Reisebericht: Nordsee – Büsum – Helgoland

Der Norden ist flach. Sein Humor auch. Seine Bewohner heißen alle Paulsen, Hansen, Claasen, Hinnerksen. Morgens, mittags, abends gibt’s was der Krabbenkutter so mitbringt. Das muss ich sehen. 🙂

Donnerstags kurzentschlossen rein ins Reisebüro (jip, so mit echten Menschen im direkten Kontakt und so), montags dann schon unterwegs. Als Zielort stand nur grob fest: Nordsee. Für ein sogenanntes „schmales Geld“. Und: Ich reise allein. Weil ich will. Nur das richtige Angebot hierfür finden. Gesucht, gefunden. Ein paar Tage Büsum waren das Ergebnis. Büsum? Nie gehört! Egal. Hin da. Sechs Stunden vom Ruhrgebiet entfernt, in Schleswig Holstein liegt das Nordsee-Heilbad (Oha! Der Titel!). Meine Herberge ist das Hotel Büsum. Nachdem ich am Bahnhof Heide umsteigen musste und der versprochene Anschlusszug einfach mal nicht fuhr, katapultierte ich mich in einen Bus, der seelenruhig eine Stunde (statt wie der Zug 20 Minuten) durch die Dörfer der Region fuhr. Ganz schön wenig Menschen dort droben. Das Ruhrgebiet ist so dicht besiedelt, das ist ein ziemlicher Gegensatz. Tut gut. Wir fahren an einem Hebbel-Museum vorbei (Ach, hier kam der also wech) und sind dann irgendwann (*gähn*) auch mal in Büsum. Ich nehme mir ein Taxi zum Hotel. Auf der kurzen (!) Fahrt frage ich den Fahrer aus Sachsen (Der Akzent gibt’s einfach sofort preis), ob hier immer so wenig Leute um diese Jahreszeit sind, denn nur eine Person kreuzt unseren Weg. Darauf gab es keine Antwort. Da hat er sich die 20 Jahre, die er schon vor Ort wohnt, die Wortkargheit angeeignet, was? Das Hotel ist ganz hübsch und umringt von zig anderen Hotels und Gästehäusern.

Hotel Büsum. Mein Zimmer war in der ersten Etage das zweite von rechts

Rundherum nicht ein Wohnhaus. Gott sei Dank bin ich in der Vorsaison hier. Das muss sonst eine Touristenhölle sein. Jetzt aber ist tote Hose. Schön für mich, ich werde auf ein besseres Zimmer upgegradet (uuuah, welch Wortschöpfung). Alles gemütlich, sehr sauber. TippiToppi. Ich checke ein, lasse mir gleich meine Gästekarte (=Kurtaxe) ausstellen, die mich 6 Euro kostet. Zu verschmerzen. Nach dem Abstellen des Gepäcks geht’s gleich auf den Deich, der keine 5 Minuten entfernt ist. Es ist sonnig, aber windig. Richtig schön. Ich spaziere den Deich entlang bis zum Leuchtturm (*seuftz*). Meer, Sonne, Wind, Leuchttum, Möwen, Schiffe. Alles toll.

Ich setze mich in einen Strandkorb und atme einfach durch und schaue in die Weite. Manchmal braucht es einfach nicht mehr. Am nächsten Morgen freue ich mich auf das Frühstücksbuffet. Außer mir ist nur ein älteres Ehepaar im Raum. Als ich mir einen Platz am Fenster ausgesucht habe, kommt auch schon die Küchenfee auf mich zu und fragt, ob ich Kaffee (nein) oder Tee (jip, schwarz mit Milch, danke) möchte. Und ob ich Eier möchte, gerne mache sie mir frisches Rührei. Nur für mich. Na, gerne. Das Buffet bietet, was man morgens so gerne hat: verschiedene Brotsorten, Müslis, Cornflakes, Obst, Nutella, Marmeladen, Honig, Aufschnitt (bäääh), Käse, Obst. Auch der oben erwähnte Meeresinhalt ist in Salatform im Angebot. So fängt der Tag schon mal gut an. Bevor ich die Gegend erkunde, buche ich zwei Ausflüge für die nächsten Tage: eine Fahrt zu den Seehundbänken und eine nach Helgoland. Die Dame an der Rezeption ist sehr nett und checkt für mich auch das Wetter und den zu erwartenden Seegang („Windstärke 4 – das geht“). Dann bin ich auch schon wieder auf dem Deich.

Büsum

Herrlich, wie der Wind einen umtobt. Allerdings ist meine dünne Wollmütze dafür nicht so wirklich optimal. Ich habe furchtbar kalte Ohren. Wieder bin ich am Leuchtturm und somit auch schon im Büsumer Zentrum. Beinahe hätte ich Stadtmitte geschrieben, aber das ist ja alles so klein dort…Die Haupteinkaufsstrasse bietet natürlich jede Menge Fischrestaurants und Souvenirläden. Schon OK. Der Hafen ist lütt, aber charmant. Von dort werde ich auch zu meinen Ausflügen losschippern. Der erste Tag gehört aber Büsum, das man an einem Tag aber auch vollends erkunden kann.

In Büsum "City"

Das Piratenmeer (Freizeitzentrum mit Schwimmbad), ein kackhäßliches Hochhaus, der Museumshafen und äääh, ja, das ist es eigentlich. Außer natürlich das fantastische Wattenmeer. Ich kaufe mir dann doch nach einigem Hin und Her überlegen Gummistiefel und laufe das ein und andere Mal durchs Watt. Zu einer Führung schaffe ich es leider nicht. Da diese um diese Zeit sehr unregelmäßig sind und zwar genau dann, wenn ich auf den Ausflügen bin. Pech. Es ist trotzdem ein großer Spaß,  sich die Stiefel einzusauen und raus zu laufen, immer weiter raus. Toll!

Fahrt zu den Seehundbänken

Das war toll. Auch wenn es wirklich bitterkalt war und man ganz schön lange schippert, bis man dann mitten im Meer auf diese Sandbänke trifft. Es war sonnig und die Seehunde haben sich faul herumgefläzt. Der Kapitän machte den Motor aus und wir trieben glotzend vor den Tieren umher. Ich fand das ganz, ganz großartig. Ich hätte sie stundenlang beobachten können. Mit wieviel Schwung die aus dem Meer geschossen kommen und wie ulkig das aussieht wenn sie über den Sand robben. Wie sie auf dem Rücken liegen und es aussieht als würden sie winken. Alles toll. Und so still. Es war allerdings schlimm kalt. Himmel, hab‘ ich da auf hoher See gefroren. Zurück im Hafen habe ich mir dann eine Wollmütze gekauft. Das tat Not. Schließlich wollte ich ja am nächsten Tag nach Helgoland.

Helgoland- Tach auch, lange Anna

Wääh, für den Ausflug musste ich früh aufstehen. Dafür war der Frühstückssaal ganz allein meiner. Dann wieder über den Deich zum Hafen und auf das Schiff hinauf. Auf die „Lady von Büsum“.  Die war bedeutend voller als das gestrige Schiff. Eine ganze Ladung ostdeutscher Rentner war an Bord.  Die hatten super gute Laune, das war ansteckend. Der ganze Fez legte sich aber recht schnell, weil wir einen solchen Seegang hatten, dass es den Passagieren reihenweise schlecht wurde. Der Kapitän machte dann folgende Ansage: „Ich habe vernommen, dass es ein paar Leuten nicht mehr so wohl um die Magenwände sein soll? Dann nehmen sie doch bitte unsere Spucktüten in die Hand und werfen Sie diese nach Gebrauch über die Reling. Ja, über die Reling. Die sind nämlich biologisch abbaubar. Bitte werfen Sie die vollen Tüten nicht in die Mülltonnen oder in die Toiletten. Da haben nämlich Ihre Mitreisenden dann auch etwas davon. Und Sie können sich vostellen, dass es keinen Spaß macht, so verstopfte Toiletten sauber machen zu müssen.“ Höhö. Kaum hatte er das gesagt, hechtete auch schon der erste an mir vorbei mit einer prall gefüllten Tüte und schenkte sie der Nordsee. Meine Güte, haben sich die Leute da viel übergeben. Ich habe die Fahrt, die gute 3 Stunden dauert, ziemlich genossen. Es war super sonnig und das Geschaukel fand ich jetzt nicht sooo schlimm.

Seegang. Die Kamera lag ruhig auf dem Tisch…:-)

Gleichwohl ich sagen muss, die Rückfahrt war bedeutend ruhiger, was auch seinen Reiz hat. 🙂 . An Bord konnte man Ausflüge buchen: Entweder Seehunde beim Dünenspaziergang bewundern oder eine Inselwanderung mit Dr. Hagmeier machen. Ich habe letzteres gewählt. Vor der Küste Helgolands wird man dann ausgebootet. Heißt: Man muss vom Schiff in kleine Motorboote auf offener See umsteigen und sich an Land schippern lassen. Das hat Spaß gemacht!

Am Hafen ging es dann zum Treffpunkt am Hoffmann von Fallersleben – Denkmal (der hat auf Helgoland das Gedicht geschrieben, das heute die deutsche Nationalhymne ist, das „Lied der Deutschen“). Dort wartete dann auch schon ein hutzeliger kleiner alter Mann.

Im brauner Windjacke, mit gelbem Fernglas und mit schwarzer Kappe. Das musste Dr. Hagmeier sein und er war es auch. Unser Grüppchen ist ca. 15 Mann stark und macht sich direkt auf nach „oben“. Vorbei an jede Menge Duty-Free-Shops (dafür ist die Insel ja berühmt), bei denen mir immer nur die riiiiiesigen Mentos-Kaubonbon-Rollen auffallen. Krass. Dr. Hagmeier ist wirklich gut zu Fuß. Wir dürfen dann mit einem Aufzug auf den oberen Teil des Eilands fahren (Treppen hätte man auch noch gerade so geschafft). Ist das grün! Ist das schön. Ist das windig. Ist das sonnig. Wir laufen die Felsen entlang (Foto-Ekstase!) bis zum berühmten Lummenfelsen, wo tausende Vögel ihre Heimat gefunden haben.

Es riecht ein bisschen animalisch (Erinnerungen an das ehemalige Vogelhaus im Duisburger Zoo werden wach). Faszinierend. Wenige Schritte weiter ist man dann auch bei der „Langen Anna„. Da steht der große Felsen einfach mal so frei herum. Verrückt. Ob der Name wirklich von einer schönen Kellnerin herrührt, wie Wikipedia sagt, weiß man nicht.

Dr. Hagmeier erzählt mit sanfter Stimme und immer einem Lächeln im Gesicht aus der Geschichte der Insel. Ich habe ihm gerne zugehört. Als wir auf die Dünen hinunter blicken sehe ich, dass dort Leute Nachrichten in den Sand geschrieben haben: „Kein Plastik ins Meer“ steht da oder „I love Lena“. I like. Außerdem freue ich mich über die gutmütig dreinblickenden riesigen Galloway-Rinder, die einfach nur sehr hübsch sind. Was für Augen! Ich erblicke einen enorm großen Krater. Ein Zeugnis aus dem Zweiten Weltkrieg. Hier war eine 5 Zentner-Bombe hineingekracht. Dr. Hagmeier berichtet dann über die Seeschlachten vor Helgoland und von Plänen hier einen Militärhafen zu errichten. Uäh. Gut, dass das vorbei ist.

Nach der Tour verabschieden wir uns alle brav und nutzen die wenige Restzeit noch, um zu shoppen und etwas zu essen. Da ich weder Fisch noch Fleisch esse, war die Auswahl hier recht begrenzt. Überall wird einem „Knieper“ angeboten. Das ist das Fleisch aus den Zangen des Krebses. Igitt. Ich habe dann eine kleine Pommesbude gefunden, bei der man sich glücklicherweise hinsetzen konnte. Allerdings draußen. Resultat: Kaum standen die Fritten auf dem Tisch, hat der Wind sie sogleich kalt gepustet. Und kalte Pommes liegen im Magen wie ein Stein. 🙂

Zum Abschluss habe ich mir noch die schönen bunten Häuschen angeguckt, die mir das Gefühl gaben in Skandinavien zu sein. Die sogenannten Hummerbuden stehen unter Denkmalschutz.

Drinnen finden sich Gastronomie (meine Pommesbude…), Galerien, Souvenierläden. In einem ist auch ein Standesamt, da hat nämlich just an dem Tag ein Pärchen geheiratet. Als ich in Rom war, wurde vor meinen Augen geheiratet, als ich in München war auch. Will mir die Welt irgendetwas sagen???

Ein schöner Tag. Und eine wirklich schöne Reise in den deutschen Norden. Tolle frische Luft und interessante Natur. Macht prima den Kopf wieder frei!

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