Leonard Cohen. Der Mann in schwarz. Und mit Hut.

Endlich. Es gibt so ein paar Größen, die man einfach mal live erlebt haben will. Der gute Leonard gehört dazu. Freude schöner Götterfunken ich sah ihn nun auf seiner „Old ideas World Tour“!! OK, er spielte im Hockeypark Mönchengladbach. Grummel. Was soll das nur? Diese Location ist so furchtbar. Die Sitzschalen sehen aus, als wären sie aus alten Straßenbahnwagen herausgerissen worden. Die Leinwände an der Bühne sind furchtbar klein. Wir sind mit dem Auto angereist, weil der ÖPNV für ein Leonard Cohen Konzert nicht wie bei Green Day einige Tage zuvor mit Shuttle Bussen angepasst wird. Das Publikum ist bei Cohen zweifelsohne etwas älter und somit auch…nunja…bequemer. Für uns wäre es ohne Auto echt schwierig geworden. Das man dann fürs Parken 5 Euro zahlt, finde ich immer noch dreist. Das kann doch bitte durch Eintrittskosten gedeckelt sein. Wir konnten uns leider keine Innenraumkarten leisten, so saßen wir auf der Tribüne, Block 1. Nein, halt. Wir wurden upgegradet und durften weiter mittig sitzen. Hooray. Dennoch: arg weit weg von der Bühne, so dass man weniger Konzert-Feeling hatte als das eines netten DVD-Abends. Da der Sound aber glasklar war, hat das entschädigt. Leonard Cohen ist so ein lässiger Typ. Er hat Chuzpe. 🙂

Das Konzert geht pünktlich los. Überhaupt ist alles an diesem Abend auf dem Punkt. Nichts wird dem Zufall überlassen, es wird ein gut geschmiertes, routiniertes Programm gespielt. Vorab hatte ich eine Setlist gefunden, vom Konzert in Helsinki:

First Set

    1. Dance Me to the End of Love
    2. The Future
    3. Bird on the Wire
    4. Everybody Knows
    5. Who by Fire
    6. Darkness
    7. Sisters of Mercy
    8. Amen
    9. Come Healing
    10. In My Secret Life
    11. Waiting for the Miracle
    12. Going Home
    13. Anthem
      Second Set
    14. Tower of Song
    15. Suzanne
    16. Night Comes On
    17. Heart with No Companion
    18. The Gypsy’s Wife
    19. The Partisan
    20. Democracy
    21. Coming Back to You
      (performed by The Webb Sisters)
    22. Alexandra Leaving
      (performed by Sharon Robinson)
    23. I’m Your Man
    24. Hallelujah
    25. Take This Waltz
      Encore:
    26. So Long, Marianne
    27. First We Take Manhattan
      Encore 2:
    28. Famous Blue Raincoat
    29. Different Sides
    30. Closing Time
      Encore 3:
    31. I Tried to Leave You

Wohaa, da ist ja alles dabei, was ich liebe. Ich habe mich vor allem auf den „Raincoat“ gefreut. Nur: In Mönchengladbach war nach der ersten Zugabe Schluss. Eyyyyyyyyyyyyyyy! Was soll das denn? Da war ich schon enttäuscht. Es war dennoch ganz wunderbar. Schon die erste Nummer brachte mich ja in Verzückung. Das sind so Lieder, bei denen ich mir alle anderen wegwünsche und mit meinem Liebsten vor dem Kamin knutschen möchte. Ach was, Sex will man zu der Musik haben. *Roar* Einfach großartig! Es ist Musik für die dunkleren Tageszeiten. Gut, dass die Sonne sich langsam herabsenkte und wir zu den melancholischen Klängen einen fantastischen Sonnenuntergang erleben durften.

Leonard Cohen war gut gelaunt. Er hopste immer auf und von der Bühne. Zog seinen Hut vor seiner Band. Und was war das für eine Band, was für ein ordentliches Bündel weiteres Talent auf der Bühne:

Harmonica: Mike Scoble

Violine: Alexander Bublichi

Gitarre: Mitch Watkins

Bandurria, Laúd und 12saitige Gitarre (wie großartig!!): Javier Mas

Keyboards: Neil Larsen

Gitarre, Pedal-Steel: Bob Metzger

Background-Sängerin: Sharon Robinson

Backgroundsängerinnen, Harfe und Gitarre: Charley und Hattie Webb

Schlagzeug: Rafael Gayol

Musikalischer Direktor, Bass, Backgroundsänger: Roscoe Beck

Perfektion. Schlichtweg. Gerade auch die Version von „Coming back to you“ hat mich sehr gerührt. Nee, was schön. Überhaupt war ich sehr berührt. Wenn Musik mich so ins Herz trifft will ich immer die ganze Welt in den Arm nehmen und sie drücken und versichern: Ist das nicht alles wunderschön? Hach. Meine Highlights waren „Dance me to the end of love“, „Everybody knows“, „Who by fire“, „In my secret life“ (oooh yeah), „The Partisan“, „Suzanne“ (schöööööön) und „I’m your man“. Nach dem zweiten Set sprang das Publikum im Innenraum von den Sitzen und hob so die starre Blockanordnung auf. Rebellion! Und dann kommt auch noch der Überklassiker „So long Marianne“. Und die Leute singen mit. Und mit „First we take Manhattan“ geht es dann richtig los nur um danach direkt zu Ende zu sein. Schade. Es war ein gutes Konzert, aber Mr. Cohen hat nicht ganz gehalten, was er zu Beginn versprach. „We give you all that we can!“ In Helsinki konnte er mehr. 🙂

3 Gedanken zu “Leonard Cohen. Der Mann in schwarz. Und mit Hut.

  1. Vielen Dank für den schönen Bericht. Ich fand das Konzert grandios, hatte das Glück in Reihe 18 vor der Bühne zu sitzen und gegen Ende direkt vor der Bühne aus nächster Nähe die letzten Songs genießen zu können. Das plötzliche Ende lag wohl daran, dass es strenge Auflagen gab, weshalb um 23 Uhr Schluss sein musste. War wirklich schade, so die letzten möglichen Zugaben zu versäumen. Bin danach mit dem Auto durch die Nacht nach hause gefahren und um 3:15 Uhr ziemlich müde, aber auch ziemlich glücklich ins Bett gefallen. Für mich war „Leonard Cohen live“ ein ganz besonderes Erlebnis, das mir noch lange das eine oder andere glückliche Lächeln auf die Lippen zaubern wird. Und jetzt läuft gerade die Blu-ray der letzten Tour 2009…

  2. Genau so war’s, danke für den Bericht. Trotz MG und Hockeypark, was in der Tat wenig stimmungsvoll war, obwohl wir (mein Süßer musste mitkommen) uns den „Innenraum“ – im Theater würde man wohl Parkett sagen – leisten konnten 😉 und die Stühle waren da genauso hart und unansehnlich und die Bühne genauso weit weg, aber hey, Leonard Cohen! war da, leibhaftig, unglaublich präsent, dunkel-bassig-abgründig, gut wie nie, ein Altmeister eben. Und wie keck, zum Schluss mit „Save The Last Dance For Me“ fremdzugehen, yes, Mr. Cohen, you are welcome!

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