Luja sog i – Ruhrpötter aufm Oktoberfest

„München, Bayern – des is do grausig. Do fährt do kainer hi!“ So war es bis dato meine abschätzige Devise, nach einem Besuch in der Landeshauptstadt vor einigen Jahren. Ende der 90er war ich da und fand das alles gar nicht so prickelnd. Furchtbare Leute, langweilige Stadt, dazu war es kalt und grau. Jedes weitere Jahr danach setzte die Erinnerung eine weitere Graustufe in den Erinnerungsschleier. München, da kann man sich doch nur drüber lustig machen. Über die Schickeria, die Kir Royal – Typen, den Dialekt. Obwohl – der ist so fies, das er mir schon fast wieder gefällt. Für mich klingt er immer so:

Im Frühjahr zündete irgendeiner bei einem Familientreffen die Idee nach Bayern zum Oktoberfest zu fahren. Uuuuah. zu den Alkoholleichen. Den terrorsaufenden Amis, Neuseeländern, Italienern und Co. Zum Weißwurst zutzln und Bier im Preis von Kleinwagen saufen.  Ich bin dabei. Mit zwei Schwestern und einem Boyfriend machen wir uns auf nach München. Vorab erstehen wir Mädels uns natürlich Dirndl. Vom Trachtenpoint. Gott, wie schlecht. Was ein Fez. Bei C. und M. geht der Irrsinn etwas weiter als bei mir. Sie kaufen sich noch extra Schuhe und Strümpfe und Kropfband (igitt!!!!!!!!!!) und so ein Zeug. Kommt mir nicht in die Tüte.  Da die bajuwarische Stadt zu Oktoberfestzeiten aus allen Nähten quillt sind wir etwas außerhalb, in Unterföhring, untergekommen. Im Gasthof Zur Post. Wie urig. In München angekommen (Boah, ist der Bahnhof hässlich!) tönt als erstes die Spider Murphy Gang mit „Schickeria“ entgegen. Willkommen in München!

Gasthof Zur Post

Statt mit unserem Auto scheinen wir mit einem DeLorean gefahren zu sein. Mittenrein in die trutschigen Fünfziger Jahre. „Mei, is des liab“, ruft Schwester eins gerne aus. Unser Zimmer ist ein Traum aus blauen Bauernmöbeln. Massiv und verziert. Das Bad besticht durch unkaputtbare braune Fliesen. Herrlich. Wir fanden das ganz ganz super. Ehrlich. Auf dem Teppich in den Gängen sind überall Posthörner zu sehen. Hach, hach. Gemütlich ists daherinnen. Das Frühstücksbuffet war äußerst lecker. Im Restaurant aßen wir nur einmal, aber das war mmmmmmmmmmhm. Traditionell gemütlich. Fazit: Der Gasthof Zur Post ist absolut empfehlenswert.

Auf zur Wiesn

Nachdem wir uns im Hotel in die Dirndl bzw. die Lederhose geschmissen und geschürt haben fahren wir mit der S-Bahn zur Hackerbrücke. In der Bahn wird es schnell kuschelig. Alle in traditionellen Gewändern. Ein Karneval. Von der Hackerbrücke sind es nur wenige Minuten bis auf das Festgelände der Theresienwiese. Unsere Fotoapparate sind gezückt und auf geht’s ins Getümmel. Da wir Donnerstag haben hält es sich mit den Menschenmassen noch in Grenzen. Wir wollen ein Festzelt aufsuchen. Durst! Hunger! Bei den ersten Anläufen haben wir kein Glück. Alles voll. Meine Fresse, sind die „Zelte“ ( Häuser sind das) riesig. Soviele Bänke. Beim Paulaner Zelt haben wir im Biergarten Glück. Wir können uns auf zwei Bänke quetschen. Ein Blick auf die Karte. Es gibt Fleisch. Dazu etwas Fleisch und für die Wählerischen Fleisch. Na servus. Oha, da ein vegetarisches Gericht. Käsespätzle. Mh, Käse. Eigentlich auch nicht so mein Fall, aber der Hunger treibt es rein. Kostet auch nur die Kleinigkeit von 12 Schleifen. Ein Spezi 4,50 Euro und eine Maß 9,10 Euro. Wer kommt eigentlich auf diesen Preis? Neun Euro und ZEHN. Immer schön zehn Euro „stimmt so“ bezahlen und 90 Cent als Trinkgeld geben. Knochenjob hin oder her, allein dadurch lohnt sich das kellnern hier. Die Sonne scheint, es ist warm, Getränke rinnen die Kehle runter, das Essen schmeckt und die Leute um uns herum haben gute Laune. Schöner Start. Wir gehen noch über die Wiesn. Ganz schön groß.  So viele Fahrschäfte. Die müssen warten. Das machen wir alles morgen.

Eine frühe und eine oide Wiesn

Am nächsten Tag sind wir früher unterwegs. Ankunft Theresienwiese 10 Uhr. Wir wollen natürlich in ein Zelt. Wir schaffen es in den „Himmel der Bayern“. Wir quetschen uns wieder zu anderen dazu. Auf einer Bierzelt-Garnitur sitzen wir schließlich zu zwölft oder so. Was für ein Trubel im Zelt. Kurz nachdem wir sitzen springt schon der erste auf die Bank und versucht eine Maß auf ex wegzuhauen. Applaus brandet auf. Aber nach einem Schluck ist schon Schluss und der Aufgeber kippt sich den Krug mit dem Bier über den Kopf. Buhrufe und Pfiffe folgen. Wir trinken etwas und bestaunen die Szenerie. Schon proppenvoll das Zelt am morgen und schon hagelvoll manch seiner Besucher. Dann fliegt ein Ball durch den Raum. Hin und her. Ab und an springen wieder Auf-ex-Trinker auf die Bank und lassen sich anfeuern beim leeren des Humpen. Einer hielt das schwere Teil sogar nur mit den Zähnen fest. Autsch. Die Blaskapelle kommt und alle rasten aus. Bei Musik, die sonst alle voll kacke finden. Die Zipfelbuam stimmen dann den Kracher „Ein Prosit, ein Prosit auf die Gemütlichkeit“ an. Alle begeistert. Schunkel, Gröhl, Klatsch. Aber irgendwie ist die Stimmung schon gut und mitreißend. Überall wird verkauft: Bier, Wurst, Brezn, Hüte etc. Das Bier fließt in unfassbaren Strömen. Die Bedienungen sind fix dabei. Als ich nichts bestellen will, aber die anderen noch was haben, werde ich aufgefordert: „Aber bei der näxten Runde scho, ge? Andere draußen wollen sonst a nocha Platz!“ Klar, deswegen warte ich Undurstige allein draußen bis hier alle fertig sind, oder was? Hrmpf. Später stromern wir dann weiter über das Gelände und wollen zur Oiden Wiesn. Wir zahlen zwei Euro Eintritt und befinden uns auf der historischen Wiesen. Nää, ist dat schön. Alte Karrussels und Fahrgeschäfte. Dazu die Mitarbeiter in den Kostümen aus den zwanziger, dreißiger  Jahren. Fahrpreise von einem Euro. Schön. Am allerbesten hat mir die anno tobak Verision des „Musikexpress“ („Raupe“) gefallen. Da steht eine Frau an der Kurbel und erzählt, während sie kurbelt und uns so auf Fahrt schickt, dass wir einem Fahrgeschäft aus den 30ern sitzen. Das macht wirklich Laune. Man fährt mit etwas Tempo über kleine Hügelchen im Kreis herum. Immer wieder gibt es ein fröhliches „Huiii“ zu hören, wenn es über die „Wellen“ geht. Toll. Im Velodrom kann man sich auf verrückte Fahrräder schwingen, deren Gestelle sich bei der Fahrt bewegen. Das scheint ganz schön anstrengend zu sein. Erst nachdem sich C. und M. zum Affen in der Arena machen, trauen sich auch andere Leute auf die quietschbunten Zweiräder. E. verausgabt sich danach bei der „Dicken Berta“. Das ist eine Variante von Hau-den-Lukas. Die Bombe schlägt an der Glocke oben an und E. gewinnt ein Lebkuchenherz. Töfte. Dabei hat sich aber ein Knopf seiner Lederhose verabschiedet. 🙂 Alle Mann gehen wir noch auf eine Wildwasserbahn. „You might get wet“, steht dort geschrieben. Richtigerweise müsste es heißen „You might get drowned“. Scheiße, ich bin noch nie derart nass geworden. Ich musste meine Klamotten danach auswringen. Gut, dass die Sonne schien. Auf die zweite Wildwasserbahn bin ich dann nicht mehr mit. E. und C. gehen aufs Riesenrad und machen tolle Bilder aus der Gondel. M. und ich setzen uns noch in den Zugspitz-Express, oder wie das heißt. Da geht’s einfach nur im Kreis. Aber die Gondel legt sich seitlich und man hat ein Affentempo. Cool. Die Achterbahnen sehen eigentlich auch gut aus, aber wir schenken uns die trotzdem. Es ist mittlerweile kurz vor 16 Uhr und es wird spürbar voller. Außerdem ist Freitag und wir können uns vorstellen, wie überlaufen das hier werden wird. Wir verabschieden uns und sind froh zwei Tage entspanntes Oktoberfest erlebt zu haben. Auf dem Weg nach draußen liegen schon viele Leute total fertig auf dem Boden herum. Wir fahren lieber ins Zentrum und verbringen den Abend woanders. Ohne Stress. Am Samstag steht dann noch ein bisschen Touri-Programm mit Stadtrundfahrt an, sowie der Besuch eines Fussballspiels in der Allianz-Arena. Letzteres schenke ich mir allerdings und bummle durch Unterföhring.


Insgesamt war das schon gut da auf der Wiesn. Das macht Spaß. Auch wenn das echt ins Geld geht. Ich würde wieder hinfahren. Unter der Woche ist das nicht so schlimm, wie man es in den Zeitungen und TV-Berichten immer so sieht.
Vielleicht schmeißen wir uns beim nächsten Mal mehr rein. 🙂

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