriffe, stattdessen Türdrücker „push to open“ gesehen), schaut man auf die Monitore an der Decke und kann die U-Bahn auf ihrer Fahrt zur Haltestelle beobachten.  Hihi.

Seoul Metro
Seoul Metro

Gerade die Linie 1 ist anscheinend immer brechend voll. Zu Hülfe. Ich werde die Treppe hinunter, auf den Bahnsteig, entlang des Bahnsteigs, in die Bahn und auch wieder hinaus geschoben. Kaum Platz seinen Körper zu drehen oder wie auch immer zu entspannen. Trotzdem kommt man da an, wo man hin will. Faszinierend. Ebenso faszinierend ist zu sehen, das JEDER Koreaner ein Handy besitzt und es STÄNDIG benutzt. Während der U-Bahn-Fahrt wird gechatted auf Teufel komm raus. Vom Kleinkind zur Oma – jeder starrt während der Fahrt auf sein Handy. Gerne wird auch gespielt oder Musik aus dem Mobiltelefon gehört. Ein Mädel hat sich einmal die komplette Fahrt fotografiert, angeschaut, sich begutachtet und erneut fotografiert. Überhaupt: Wenn ich Fotos von land und Leuten machen wollte, haben sich die meisten direkt vor meine Kamera geprügelt, während man hier immer angst haben muss, dass einem Leute den Apparat aus der Hand schlagen, weil sie sich in ihrer Privatsphäre gestört fühlen. In der U-Bahn entfaltet sich übrigens ein gar aufdringlicher, fast mit den Händen greifbarer, enorm dichter Knoblauch-Duft, der mir die Schuhe auszieht. Andere Länder, andere Ernährungsgewohnheiten. Da muss man mit klarkommen. 🙂

Gyeongbokgung Palace

Nur wenige Schritte von de City Hall entfernt kommt man zu diesem Palast. Meine erste Anlaufstelle an meinem ersten Tag in Seoul. Wow. Es ist der erste und größte Palast der Joseon-Dynastie. Soviel habe ich mitbekommen. Eigentlich ist die Anlage aus dem 14. Jahrhundert. Während der japanischen Herrschaft in Korea (1910 – 1945, dazu mehr, siehe Seodamun Prison) wurden aber große Teile abgerissen und momentan wird alles versucht zu rekonstruieren. Obwohl nicht mehr wirklich alles ORIGINAL ist, ist es sehr beeindruckend. Der Palast ist riesig. Man geht durch Pforte und Höfe, um durch immer weitere Pforten und Höfe zu gehen. Wahnsinn. So schöne Gebäude. Am Anfang erleben wir den Wachwechsel.

Wachwechsel
Wachwechsel

 

Gyeongbokgung
Gyeongbokgung Wachwechsel

Sehr touristisch-feierlich. Die Wachen haben alte Uniformen an und wunderschön aufgeklebte Bärte. Durch die Lautsprecher wird uns auf koreanisch und englisch mitgeteilt, was gerade passiert. Der Einmarsch der Wachen durch das eine Tor , ihr Schreiten entlang des Vorplatzes mit musikalischer Begleitung, die Ablöse und das Abziehen der anderen Wachen. Ich fotografiere mich halb bekloppt.

Gyeongbokgung
Gyeongbokgung
Gyeongbokgung
Gyeongbokgung
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Gyeongbokgung

Wir laufen und laufen. Durch eine riesige Parkanlage, wo sich irgendeine Königin das Leben genommen haben soll (ich bin nicht wirklich aufnahmefähig – Overkill an Eindrücken sei Dank). Dann stehen wir vor einem Rondell mit steinernen chinesischen Tierkreiszeichen. Ich erfahre, dass mein Zeichen das Pferd ist. Aha. Andernorts kann man traditionelle koreanische Spiele spielen: Pfeile in Vasen werfen zum Beispiel. Überall gibt es soviel Neues und Fremdartiges zu sehen, ich geh‘ kaputt. Während wir uns die Palastanlage weiter anschauen, werden wir immer wieder bestaunt. Gerade die koreanischen Kinder kieksen und lachen und zeigen mit den Fingern auf uns. Sie laufen auf uns zu und sind ganz aufgeregt, weil wir so anders aussehen. Sie sind neugierig woher wir kommen und haben Spaß daran, Mut zu zeigen und uns anzusprechen. Höhö. 🙂 Auf dem Gelände befindet sich übrigens auch das Nationale Folkloremuseum.

Gyeongbokgung
neugierige Kinder in Gyeongbokgung

Seodaemun Prison

Korea hat eine ziemlich wechselhafte Geschichte. Die bösen Japaner, die das Land okkupierten und die Spaltung des Landes in Nord- und Süd sind nur zwei Episoden darin. Aber ziemlich einschneidende neueren Datums. Wir besuchen das Seodaemun Gefängnis in Seodaemun-gu.

Seodamun Prison
Seodamun Prison

Das Gefängnis entstand während der Zeit der Japanischen Kolonialzeit und ist eine wahre Folterkammer, das inhaftierte Kolonialgegner „beherbergte“. Zu Beginn gibt es die historischen Hintergründe durch Schau- und Infotafeln, bevor man in die eigentliche Anlage kommt. Ein Raum ist tapeziert mit den Registerkarten der Gefangenen. Hier läuft ein Tonband, gesprochen von einer Frau, die mit sehr empathischer und leidgeschwängerter Stimme den  Helden der hier Inhaftierten gedenkt.

Seodamun Prison
Seodamun Prison National Resistance Room II

Im Keller geht es dann ans Eingemachte. Wir sehen die Isolationszellen, die Verhörräume und so weiter. Überall sind Puppen, die Japaner und Koreaner darstellen und die jeweilige Situation verdeutlichen (grimmige Japaner, leidende Koreaner). Das ist sehr freaky. Ich mag das nicht.

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Seodaemun Prison

Dann höre ich Schreie. Hier fällt schon das erste Mal auf (beim War Memorial wird es genauso sein…), dass in Seouler Museen wohl großer Wert auf das unmittelbarer Mitempfinden gelegt wird. Wir stehen vor Gefägniszellen und lesen, dass man den Gefangenen gern mal Nadeln unter die Fingernägel geschoben hat. Dann: Schreie aus den hinteren Räumen. Mir wird schlecht. Dann gibt es die nette Foltermethode, wo man kopfüber aufgehängt wird und der Kopf in ein Eimer Wasser getaucht wird, bis man fast erstickt/ ertrinkt. Immer wieder. Erneut: Schreie aus dem hinteren Bereich. Im nächsten Raum ist eine große Leinwand und in einer Art Schattenspiel wird ein Verhör nachgestellt. Wenn man sich auf einen bestimmten Punkt stellt, wird der Besucher fotografiert und der eigene Kopf auf die Figur des Verhörten projeziert. Jetzt ist man mittendrin. Bizarr!

Seodamun Prison
Seodamun Prison Shadow Image Experiment

Dann kommen wir zur Quelle der Schreie. An einer Wand sind mehrere Einzelzellen und wieder sind darin Puppen (dat macht misch feddisch!!). Eine schreit herzergreifend und brüllt und brüllt. An der rechten Wand steht ein Holzkasten, ca. 150 cm hoch. An allen Innenseiten sind spitze Nägel angebracht. In diese Kästen wurden Inhaftierte gesteckt und dann wurde der Kasten hin und her geschubst. Örgs.

Seodamun Prison
Seodamun Prison Underground Torture Chamber

An anderer Stelle stehen 3 größere aber schmale Kisten an der Wand, die aussehen wie Telefonzellen. Außer einer kleinen Öffnung im oberen Bereich sind sie vollkommen dicht. Die Insassen wurden hierin eingesperrt, sodass sie weder aufrecht stehen noch sitzen, noch sonst sich großartig bewegen konnten. Und das für mehrere Tage. Ist das alles ekelhaft. Aber das „Highlight“ der Gefängnistour kommt noch. Auf dem Hof ist das Exekutionsgebäude. Darin steht ein Stuhl. Auf den wurde man früher gesetzt, bekam die Schlinge um den Hals und dann ging eine Klappe im Boden auf, der Stuhl fiel weg und man wurde stranguliert. Das Tolle: Das darf man hier teilweise nachspielen. Man darf sich auf den Stuhl setzen und dann ein paar Zentimeter nach unten rutschen. Wie scheiße ist das denn bitte? Nach dem Besuch im Seodamun Prison geht es einem nicht so ganz prickelnd. Ich bin wie Harry Potter mit den Dementoren. Ich brauche Schokolade.

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