„5 Euro, wenn du dich davor stellst und sagst ‚So ein Dreck!'“ C.A.R auf Zollverein und ein wenig 80er Mond-Anheulerei – a Wochenende in the Ruhrpott

Es ist Zeit für eine Abkürzung:  C.A.R. Das steht für contemporary art ruhr und ist „die innovative Medienkunst Messe“ auf Zollverein. Total hip und trendy. Freitag Abend gab es die Eröffnung und ich versprach mir einiges, klingt doch MEDIENkunstmesse ganz spannend (Film/Video/Computer-Installation = yeah!). War es aber nicht. Zu allererst gab es den großen Schreck als wir auf Zollverein ankamen: Überall äußerst fein gekleidete Menschen fahren in dicken Schlitten vor. Die Männer tragen depperte Studentenverbindungskappen. Gruselig. Wie ich gerade gegoogelt habe, traf sich dort der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen zu seinem 125. Jahrestreffen. Örgs. Dankbar, doch nicht „underdressed“ zu sein für die Kunstmesse, lassen wir die Verbindungsmeute links liegen und gehen ins Salzlager. Dort herrscht eine ziemliche Hitze! Kaum dass wir eingetreten sind, schwitzen wir wie bekloppt. Oliver Scheytt gehört zu den Eröffnungsrednern und betont drei oder vier mal, dass die „Kulturhauptstadt weiter lebt“. Ahja.

Prof. Dr. Oliver Scheytt from the side

Dann laufen wir ein Treppenkonstrukt entlang, darin sind Schultische und allerlei Installationen, die mir nichts sagen und Din A 4 Seiten voller Begleittexte. Klar, erst mal 10 Stunden lesen. Ein paar Kästen Erde auf dem Boden oder eine alte Pritsche geben mir einfach nix. Überhaupt kann relativ wenig mein Interesse entfachen. Außer dem automatischen Postkartenzeichner vielleicht oder den auf Fahrrädern strampelnden DJs. Wir sind mit unserer Besichtigung auch relativ schnell durch und fragen uns, ob das schon alles war. Nein. Es wird ein Shuttle gestellt und wir steigen in einen schicken schwarzen Mercedes, der uns innerhalb von ca. 2 Minuten zur Mischanlage fährt. Das war bis dahin der Höhepunkt. Dieser Shuttle ist bei der mickrigen Entfernung natürlich ein Witz und eine Verschwendung sondergleichen, aber da wir mit dem Fahrer geschäkert haben, war das ganz spaßig. In der Mischanlage unterwandern wir ein Kunstwerk das aussieht wie ein Geflecht aus ineinander verknoteten bunten Strumpfhosen, teilweise mit Bällen gefüllt.

„Babe, it must be art“

Oha. Dann geht es die Treppe hinauf und in den Ausstellungsraum. Hier war ich noch nie, ein schöner Raum. Auch wieder vollgestellt mit merkwürdiger Kunst.

The Mischanlage

Die ganze Zeit höre ich Hape Kerkeling aus dem Hurz-Sketch zu mir sprechen: „Da unterstelle ich, dass da vielleicht kein intellektueller Zugang besteht…“ Fällt mir aber auch schwer, wenn ich eine Barbiefigur sehe, der man einen Dinosaurierkopf aufgesetzt hat. AVANTGARDE! Klar. Solche Sachen sind abstrus. Und dann stehen da kunstbeflissene Menschen rum, starren da drauf und nicken vor sich hin. M. fordert mich auf: „5 Euro, wenn du dich jetzt da hinstellst und sagst, dass das Dreck ist.“ Nee, das macht man doch nicht. Wir überlegen kurz, ob wir Ausstellungscrasher spielen sollen. Nee, trau‘ ich mich nicht. Im Vorbeigehen sagen wir aber dennoch vernehmlich: „So ein Dreck!“ Oder auch: „Wer zahlt für diese Scheiße auch noch Geld??“ Unverschämt und respektlos.  Ich fand das wenig inspirierend oder neu, noch hat es irgendein Interesse in mir geweckt. Das beste an der Medienkunstmesse, die so ziemlich wenig mit „neuen“ Medien wie nur möglich zu tun hatte, war das Erklimmen der Mischanlage und die Aussicht von der Plattform oben. Herrlich. Der anschließende Spaziergang über das spätabendliche Zollvereingelände entschädigte für all die Kunst.

Mondsüchtig in Duisburg

Shit, ich komme wohl in eine andere Lebensphase. Hätte mich noch vor wenigen Monden jemand gefragt, ob ich auf eine 80er Party gehen möchte, hätte ich das empört abglehnt. „Nicht meine Zeit! Da tanzen doch nur Muttis! Wie kommt man auf eine so bescheuerte Idee?“ , hätte ich mit jugendlichem Feuer dem Fragenden entgegengeschleudert. Und nun, hups, war ich auf der Mondsüchtig Party in Duisburg. Neben der Musik aus der Vergangengeit schwang nun doch etwas Wehmut mit, denn die Party fand statt im ehemaligen Europa-Kino, wo ich das erste Mal im Kino war. „Disney’s Robin Hood“. Lange her. Die Location ist zwar wirklich ganz hübsch, aber meine Fresse: WIE HEISS WAR DAS DENN DA DRIN?? Schon als es noch etwas leerer war, schlug einem eine Hitzewand entgegen, schlimm. Wenn man dann noch tanzt (Hey, bei New Order und Depeche Mode ist was anderes ganr nicht möglich!) ist man hinterher ein vollgesogener Schwamm. Die Getränkepreise fand ich auch ziemlich stattlich. Wir entschlossen uns dann den Abend im Gräfen ausklingen zu lassen. Eigentlich wollten wir ja noch vor der Mondsüchtig Party was trinken, sind dann aber mangels sich darbietender Alternativen doch direkt ins Licht.Spiel.Haus gegangen. Duisburg, DIE Partymeile im Sektor. NICHT!

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