Revisiting Ireland – mit Prometheus und Frankenstein

Back to Dublin

Zehn Jahre ist es her, dass ich mein Erasmusjahr in Dublins Fair City verbracht habe. Näää, war das schön. Diese Freiheit, die viele action, das Gereise. Es war ganz ganz fabelhaft. Mit fellow Erasmussen entdecke ich die Stadt nun nach zehn Jahren wieder. Kaum zu fassen, aber ich war nach dem Auslandsjahr nicht mehr dort. Whysoever. Ist alles anders? Alles gleich? Nachdem wir uns am Flughafen eingesammelt haben, hoppen wir in den Airlink und los geht’s „Wisst ihr noch…???“ Auf dem Weg in die City geht’s weiter: „Äh? Wo issen die die alte Konzerthalle, wo wir Coldplay gesehen haben?“ „Das Haus da ist aber neu!“ „Komisch, dass hier jetzt ’ne Strassenbahn fährt!“ Wir steigen am Bahnhof aus und laufen zur Lower Gardiner Street, wo für die meisten alles begann. Denn die ganze Straße scheint nur aus Hostels, Hotels und B&Bs zu bestehen. Wir checken ein in der Abbott Lodge. Name reicht. Ausweis wird nicht verlangt. Ausfüllen muss man auch nix. OK. Den Schlüssel gibt man beim verlassen des Gebäudes ab und erbittet ihn beim Wiederkommen zurück. Auch hier wird nicht gecheckt, wer den Schlüssel in Empfang nimmt. OK. Die Zimmer sind in Ordnung, nur dass man sich im Bad nicht umdrehen kann, ohne mit dem Hintern versehentlich die Tür zu öffnen („Ich habe mich in der Dusche abgetrocknet, ging irgendwie nicht anders!“). Nachdem wir uns erfrischt haben, geht’s Richtung O’Connell Street. Hier riecht es noch wie früher. Immer ein bisschen oll. We love it. Der große „Pinöpsel“ (= Millenium Spire) leitet unseren Weg. Den fanden wir ja damals schon hässlich. Wir sind ausgehungert und suchen einen Platz zum essen. Wir laufen gen Temple Bar. Wir entscheiden uns für eine Falafelbude. Good Choice. Überhaupt genießen wir das Essen hier. Vor allem das leckere Gebäck („Scones! Scones! Scones!!“). Ein kleiner Markt in Temple Bar wird in diesem Aspekt zu einer Offenbarung für uns. Lecker! Das Frühstück sollte man besser meiden. Full irish breakfast = Rühr- oder Spiegelei, Toast, gesalzene Butter, Cornflakes, Marmelade, Bohnen und Speck. Klingt nicht übel, aber das reicht auch, wenn man’s einmal gegessen hat. Was besser schmeckt:

Es fühlt sich merkwürdig an wieder hier zu sein. Man ist weder richtig Tourist, noch ist man wie damals, der hier lebende Student, der sich die Stadt erobert hat. Komisch. Aber es ist schön wieder auf irischem Boden zu sein. It’s graaaand. 😉 Dieser Akzent ist so toll. Das Schöne: Wenn man sich mit dem verflixten Ti Äitsch immer schon schwer getan hat (Ich kann das Wort Thriller einfach nicht vernünftig sagen!), der ist hier gut aufgehoben, denn hier ist es einfach nur „t“ mit einem ganz kleinen, fast verschluckten, kaum hörbaren „s“ hinterher. T(s)e T(s)ing is..heißt es dann immer wieder. Schön! Essen kann man in Dublin also nach wie vor hervorragend und viel. Aber auch shoppen. Warum ist das da nur so günstig? Wir müssen natürlich zu Penneys und einkaufen. Auch Topshop, Dunnes und American Apparell bekommen unseren Besuch. Wir werden natürlich fündig und erleichtern unsere Geldbeutel, auch wenn die irische/ britische Mode uns manchmal die Fragezeichen in die Pupillen treibt. Die Devise ist, wie schon eine Dekade zuvor: möglichst kurz. Immer zeigen, was man hat. Auch wenn das Kartoffelstampferbeine und ein Doppel-E-Körbchen sind. Immer aufs Serviertablett damit. Ganz en vogue 2012 auch Silberglanz-Leggings, die man fast bis zu den Nippeln hochzieht und die im Schritt so eng sitzen, dass man seine Fantasie nicht weiter groß anstrengen muss. Örgs. Einfach krass. Wir laufen über die Halfpenny Bridge, über den Trinity Campus, durchs Stephens Green Shopping Centre, den Park Stephens Green, die Grafton Street („Mann, sind wir hier schon betrunken durch die Gegend gewankt. Wisst ihr noch die Uhr, die 12:125h anzeigte?“). Hach, hach, die Erinnerungen. Wir sind pünktlich zum Bloomsday in Dublin. Den haben wir noch nie mitgemacht. Wir latschen in die Touri-Info am Trinity und treffen auf zwei völlig uninformierte Ladies, die einfach nur wunderbar confused sind. Wir machen uns selbst auf zum James Joyce Centre und wollen dort eine Tour buchen. Keiner von uns hat wirklich mal was on Joyce gelesen. Wir haben es alle versucht, aber die Segel gestrichen. Den „Ulysses“ kann man in Dublin ÜBERALL kaufen. Der geht bestimmt gut weg. Die Leute, die den dicken Schinken wirklich lesen oder gelesen haben, kann man bestimmt an wenigen Händen abzählen. Bin ich ganz sicher! Vor dem Joyce Centre wartet eine ansehnliche Gruppe darauf, den Walk zu beginnen und auf den Spuren von Leopold Bloom  zu wandeln. Wir wollen uns anmelden, aber die Touren sind seit langem ausberkauft. Die Verständigung zwischen Touri-Info und den Veranstaltern ist irgendwie nonexistent. Wie gehen einfach raus und schließen uns der Gruppe an, die gerade losmarschiert ist („Ey, das können wir nicht machen, wir haben nicht bezahlt!“ -„Ach, komm, ist doch egal!“ „Ja, gut.“). Wenn man den Ulysses vorgelesen bekommt, scheint er nicht so übel zu sein. Der Jung‘, der uns durch die literarischen Dublin-Hotspots des Buches führt, liest wirklich gut. Wir seilen uns dennoch mitten in der Tour ab. Natrülich frequentieren wir Cafes und Pubs. In International Bar erleben wir einen Comedy-Abend. Das war spaßig. Der Moderator war so hysterisch, das hat mich wahnsinnig gemacht. Schön war aber, wie der die Frau, die immer dazwischen gelabert hat, verabschiedete: „Applause to the woman who wouldn’t shut the fuck up!“ Klatsch, klatsch! Insgesamt gab es 4 Acts. Ein Typ namens Aidan war recht lahm und leierte Gags unzusammenhängend herunter. Die oben genannte Frau unterbrach auch ihn. Aidan: I don’t believe in Ghosts…“ Frau: „Why? Why not?“ Aidan: „Because it’s part of the gag, thank you for trying to ruin it!“ Außerdem war ein unfassbar betrunkener Typ im Publikum, der uns schon vorher in der Bar aufgefallen war, da er ein enges, weit aufgeknöpftes Hemd mit herausquellendem Brusthaar trug. Außerdem baumelte ein Goldkettchen um seinen Hals. Er trötete auch immer dazwischen. Als eine Frau ihren Auftritt hatte (Das war lustig, sie erzählte von ihrem Leben als verzweifelte Mitdreißigern ohne Parter und Kind: „And i laughed until i cryed“). Dem Besoffski gefiel das wohl nicht und er blökte immer unverständlich vor sich hin. Sie: „Hey, your shirt is too tight, but it fits you!“. Gröhl! Gegen stand-up Comedians kann man nicht gewinnen. Als dann der letzte Act kam, teilte er noch viel mehr aus, so lange bis der nicht so ganz trinkfeste Typ meinte „Can we agree, that we all want to gon with the programme?“ Ach, das war ein cooler Abend.

Prometheus

SPOILER AHEAD

Bei uns läuft der SciFi-Streifen ja erst im August an. Wir haben die Chance genutzt und uns das Ganze dann jetzt schon mal angesehen. In diesem wirklich sehr überflüssigen 3-D-Format, das nur extra Geld kostet, sonst nix. Meine Güte, war das eklig!! Minuten habe ich von diesem Film verpasst, weil ich meine Jacke vor das Gesicht halten musste. Leider konnte ich mir so nicht die Ohren zuhalten und hörte weiterhin die glitschigen Sounds. Irgendwie geht’s um Wissenschaftler, die dem Ursprung der Menschheit auf Erden auf die Spur kommen. Und natürlich entdecken sie gefährliche Kreaturen und werden niedergemetzelt. Warum sehen diese Kreaturen (von uns liebevoll im Nachgang „Schleimvasenmonster“ genannt) immer aus wie vollgesabberte Tintenfische? Ich fand Michael Fassbender als Android ziemlich spaßig (zum Ende aber auch unfreiwillig komisch, wenn er aus zwei Teilen besteht…), anonsten zeichnet sich der Film nicht gerade durch charakterliche Tiefenzeichnung seiner Figuren aus. Vor allem Charlize Theron wirkt total hölzern. Eigentlich genauso wie in „Snowhite and the Huntsman“. Ist sie gerade etwas müde? Das waren so lahme Darstellungen. Echtmal. Was mir bei Prometheus am meisten in Erinnerung bleiben wird ist die Abtreibungsszene, meine Fresse, wie ekelhaft! Und natürlich gibt es zum Ende die Verbindung zu den Alien-Filmen. Die Schauwerte in Prometheus sind toll (diese Raumschiffe!) , aber so richtig überzeugt hat er mich dennoch nicht.

Fast besser war die Taxifahrt nach dem Film. Ich sagte etwas enttäuscht zu unserem Fahrer „Don’t watch Prometheus, man. It’s no good.“ Da ging er gut ab. Er drehte sein Radio auf volle Lautstärke („It’s african music, man!!) und irgendwie sang da immer nur einer „I love Beyoncé“. Dann führte er aus, wie genial er den Film fand: „I loved it. I’m an action man. It was a great movie. I like those kinda films: Alien, Predator…Now i wanna see Prometheus vs. Predator. Or Prometheus versus Predator versus Alien. That would be some aweful great shit man. Dat badass mothafuckers shootin‘ the hell out of each otha!“ Und er fuchtelte mit seinen Armen begeistert herum, während er seine Filmversion von der großen SciFi-Schlacht erzählt und dazu die laute Mucke lief. Was ein Fez! 🙂

Howth

Ein Cliffwalk stand beim Wiederbesuch der grünen Insel ganz oben auf der Liste. Also ab in die Dart und raus nach Howth. Da ist es so wunderschön. Da riecht es so gut. Da geht einem das Herz auf. Wir machten eine kleine Wandertour und freuten uns so sehr, dieses Gefühl wieder zu erleben. Das Wetter war wechselhaft. Mal schien die Sonne und wärmte, dass wir unsere Jacken von uns warfen, mal regnete es, dass wir unsere Mützen aufziehen mussten. Da wird der Weg an den Klippen so schön slippery. Uh yeah! Kann man nur jedem empfehlen.

Newgrange und Knowth

Nachdem die Medames in der Touri-Info für die Buchung nach Newgrange drei (!) Telefonate führen mussten, ging’s an einem sonnigen Tag zu den neusteinzeitlichen Hügelgräbern. Der Fahrer aus Litauen entschuldigte sich zu Beginn der Fahrt, dass er kein Ire sei, wir aber nun trotzdem ein ganz irisches Erlebnis haben würden. Im Boynetal ( Brú na Boinne) bekamen wir im Visitorcentre zwei Aufkleber aufgepappt mit den Abfahrtszeiten unserer Busse, jeweils nach Newgrange und Knowth. Dann gab’s einen kleinen Spaziergang zur Busstation, der schon sehr schön war. Tolle Landschaft. Der erste Busfahrer, Allan, brachte uns nach Newgrange. Eine kurze Fahrt, die er mit ein paar Witzen noch weiter verkürzte. Vor dem riesigen Hügelgrab gab es eine kleine Einführung. Das Grab ist über 5000 Jahre alt, älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh. Danach durften wir hinein, einen 19 Meter langen engen niedrigen Gang entlang, bis wir in der Kammer standen. Dann wurde uns vorgeführt, wie es einmal im Jahr, am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, zu einem Lichtphänomen hierin kommt. Zuerst wird es dunkel. Mehr als das. STOCKFINSTER. Dann spielt die Lichtanlage nach, wie sich die Sonne durch eine Öffnung im Engang der Anlage durch die Anlage bricht und den Raum erhellt. Faszinierend! Es ist kaum vorstellbar, wie alt das alles ist. Was genau das alles bedeutet, wie die Grabanlage entstand…all das weiß man nicht. Auch nicht, was die Zeichen auf den riesigen Steinen rund um den Hügel bedeuten.

In Knowth (oder auch „Nout(s)“ ) finden sich noch mehr kunstvoll bearbeitete Steine und viele weitere Gräber. Einfach interessant.

Im Bus saßen übrigens zwei ältere Damen, die sich über eine gemeinsame Bekannte unterhielten: „I tell you, her breasts look like socks filled with sand!“ Das hat mir einen solchen Lachflash bereitet, das tat schon weh.

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Frankenstein

Ein Highlight! In Blanchardstown (etwa 40 Minuten Busfahrt von Dublin Mitte aus) liegt ein riesiges Shoppingcentre. Darin gibt es auch ein Odeon Cinema. Und hier wurden die zwei unterschiedlichen Frankenstein Varianten des National Theatre London gezeigt. Inszeniert von „Trainspotting“-Regisseur Danny Boyle, der jetzt auch die Eröffnung der Olympischen Spiele künstlerisch verantwortet. Als erstes sah ich die Version mit Benedict Cumberatch als Kreatur und Jonny Lee Miller als Dr. Frankenstein. Vorher gab es eine kleine Einführung mit Interviews der Beteiligten und Impressionen aus den Proben. Da ist mir eines aufgefallen: Jonny Lee Miller erzählte, er entdecke in seiner Interpretation der Kreatur viel von seinem zweijährigen Kind, das wie eine leere Leinwand sei, das sehr schnell lerne und begreife, was faszinierend zu beobachten sei. Cumberbatch sagte, eine Inspiration für ihn sei gewesen, sich an Leuten zu orientieren, die nach einem Unfall wieder das Sprechen oder Gehen lernen mussten. Was nun wirklich interessant daran ist, das beide so spielen, wie es der andere beschrieben hat. Soll heißen, Cumberbatchs Creature ist viel, viel kindlicher angelegt als die von Miller. Er ist auch viel körperlicher, in einem verspielten Sinne. Miller ist dagegen viel aggressiver und irgendwie erwachsener. Dadurch ist mir Cumberbatchs Creature  näher, weil man mit ihr mehr Mitleid empfindet. Auch sind es oftmals die kleinen Gesten, die das Wesen so menschlich erscheinen lassen. Bei Miller ist es eher grob. Das ist nicht schlechter, es ist nur ein anderer Zugang. Die Rolle des Victor Frankenstein ist demgegenüber eine eher undankbare. Er ist ein überrationaler Charakter, der der klare Gegenpart des Wesens ist, das Gefühle hat und diese auch kommuniziert („I am lonely!“ „You abandonded me!“ „All i want was your love, my poor creator.“). Frankenstein ist hierzu kaum fähig, darunter leidet vor allem seine Braut Elizabeth. Er behandelt sie fast so wie die von ihm geschaffene Kreatur. Als ein Besipiel menschlichen Lebens, ein Musterexemplar einer Frau. Er erkennt ihre Schönheit und ihre Liebe, weiß aber nicht damit umzugehen. Als sein Wesen das Licht der Welt erblickt, ist er fasziniert und stolz, dass sein Experiment erfolgreich war. Aber das Wesen hat Leben in sich und auch einen eigenen Willen. Als es auf ihn zukrabbelt ruft er es an, es solle zurückweichen. Er befiehlt („Do as i say!“), aber es hört nicht auf ihn. Leben lässt sich eben nicht regeln, wie in der Theorie. Ein tolles Experiment, die Hauptrollen von den Schaupielern im Wechsel interpretieren zu lassen. Beide Figuren bedingen sich. Dazu noch die tolle musikalische Unterstützung von Underworld. Ich war wirklich begeistert und kann nur hoffen, dass es dieses Stück doch irgendwann mal auf DVD gibt, ich würde gern noch einmal beide Versionen sehen und sie weiter vergleichen!

Ein Gedanke zu “Revisiting Ireland – mit Prometheus und Frankenstein

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