Stippvisite in London to see The Batch

Mein Geburtstagsgeschenk an mich: ein Besuch im Duke of York’s Theatre in London, um einer szenischen Lesung mit Benedict Cumberbatch beizuwohnen. Im Rahmen der Reihe „Playwrights‘ Playwrights“ steht am 6. Juli das Stück „Look back in anger“ von John Osborne auf dem Plan. Und ich bin dabei. Juchuuu!

Hinkommen

Hin geht es mit EasyJet nach London Gatwick. Die Flüge waren sehr angenehm, das Team außerordentlich nett, die Flüge pünktlich. Alles gut. In Gatwick nehme ich den Gatwick Express in die City (unbedingt vorab online buchen, da spart man Geld). Man könnte auch den Bus nehmen, aber das ist viel unbequemer. Vom Terminal Nord zum Terminal Süd muss man ordentlich Strecke zurücklegen (mit Shuttle). Sollte man einplanen. Die Fahrt zur Victoria Station dauert 30 Minuten und erfolgt nonstop, ohne Zwischenhalt. Wow, ist das voll hier. Ich stelle mich an, um mir ein Ticket für die Tube zu kaufen. Ich liebe die Tube, das einfachste U-Bahn-System der Welt! Herrlich. Dann will ich ein paar Sachen im Hostel abwerfen und fahre nach South Kensington. Das Acacia Hostel ist ganz nett. Allerdings bin ich zu früh. Der Check in ist erst ab 14h. Wir haben 11 Uhr. Ich frage den receptionist dann, ob er mir sagen kann, wo genau das Duke of York’s Theatre ist. Er kennt es nicht und meint, nachdem er google gefragt hat, das sei irgendwo in Brighton. Nein, das muss im Westend sein, erwidere ich. Da hat er es. Es sei direkt an der Haltestelle Leicester Square, das könne ich gar nicht verfehlen. Gut, gut. Ich fahre dorthin und finde es wirklich ganz schnell. Das Stück beginnt aber erst um 14h. Ich habe also Zeit. Ich schaue mich also etwas um. Ich bin zum vierten Mal in der Stadt und es ist wie immer. Kaum habe ich Fuß auf Londoner Boden gsetzt, atme ich tief durch und lache in mich hinein, weil ich fühle, wie richtig sich hier alles anfühlt. ICH LIEBE DIESE STADT. ICH LIEBE SIE EINFACH. Kann ich nicht erklären. Wir passen einfach zueinander! Ich stromere eine bisschen durchs Westend/ Soho und freue mich. Ein Obdachloser will mir The big issue verkaufen. Ich lächele ihn an, schüttele aber den Kopf. Er steht auf und ruft mir hinterher: „Have a lovely day, lovely girl!“ und strahlt. Ich drehe mich um und lache. Ehrlich: that already made my day! Nachdem ich einige Zeit umherspaziert bin wird es Zeit. Ich gehe zum Theater.

Look back in anger

Da stehen schon eine Menge Leute. Fast nur Mädels! 🙂 Ich hole mir meine Karte ab und setze mich in das wirklich schöne Theater. Das Bühnenbild zeigt wohl das set-up für das Stück, das dort sonst gezeigt wird: Posh. Im Vordergrund stehen fünf Stühle. Ich schaue mich und sehe nur Frauen. Nein, da sind doch vereinzelt Männer. Ich zähle ganze 15 Stück. *lach* Das Licht geht aus und es dauert nicht lang und der Cast steht samt Regisseurin und jemandem vom Theater auf der Bühne. Applaus. Komisch, Cumberbatch auf einmal so „live“ zu sehen. I like it!! Es wird sich artig bei allen bedankt, man habe sich erst am Abend zuvor getroffen und überhaupt, Regie geführt habe sie noch nie, sagt die Regisseurin Polly Stenham. Dann geht es los.

Kurz zum Stück. Es geht um Jimmy Porter (Cumberbatch) und seine Frau Alison (Rebecca Hall). Sie leben in beengten Verhältnissen und führen eine schwierige Beziehung. Jimmy stammt aus der Arbeiterklasse und Alison aus der Mittelschicht. Jimmy kommt zudem aus schwierigen familiären Verhältnissen: seine Mutter verließ den Vater. Jimmy ist oft wütend und geht seine Frau hart an und deren Apathie und Gefühlskälte. Er schimpft sie „pusillanimous“ (feige, ängstlich, kleinmütig) – das Wort würde seine Frau perfekt beschreiben. Vor seinem Freund Cliff (Matt Ryan), der bei den Porters wohnt, demütigt er Alison immer weiter. Alison gesteht Cliff, dass sie ein Kind von Jimmy erwartet und sich nicht traut, ihm das zu sagen. Cliff spricht ihr Mut zu. Später teilt Alison Jimmy mit, dass Helena, eine Freundin, zu Besuch kommen wird. Jimmy verachtet Helena. Beide gehen sich später heftig an (Jimmy: If you slap me, by God I’ll lay you out. Helena: You would, you’re the type. Jimmy: You bet I’m the type, the type that hates physical violence. ). Helena hat Alisons Eltern über die prekäre Situation ihrer Tochter infomiert. Alisons Vater (Julian Wadham) nimmt sie mit nach Hause. Helena teilt Jimmy mit, dass Alison bei ihren Eltern ist. Jimmy ist außer sich. Dann berichtet ihm Helena von der Schwangerschaft. Das mindert seine Wut nicht. Zum Höhepunkt von Jimmys Wut küssen sich Helena und Jimmy. Monate später leben beide zusammen. Cliff plant auszuziehen und Alison taucht wieder auf. Sie hat das Kind verloren. Helena überdenkt ihr Handeln und zieht sich zurück. Alison und Jimmy versöhnen sich.

Wohaaa, was für eine Packung Drama. Julian Wadham war der Erzähler. Seine ruhige Stimme war äußerst angenehm. Ryan als Cliff las auch wirklich gut. Anna Maxwell Martin als Helena war so unfassbar schlecht zu verstehen, sie sprach so leise und leierte so vor sich hin, das war wirklich blöd. Außer in der Szene, wo sie und Jimmy sich streiten, nur um sich dann zu küssen (eine starke Szene!), konnte man sie kaum hören. Rebecca Hall und vor allem Benedict Cumberbatch waren großartig. Ihn hielt es kaum auf seinem Stuhl. Er fuchtelte mit seinen Armen, beugte sich vornüber, seinen Mit“spielern“ entgegen. Seine Stimme war mal donnernd laut, mal sanft und leise. Er war lustig (Cliff: My feet hurt. Jimmy: Try washing your socks), traurig (I knew more about love … betrayal … and death, when I was ten years old than you will probably ever know all your life.) und vor allem wütend (über Helenas Mutter: She’s an old cow and she should be dead. Well, what’s the matter, why don’t you spring to her defense? If someone said that about me she’d react soon enough – she’d spring into a well-known lethargy and say nothing. ). Ein solcher Charakter bietet jede Menge Möglichkeiten, schauspielerisches Talent zu zeigen. Davon hat Cumberbatch so viel. Er hat mich mitgenommen, auf seine Tour de Force durch das Stück. Ich habe seinen Jimmy wirklich verabscheut und dennoch mitunter Mitleid mit ihm gehabt. Krass zu sehen, dass Cumberbatch von jetzt auf gleich anfangen kann zu weinen. Verrückt. Und diese Stimme: mehr Hörbücher, bitte!!!!!! Rebecca Hall (mit der er demnächst im BBC Period-Drama Parade’s end zu sehen sein wird), hat mich wirklich berührt. Ich war so begeistert, dass mich die U-Bahn fast gar nicht störte, die immer wieder rasselnd auf sich aufmerksam machte, die Nasenhochzieherei des Typen hinter mir mich kaum nervte und ich registrierte es auch nur am Rande, dass sich Cumberbatch ständig mit weit ausholender Geste die Locken aus der Stirn strich. 🙂 Das waren fast drei Stunden beste Unterhaltung. Das hat sich vollkommen gelohnt. Nachdem sich alle brav verbeugt haben, geht sofort das Licht an, mehr Applaus wäre gar nicht dringewesen, komisch. Ich stiefele nach oben, sehe, das es regnet. Ich will meinen Schirm rauskramen, als ich merke: er muss mir unten im Saal aus der Tasche gerutscht sein. Ich gehe zurück. Als ich wiederkomme und aus dem Theater herausgehe, ist die Straße voller Menschen. Sie stehen gedrängt am Seiteneingang des Theaters. Ich beobachte die Szene. Dann wird aufgeregt gekreischt und Rufe ertönen: „Benedict! Benedict!!!“ Er starrt auf die Menge und sagt nur „Oh my gawd“. Er lächelt und arbeitet sich Autogramme schreibend durch die Menge. Immer wieder drücken ihm Leute Papier vor’s Gesicht, so dass er sagen muss: „Don’t keep pushing things into my face!“ Sonst ist er sehr nett und lächelt in Kameras, fragt nach Namen und setzt seinen Namen auf alles, was ihm entgegengehalten wird. Matt Ryan zwängt sich fast unbemerkt an Cumberbatch durch die Masse vorbei, schaut ein bisschen genervt. Ein Mann klopft ihm auf die Shulter und sagt: „You were good, man“. Ryan bedankt sich und macht, das er schnell wegkommt. Die Frau vom Theater will Cumberbatch erlösen und fragt immer wieder, wo das Taxi sei. Als es kommt, steigt Cumberbatch ein. Wie freaky muss denn so etwas sein? Verrückt das alles. Aber er ist wirklich sehr hübsch (dieses Haar) und recht groß und dennoch: er sieht einfach merkwürdig aus. Naja, nennen wir es interessant. Ich mochte auch, dass er einen Stoffbeutel über der Schulter trug, aus dem ein oller Schirm herausschaute. 🙂 Und er hat Talent. Da bin ich ja immer spontanverliebt, wenn mich jemand durch Talent so begeistern kann. Wie er als Jimmy Alison „Pussy“ nannte und dieses Wort wirklich gallig und ätzend klang und wirklich schmerzte. Wahnsinn.  Tolle Performance!

London, baby

Den Rest des Tages und des nächsten Morgen nutze ich, um durch die Stadt zu stromern. Ich schaue mir an, wo in der Sherlock-Serie die Baker Street 221b ist, die ist nämlich auf der 187 North Gower Street. 🙂

Ich laufe auch über die echte Baker Street und sehe eine Truppe vor dem Sherlock Holmes Hotel, die sich auf eine Sherlock-Tour begeben. Die typischen Hotspots Big Ben, Tower, Tower Bridge, Buckingham Palace etc. sehe ich noch, bevor ich zurück nach Hause muss. Im Zug zum Flughafen bin ich traurig. Ich will nicht zurück. Ich möchte hier bleiben. Die Stadt ist so toll. Hier geht so viel. Ich entschließe mich, schnell wieder zu kommen. Promise!

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4 Gedanken zu “Stippvisite in London to see The Batch

  1. Echt schönes Blog. Ich spiele schon seit zwei Monaten mit dem Gedanken nach London zu fliegen, um mir Birdland im Royal Court anzugucken. Find ich gut, dass du das einfach gemacht hast

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