The Giacomo Variations. John Malkovich in Recklinghausen – „dagegen bin ich machtlos“

Nachdem es mich immer noch wurmt, dass ich damals Kevin Spaceys Theaterauftritt bei den Ruhrfestspielen verpasst habe, bin ich froh, bei John Malkovich dabei sein zu können. Promigeilheit. Das Stück ? Egal! Karten kaufen! Gesagt, getan und so sitzen wir Samstag nachmittags im Theater und schauen uns „The Giacomo Variations“ an.

„I need a woman!“ tönt es aus dem Off, nach der kurzen Ouvertüre, und dann betritt Malkovich auch schon die Bühne. Er braucht eine Frau. Klar, schließlich ist er Casanova. Zwar in die Jahre gekommen, aber immer noch der Frauenheld schlechthin. Das Stück beginnt mit einem Wahnsinnsgag. Malkovich liegt am Boden und krampft, als eine „Aufnahmeleiterin“ auf die Bühne kommt und nach einem Arzt für John ruft. Zack, ist die Trage da und weiter geht’s im Takt. Casanova erhält auf seinem Alterssitz irgendwo in Böhmen Besuch von einer Schriftstellerin, die ein Buch über den Verführer schreiben möchte. Dann springt die Geschichte vor und zurück. Von Liebschaft zu Begegnung zu Liebschaft…Bald bin ich vollends durcheinander. Das Ensemble besteht aus 4 Darstellerinnen und Darstellern. Die Frauen sehen sich auch noch wahnsinnig ähnlich. Dann macht mich die Zeitenhüpferei fertig. Wer ist da jetzt wer? Und mit wem macht gerade wer wie herum? Oha – Inzest? Sowas. Eine Vergewaltigung auch noch. Ein Duell, ein Ball. Wo sind wir jetzt? Dann Arien. In italienisch. Der Gesang gefällt mir wirklich gut. Außer von Malkovich, aber das habe ich auch nicht erwartet. Er hat dafür eine unfassbar angenehme Sprechstimme und Aussprache. Schnurr! Das Schauspiel in englisch (die Damen haben dazu einen starken osteuropäischen Akzent), die Arien in italienisch, die Übertitel auf deutsch zum mitlesen- ein kleines Theaterbabel. Dazu die verschwurbelte Geschichte. Ich finde es schwer, zu folgen.Das Bühnenbild besteht aus drei überdimensionalen Reifröcken, in denen sind wahlweise Schlafzimmer, Büro oder Ankleidezimmer versteckt. Welch ein Bild, wenn die Darsteller in die Reifröcke kriechen…Freud, ick hör dir trapsen…

Nach 2,5 Stunden bin ich überfordert und habe zum Ende hin alle Hoffnung verloren, die Fäden nochmal zusammen zu bekommen. Malkovich erinnert in seiner Aufmachung stark an den Vicomte de Valmont aus Stephen Frears „Gefährliche Liebschaften“. Analog zu meiner Lieblingsszene in diesem Film fühle ich mich „machtlos“ dieses Stück so zu mögen, wie ich es vorhatte.

Der angeschlagene Casanova
Casanova und die Frauen...
Der doppelte Casanova
beim Schlussapplaus

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