Extraschicht im Ruhrgebiet – Oder: Ja, wir fahr’n – mit Bus & Bahn

Samstag, 9. Juli. Das Ruhrgebiet legt wieder ne Schippe drauf – es feiert die Extraschicht. Ober! Zahlen, bitte! In 22 Städten und an 47 Spielorten finden über 200 Events statt. Uff. Diese Reizüberflutung überfordert mich schon im Vorfeld. Man will ja so vieles sehen. Und hat nur 8 Stunden Zeit.

Waltrop

M. , J. und ich wollen erstmal nach Waltrop zum Schiffshebewerk, da darf man mit einem historischen Dampfschiff fahren. Theoretisch.  In Essen am Hbf sind wir extra schon um 17 Uhr versammelt, um pünktlich vor Ort zu sein. Nirgendwo ein Extraschicht-Stand, kein Flyer. NIX. Wir gehen an die Bahn-Info und fragen, wie man nach Waltrop kommt. „Waltrop?????, Da gibt’s ja nicht mal einen Bahnhof.“ Ja, Entschuldigung. Ich hab das Kaff nicht ins Ruhrgebiet gesetzt. Wir gehen rüber zur Touri-Info und erhalten ob unseres Zielwunsches denselben ungläubigen Blick. „Waltrop????“ Wir werden dann nach Herne geschickt und sollen da in einen Extraschicht-Shuttle steigen. Wir juckeln nach Herne und sitzen neben dem Ruhrgebiets-Chor „Hömma“, der uns nicht den Gefallen tut und das Steiger-Lied singt. Sie besingen den Pott aber in einem anderen Song. Sie sind auch voll klug, denn sie steigen in Catrop-Rauxel aus und fahren von dort nach Waltrop, wo sie (so ein Zufall!) einen Auftritt haben. Nachdem wir lange gefahren sind und endlich am Schiffshebewerk ankommen, ist der Chor schon lange vor Ort. Es sind mehrere Boote im Einsatz, die an verschiedenen Anlegestellen bestiegen werden können. Überall lange Schlangen (jajajaja, Besucherrekord…). Auf die großen Teile dürfen immer nur 12 Leute drauf. Hmm, super. Es gibt dann an einem kleinen, ganz vergessenen Anlegepunkt die Möglichkeit in ein DLRG-Boot zu steigen,  aber nur 3 Gäste pro Fahrt. Na, das trifft sich gut. Es sind auch nur drei Leute vor uns dran, da wird man ja nicht so lange warten müssen. Dachten wir. Als das Boot von seinem ersten Einsatz zurückkommt und wunderbar unglenk an den Steg angerummst, äääh angedockt wird, war das auch gleich seine letzte Fahrt. Für geraume Zeit zumindest. „Der Motor läuft nicht rund“, wird uns als Auskunft gegeben. Was immer das heißt. Wir wollen nicht mehr warten. Als weiteres Ziel hatten wir uns eine Fahrt mit der Muttenthalbahn in Witten auf die Agenda geschrieben.

Dortmund

„Scheiße, man kommt gar nicht nach Witten. Voll umständlich. Sollen wir nicht erstmal schauen, was in Dortmund auf der Kokerei Hansa so los ist? Erlebnisparcours – klingt doch gut! Dann nach Witten und dann mal schauen?“ Ok, wir einigen uns auf diesen (Achtung! Sarkasmus!) wirklich guten Plan und steigen in den Bus, der uns zum Bahnhof Castrop Rauxel bringt. Da springen wir einen Zug nach Dortmund. Dort suchen wir einen Shuttle, verpassen den grad und wollen nicht warten. Laufen zurück zum Bahnhof und springen in eine Bahn. Wir juckeln zur Kokerei. Während der Fahrt stellen wir fest: „Wir sind schon ewig unterwegs und haben noch nichts gesehen!“ Auf der Kokerei ist schon viel Trubel. Wir bekommen einen Plan in die Hand gedrückt und freuen uns darauf von einem „Grubenmännchen“ in Empfang genommen zu werden, wie es das Programm verspricht. Uuuuah, dann treffen wir auf ein Gestell, dem man Arbeitsschutzkleidung übergezogen hat und unter dessen Visier man ein fieses Konterfei gepappt hat. Gruselig! Wir schauen uns in der Kompressorenhalle eine Blaskapelle an. Nett. Im hinteren Teil des Geländes ist eine riesige Schlange (jajajaja, Besucherrekord…), wo alle anstehen, um in die Kokerei zu kommen. Wir haben darauf keine Lust, es geht nämlich sehr schleppend voran. Auf dem „kleinen schwarzen Platz“ soll es „feurige Salsa“ geben. Das möchten wir sehen. Dann spielt eine Kapelle auf, die aussieht, als sei die Trapp-Familie wiedervereint. Sie sind so feurig wie die Kastelruther Spatzen. Hrmpf. In der Kaue gibt es eine Foto-Ausstellung mit dem Titel „Der Stift des Elefanten“. Wir sind bis dato noch nicht dahinter gestiegen, warum zum Geier die so heißt. Die Bilder hauen uns auch nicht vom Hocker, die Kaue allerdings schon. Wir sitzen in der ehemaligen Dusche und mögen uns gar nicht vorstellen, wie das gewesen sein muss, wenn man nach schwerer Arbeit unter Tage versuchen muss, sich die Schwärze vom Körper zu waschen und es mit den anderen Kumpel eng und stressig sein muss.  Die Kleiderzüge an der Decke geben ein surreales Kunstgebilde. Wirklich interessant. Danach steht eine Trommelperformance auf dem Programm. Stomp lässt grüßen, als auf Mülleimern und mit Besen rhythmische Klänge entstehen. Auch hier: nett. Dann zieht es uns weiter. Wohin jetzt? Witten? Nee, lass mal. Mülheim? Warum nicht. Sollen wir unsere Tour nicht dort beenden? Wir möchten zurück zum Dortmunder Bahnhof.  Am Shuttle ist es chaotisch. Welcher Bus? Welcher Bus? Welcher Bus? Sollen wir nicht doch zur Jahrhunderthalle nach Bochum?

Bochum

Wieder einmal werfen wir alle Pläne um. Erstmal stehen wir aber am Dortmunder HBf nachdem wir eine ausgiebige Stadtrundfahrt mit dem Shuttle gemacht haben. Wir brauchen dringend Aufputschmittel. Wir kaufen Cola. Es kommt kein Zug nach Mülheim. Sollen wir solange ins U gehen?, fragen wir uns. Hmm, nach Bochum käme ein Zug. Den könnten wir nehmen, dann müsste das U aber flach fallen. Ab nach Bochum. Von dort wieder mal in einen Shuttle. Es ist mittlerweile kurz vor halb eins! Zur Erinnerung: Wir haben unsere Extraschicht um 17 Uhr begonnen! An der Jahrhunderthalle ist es voll und pünktlich bei unserem Eintreffen sind die letzten Pogrammpunkte darin zu Ende und wir werden gebeten, den Aufführungsraum zu verlassen. M. glaubt an eine Verschwörung: „Wir werden doch gefilmt, die haben das an die Bochumer weitergegeben: ‚Achtung, die drei kommen jetzt, macht die Türen dicht!!‘ “ Fast glauben J. und ich das auch. Immerhin sind wir rechtzeitig zum Feuerwerk da, das im Westpark zum Abschluss abgefeuert wird. Wir haben jedoch keine Ahnung wo, der Westpark ist groß. Wir erklimmen einen Grashügel und hoffen, dass wir einen guten Blick darauf haben. Da hatten wir dann doch mal Glück. Die Trommelshow plus Feuerwerk war gut.

Unser Fazit:  „Wer wissen möchte, wie man endlos durchs Ruhrgebiet fährt ohne wirklich etwas von der Extraschicht zu sehen, der darf sich bei uns melden!“

Tipp: Niemals versuchen, die Extraschicht in mehreren Städten erleben zu wollen. Das Einzige, was man dann sieht sind Bahnhöfe und Haltestellen. Immerhin war ich jetzt mal in Castrop-Rauxel, bin in Recklinghausen an der Hape-Kerkeling (oder auch Madame-Curie) Schule vorbeigefahren und war in Oer-Erkenschwick…

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