Reisebericht Österreich: Wandern im Salzburger Land

Almwandern

Hurra, auf zum Wandern! Jede Menge Sachen in den Koffer geschmissen und ab nach Österreich. In die Alpen! Genauer gesagt ins Großarltal. Ganze sieben Stunden brettern wir bis ins Ösiland. In unserer Pension angekommen, erhalten wir erstmal einen Obstler nach der langen Fahrt. So ist’s recht. Dann schnell die Ferienwohnung begutachtet und ab in die Heia, morgen geht’s in die Berge. Schichten über Schichten liegen dann auf unseren Körpern. Strumpfhosen, T-Shirts, Longsleeves, Pullis, Jacken, Schals, Mützen, Handschuhe. Alles wird übergestülpt. Die ersten Schritte ist es auch wirklich noch etwas kalt. Je mehr wir laufen, umso leichter werden wir, weil die Klamotten nach und nach im Rucksack landen. Auf unserem Weg finden wir einen kleinen Verschlag mit verschieden langen Stöcken drin. Hurra, so ein Glück, ein kleines Umsonst-Warenhaus für Wanderstäbe. Wir suchen uns die besten aus und stapfen weiter. Die Sonne scheint, es liegt Schnee um uns herum und wir schwitzen uns kaputt. Diese Anstrengung. Aber diese Aussicht ist gigantisch. Und keine Menschenseele weit und breit. Toll. Bis wir zur ersten Hütte kommen natürlich. Man begrüßt sich immer nett mit „Griaß di“ oder „Griaß euch“, was ich lustig finde. Hier genehmigen wir uns auch noch mal einen Obstler und einen warmen Tee. Aaaah, diese Wohltat. Diese Ruhe, diese Berge. Die Kühe, die Ponys, die Vögel, die Schafe, die Pferde, die Schweine, das Wild…alles so toll. So idyllisch, das man fast verrückt wird. Die Forstwanderwege sind langweilig, die Querfeldeinwege toll; aber auch echt anstrengend, wenn man über die Wurzeln stolpert oder im Schlamm steckt. Dafür sieht man so viel. Und immer wieder kleine Wasserfälle, Seen…einfach traumhaft. Auf die erste Alm habe ich  mich immer am meisten gefreut, denn das hieß meist, den schwierigsten Teil des Aufstieges hinter sich zu haben, der Abstand zwischen den Almen ist dann oft nicht mehr so weit. Auf den Almen gab es dann die Jause. Für Vegetarierer oftmals nicht so super. Denn Brettljause (Schinken! Speck! Würste!) ist nicht mein Ding, die paar Scheiben Käse, die darauf liegen, verschmähe ich auch, denn Käse ist nunmal auch nicht so der Hit. So war meine Wahl dann meist ein Butterbrot. Das schmeckt nach einer Wanderung dafür aber herrlich. Dazu dann Schiwasser (Wasser mit Himbeersirup), oder Hollerspritz (Sprudel, Holunderblütensiriup) oder Melissenwasser. Oder auch ein Glas Milch. Nee, wat gemütlich. Dann die Beine ausstrecken und ausruhen und die Aussicht genießen.

Unlecker fand ich, dass auf manchen Almen Fußknöchel von Rehen als Haken benutzt wurden. Bläääh, wer kommt denn  auf so eine Idee? Schön war hingegen, dass ein Pferd die zum trocknen aufgehängten Kleidungsstücke anfing zu verspeisen. Ein großes Hallo. Meine Lieblingsalm war die Weißalm. Die war einfach so urig. Es war super sonnig an dem Tag, als wir dort ankamen (Sonnenbrand auf der Stirn und an den Oberarmen gab es gratis dazu) und wir haben uns nerviger und überflüssiger Oberbekleidung entledigt, den Schweinen beim suhlen zugeschaut, den Kühen beim Grasen, dem Schnee auf dem Dach beim schmelzen, das grüne Gras beim wachsen (oder verzehrt werden)… Wirklich schön. Und der Holunderlikör war auch so lecker. Und der Kaiserschmarrn. Hier war’s einfach am leckersten! Und der Weg von der Loosblühelalm zur Weißalm war auch einfach super. Ein bisschen auf und ab, über Stock und über Steine, quer über’n Berg. Toll!

Ob ich noch zusammen bekomme, welche Almen wir noch abgeklappert haben? Mal sehen. Da war die Saukaralm (super!), die Elmaualm (da waren ein paar echte Schnicksen und haben Geburtstag gefeiert, sah nach Münchener Schickeria aus, gruselig), Filzmoosalm, Kreealm (aber nur eine, die andere, die keine 10 Minuten entfernt liegt, war an jenem Tag geschlossen), Bichlalm, Karseggalm und Gerstreitalm (die mit dem Trampolin). Was auch verblüffend war: Wir haben uns entblödet den Ösidialekt anzunehmen. Immer schon „Griaß di/ Griaß euch/ enk“ oder „passt“ oder „das geht sich aus“ sagen. Immer schon das „R“ rollen und die Laute ziehen. Das hat Spaß gemacht.

Auf einer Alm erfuhren wir übrigens, das unser Wirt niemand anderes ist, als der Chef des Tourismusverbandes Großarl. „Oh, ihr wohnt bei seiner Geschäftität!“, hieß es. Jene „Geschäftität“ samt Gattin gaben uns immer gute Wandertipps und bestätigten uns, das unser Tempo und unsere stolz erarbeiteten Höhenmeter (zwischen 500 und 800) „guter Durchschnitt“ seien. Na, denn…;-)

Eine unsere Touren begann im Nachbardorf Hüttschlag. Das war ein komischer Tag, denn da habe ich mich beim Abstieg auf die Nase gelegt und das Knie aufgeschlagen, bin mit meiner Hose an einem Zaun hängen geblieben, was ein Loch in der Kleidung zur Folge hatte und ich bin mit dem Obrarm an einen Elektrozaun gekommen und habe mir tierisch eine gefangen. Autsch. Dazu war es sooo heiß. Maul, mecker, zeter. Aber der Wasserfall dort war schön. Und als Entschädigung gab es dann einen supertollen Spaziergang zum Ötzlsee. Scheiße, noch nie habe ich so klares Wasser gesehen. Diese Idylle, da kann man nur noch lachen! Wir haben unsere geschunden Füße in das eisige Bergwasser gehalten und tief durchgeatmet. War das schön. Mit diesem reinsten aller Wässer habe ich dann auch meine Wunden gesäubert (kaaaaaaaaaaaalt!!!). Freilaufende Pferde, Schafe und Kühe, ein Kneippkurweg und, wir drehen durch, ein Rudel Rehe, begegnen uns auf dem Weg. Einfach perfekt. Perfekt. Beim Aufstieg auf die Bichlalm, sind uns an einem frischen Morgen gegen 9:00 Uhr auch Rehe begegnet, die aber gleich nach dem Ruf: „Guckt mal da!!!“ hinfortgerannt waren. 😉

Kurz bevor wir abreisten, begann im Tal übrigens die Riesensause, denn hier fand dieses Jahr die Wanderweltmeisterschaft statt. Ein mörder Ding. Da wurde aufgefahren, was an österreichischen Klischees nur so ging: da wurden die Alphörner geblasen, es gab Trachten, Schuhplattler, Peitschenmusik (verrückt: Goaßschnalzen). Ich dachte noch, ich dreh durch. Die Musi spielte dann den Schneewalzer und der Saal drehte durch, bevor dann mit dem „Prosit der Gemütlichkeit“ angestoßen wurde („Prost ihr Säcke“ –  „Prost du Sack“). An der Klampfe der Musikcombo namens „Die Flöhe“ niemand geringerer als der Bürgermeister der Nachbargemeinde Hüttschlag. Alles soooooo freaky!

Salzburg

Auf geht’s nach Salzburg. Leider regnet es. PLÖT. Salzburg ist, wie zu erwarten, voller Mozart. Und voller Mozartkugeln. Wir fangen unsere Besichtigung in der Getreidegasse an. Die schönen alten Häuser und Ladenschilder sind allerliebst:

Und natürlich ist der gute Mozart omnipräsent. Als Standbild, als Nascherei, als Hüpfepüppchen…er ist einfach überall. In seinem schönen Geburtshaus (worin man sich unter anderem auch die Filmkulissen aus dem Forman-Film ansehen kann) residiert im Erdgeschoss ein Spar-Supermarkt. Wie blöde. Salzburg ist wirklich hübsch. Der Dom ist imposant (darin standen auf einmal auch zwei Herren in historischer Uniform, warum auch immer) , die Festung Hohensalzburg auch (wie schön das Holz dort unter den Füßen knarzt!) und überhaupt! Aber ich hätte nicht gedacht, dass die Stadt so klein ist. Noch nicht mal 150.000 Einwohner. Nee, wat süß. Mit dem Fiaker kann man umher fahren, wenn man denn mag. Alles so possierlich hier in Österreich. Irgendwann stoßen wir auf einen Wegweiser, der auf das Trakl-Haus verweist. Gefunden haben wir es aber nicht. Schade, denn über deutschsprachige expressionistische Lyrik habe ich meine Magisterarbeit verfasst und hätte dort gern einmal vorbei geschaut. Dafür haben wir einen Blick auf das Festpielhaus geworfen, das einigermaßen, nein sogar ziemlich, uninteressant war. Der Mozartplatz mit dem Denkmal ist auch eher so „gesehen und weg“.  In Salzburg  stärken wir uns mit echten österreichischen Süßwarenklassikern: Salzburger Nockerln, Marillenknödeln und Eispalatschinken. Nockerln sind echt der Wahnsinn. Irrsinnig teuer und schmecken original nach GAR NIX!!!

Auf dem Weg zurück nach Vorarl hören wir den schrecklichsten Sender des Landes. Radio Salzburg. Ich frage mich, ob es hier die Ösi-Quote gibt. Ob hier, analog zu Frankreich, einfach ganz viel schreckliche Ösi-Musik gespielt werden muss. Ein Schlager-Heimatgeschunkel ist das, kaum zu ertragen. Am besten war dieses Stück Liedgut:

Eisriesenwelt

Am einzigen Tag, an dem es wirklich dauerhaft geregnet hat, entschlossen wir uns in dieEisriesenwelt zu fahren. Ein wenig Pause vom Wandern. Bis dahin haben wir täglich um die 16.000 Schritte gemacht (Danke, lieber Ipod-Zähler). Nach einer Fahrt über Dörfer, die alle irgenwie Werfen heißen, und einer sehr kurvigen Bergfahrt, kommen wir zu den Eisriesen. Wir schauen uns also die größte Eishöhle der Welt an. An der Kasse kann man sich entscheiden, ob man zum Höhleneingang laufen möchte (90 Minuten) oder mit der Gondel fahren (3 Minuten). Örgs. Gondel fahren. Aber noch örgser wären 90 Minuten im Regen zu latschen. Also Gondel it is. Bis zur Station läuft man allerdings schon nochmal 20 Minuten und hat so schon einmal ein paar tolle Blicke aufs Tennengebirge:

Die Gondelfahrt ist aller Animositäten zum Trotz ganz easy. Danach stapft man weitere 20 Minuten nach oben zur Höhle. Dort haben wir erstmal auf unseren Guide gewartet. Johannes, ein echter Jungspund mit leicht nasal-hoher Stimme, führte uns entlang der Eisriesen. Die Tour dauert ungefähr 70 Minuten und man läuft 700 Stufen. Wirklich anstrengend ist das nicht, da man in großen Gruppen geht und so ein gemeinsames gemächliches Tempo hat. Außerdem gibt es ja immer wieder Stops, bei denen einem die verschiedenen Eisformationen erläutert werden. In der Höhle liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt und ich bin mehr als erstaunt, als ich einem Mädel in unserer Gruppe auf ihre Füße schaue. Sie trägt Ballerinas. Ohne Strümpfe!! Ach du liebes Lieschen. Ohne meine dicken Wanderschuhe wäre ich darin verreckt. Außerdem war es mitunter nass und rutschig. Unverständlich, echt! Am Eingang wurden Grubenlampen verteilt, da es innen kein elektrisches Licht gibt. C. durfte eine solche Lampe halten. Menno, ich wollte doch auch! 🙂 Fotos machen war leider verboten. Insgesamt ist der Komplex ca. 42 km groß (unfassbar), wir begehen ca. 1 km davon. Die riesigen Formationen sind faszinierend. Wir besteigen einen Eiskoloss, der einen Durchmesser von 25 Metern hat. Phew! Wir bestaunen den „Eiselefanten“, die „Eisorgel“ und das Urnengrab des Entdeckers und Forschers Alexander Mörk von Mörkenstein, der die riesige Eiswand bewältigte und sich hier begraben ließ. Absolut faszinierend das Ganze. Und kalt! *bibber* Nach den 700 Treppen hinauf ging es natürlich auch wieder hinab und das war für mich der schönste Teil. Durch diese Eiswände zu laufen, einfach wunderschön. Unser Guide hatte die ganze Zeit Magnesiumfackeln dabei, die er abbrannte. Die machen aber ein tolles Licht. Will ich auch haben. Das war toll.

Liechtensteinklamm

Auch nicht schlecht war die Liechtensteinklamm. In dieser Schlucht donnert das Wasser durch den Stein, hallelujah! Auch hier läuft man etwa nur einen Kilometer. Mitunter ist es richtig nass. Immer wieder wird man über Schilder gewarnt, dass man nicht mit zu vielen Leuten auf den Stegen und Brücken stehen soll. Immer wieder. Jaaa, wir haben das verstanden! Auch hier gab es wieder eine sehr modebewusste Dame, die sich sagte, es sei nunmal Sommer und da MUSS man FlipFlops tragen. Egal, wo man gerade lang läuft? Wie kann man so unvernünftig sein? Abgesehen davon sehen FlipFlops IMMER kacke aus! Am Ende des Weges sieht man einen stolzen Wasserfall. Die Klamm ist super.

Ein paar Fotos aus dem Ösiland:

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