Reisebericht New York Teil 3: Wir machen in Kultur

Museum of Modern Art

Man nimmt sich ja immer so viel vor. In zig Museen will man latschen. Tausend Orte will man besuchen. Leider hat der Tag im Urlaub nicht 10 Stunden mehr. Unser einziger Museumsbesuch beschränkt sich auf das Museum of Modern Art, das MoMa. Von außen total unscheinbar (oops, vorbei gelatscht), ist es Innen ein Füllhorn berühmter Kunstwerke, die man aus den gängigen Kunstbüchern kennt. Von vielen wurden wir gewarnt: „Geht früh hin, das ist immer super überlaufen. Geht sonntags, da ist das abends umsonst.“  Wir waren Sonntags mittags da und haben keine fünf Minuten draußen gestanden.

Wir wurden fix abgefertigt am Schalter und dann sind wir nach oben (wir haben uns von obbe na unne gearbeitet) gefahren und los ging’s. Es ist schon ein Wahnsinn, wenn man diese überberühmten Gemälde dann vor sich hat. Die man meint so gut zu kennen, aber dann wirken sie doch ganz neu und anders. Einfach toll. Ich stehe vor Kandinskys, Pollocks, van Goghs, Picassos, Braques etc. pp und bin reizüberflutet. Was mir den letzten Rest gibt, mich aber auch vollends begeistert (im Gegensatz zu J., die sie  „unappetitlich“ findet) ist die Sonderausstellung zu den Quay Brothers. Das war ziemlich dunkel und abgründig. Das hat mir gefallen. Ihre Filme, Choreografien und Videos, sowie ihre Illustrationen finde ich genial.

Sie haben unter anderem auch Musikvideos gemacht. Dieses ist mir besonders in Erinnerung, ich fand das Lied toll (leider finde ich auf youtube keine Version mit dem Quay Video dazu):

Was ich im Moma auch toll fand, war das „Gästebuch“. Auf Papier konnte man niederschrieben/ zeichnen wieauchimmer, was einem einfiel zur Vorgabe „I went to MOMA and…“ Manche haben sich echt viel Mühe gegeben. Das fand ich großartig.

Morrissey in der Radio City Music Hall

Woah, als ich die Radio City Music Hall sehe, bin ich begeistert. Ich will da rein!! Wir gehen rein und entdecken, dass Morrissey in der Stadt ist. Wie unerwartet und genial ist das denn, bitte? Ich gehe an die Kasse und frage nach Tickets. Schlappe 75 Dollar werden verlangt. Kurze Rücksprache und wir kaufen. Weia, das kostet. Aber es ist Morrissey! In New York! In der Radio City Music Hall! Ich freu‘ mir einen Ast.

In der Hall ist es voll schön. Was für eine Location. Alles in rot. Sieht ehrfurchtgebietend aus. Wir sitzen oben und haben einen super Blick über die Halle, nein, besser: über den Saal. Vorab läuft ein Filmchen mit kruden Musikvideos und Ausschnitten aus alten Filmen und Tv-Shows, die Morrissey wohl in irgendeinerweise beindruckt/ beschäftigt/ geprägt haben. Als Vorband gibt es Kristeen Young.  Der Saal ist fast gänzlich leer, als sie ihr Set beginnt. Eigentlich gemein. Sie war jetzt nicht sooo schlecht, aber sie war nervig. Dieses Gekiekse.

Dann kommt der Meister. Er sieht aus wie Elvis. In blond(grau). Die Leute: begeistert. Sei Set war leider nicht besonders lang. Und nur ein Lied als Zugabe, das war mau. Es war mein erstes Morrissey-Konzert (aber hoffentlich nicht das Letzte), so fehlt mir der Vergleich. Ich fand ihn geil. Die Location war ein bisschen un-konzertig, aber das war mir egal. Morrissey hat gerockt. So eine Rampensau. Hier die Setlist:

Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me
You Have Killed Me
The Youngest Was The Most Loved
You’re The One For Me, Fatty
I’m Throwing My Arms Around Paris
Shoplifters Of The World Unite
Everyday Is Like Sunday
Ouija Board, Ouija Board
Black Cloud
Spring-Heeled Jim
People Are The Same Everywhere
Meat Is Murder
To Give (The Reason I Live)
Let Me Kiss You
Speedway
I Know It’s Over
One Day Goodbye Will Be Farewell
I’m OK By Myself
—-
Still Ill

Mein Favorit war der Smith-Knaller: „I know it’s over“. Gott, ich liebe dieses Lied. Diese Selbstzerfleischung, diese Melancholie. Toll, toll, toll!!! 🙂 Meat is murder war auch ein Knaller, da es dazu einen sehr unappetitlichen Einspieler gab, über Massentierhaltung und Tiermord. Örgs. Neben mir saß ein sehr enthusiastischer Fan, der alle Worte von Morrissey mitfühlte und empathisch die Arme nach vorne warf und die Hände zusammenfaltete und sie an seinen Körper zog. Als die Leute anfingen zu tanzen, hat die Empore so gewackelt, dass wir ein bisschen angst um die Statik hatten. Zum Ende stürmten dann immer wieder mal Leute die Bühne und wurden von den lauernden Bodyguards dann wieder runtergeworfen. Und wenn ich sage „geworfen“, dann meine ich geworfen. Die haben eine Frau, nachdem sie sie im Schwitzkasten hatten, Eins a von der Bühne geschubst. Plumps. Das hat bestimmt weh getan. Begeistert waren wir von seiner Band. Scheiße, waren die gut!!

Il Trovatore in der Metropolitan Opera

Unsere Stadterkundung führt uns auch zur Metropolitan Opera. J. will gerne ein Stück sehen. J. und ich sind auch nicht abgeneigt. Wir gehen hinein und studieren das Programm. So ein Pech. Anna Netrebko tritt genau dann auf, wenn wir auf unserem Washington-Trip sind. Den einzigen Termin, den wir noch frei haben, ist zur Aufführung von „Il Trovatore“ von Verdi. Keiner von uns kennt es, keiner weiß worum es geht. Wir kaufen Tickets. Auf die Frage, wo wir sitzen möchten, antworten wir ungeniert: „whatever seat comes cheapest“. Die Dame am Schalter lächelt und sagt: „You want it. You get it.“ Zwölf Doller kosten unsere Tickets jeweils. Yeah. Wir bretzeln uns schön ein bisschen auf für den gehobenen Abend. Das macht Spaß. Mit der U-Bahn brettern wir zum Theater. Ist das schön da drin. Rot und plüschig. Mit wunderschönen Kronleuchtern.

Wir sitzen oben, obener, am obensten. J. bekommt Höhenangst.  Wir können prima auf die Bühne und in den Orchestergraben gucken.

Vor uns auf den Geländern sind kleine Bildschirme, auf denen das Libretto nach Sprachen anwählbar, mitgelesen werden kann. Das Schöne: Wenn man auf die anderen Bildschirme guckt, kann man nicht sehen, was dort angezeigt wird. Das bedeutet, dass nicht der ganze Saal von Schriftzeichen beleuchtet wird. Tolle Technik. Das Stück ist gut. Und natürlich oh so tragisch. Da wird gelitten und gestorben. Die Stimmen waren wirklich gut. Das hat mir große Freue gemacht! Für Hintergründe gibt es die Playbill hier.

Im Yankees Stadium

Jip, ich zähle jetzt Sport zu Kultur. Wir sind zum Madison Square Garden gelaufen und wollten eigentlich Karten für ein Basketball- oder Football-Spiel kaufen, aber da war leider nichts zu machen. Und Baseball-Karten muss man woanders kaufen. Wir sind dann in den Yankees-Fan-Shop und haben nach Karten gefragt. Der nette Verkäufer sagte uns, wenn wir sie bei ihm kaufen sind sie relativ teuer. Wir sollten besser im Internet und bei stubhub.com nach Karten gucken. Er sagte uns noch, weiter die Straße rauf, bei Burger King (wo sonst? äääh) könnte man ins Netz und sich die Tickets auch gleich ausdrucken lassen. In der Burgerschmiede hat uns gleich der Manager festgenagelt und belabert. Wir mussten uns dann erstmal auf der Seite registrieren und dann nach Spiel und Plätzen suchen. Der Manager gab uns einen Tipp, wo man angeblich ganz toll sitzt („take these seats, right behind the pitcher! and you’ve got them for a good price, too!“). Haben wir dann gemacht. Er hat uns dann noch erzählt, dass seine Familie aus Puerto Rico kommt und er New York wegen seiner vielen Kulturen so liebt und das wir auf die Leute zugehen sollen und das wir uns nicht schämen sollen und immer unsere Herkunft herausposaunen sollen („Tell the world you’re german. It’s a good thing. Say hello to everyone you see!“). Aha. Das Spiel war schon am selben Abend. Also ab in die Bronx.

Das Yankees Stadium ist wirklich riesig. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, fasst es 50.000 Leute. Wir sitzen richtig schön ab vom Schuss. Danke, Hackfleischbrötchen-Mann. Das kleine Baseball-Feld macht nur eine kleine  Ecke der Rasenfläche im Stadion aus. Komische Sache das.

Vorab holt sich J. einen HotDog. Weil das so sein muss. Sie beißt rein, verzieht das Gesicht und wirft ihn, nachdem J. auch nochmal probiert hat und auch bei ihr nicht so gut ankam, entsetzt zu Boden. Vor mir sitzt eine Familie mit Kindern und der Junge hat den tollen Zeigefingerhandschuh, den ich immer schon mal anziehen wollte. Ich frage ihn, ob ich ihn mir mal ausleihen kann. Er ist ganz verstört und guckt fragend Vati an. Ich bekomme den Handschuh und mache blöde Fotos damit (herrlich), bevor ich ihn brav zurück gebe. Links von uns an der Wand sind Fernseher angebracht. Alle Teammitglieder begrüßen uns einzeln nacheinander im Stadion: „Hi, my name is Derek Jeter. Welcome to Yankees Stadium“. Das hat gedauert. Boah. Danach geht das ganze von vorne los, weil sichjeder Spieler einzeln bei den prima Fans bedankt: „Hi, my name is Alex Rodriguez. Thanks for your support!“. Uh, ARod. Der hatte dochmal was mit Kate Hudson und Cameron Diaz. Achja, mein Gala-Bunte-InTouch-Wissen.

Dann kommt die Hymne aus der Steckdose. Keiner singt mit, aber viele stehen auf dafür. Dann passiert irgendwas auf dem Spielfeld, aber wir verstehen nicht was.

J. fragt einen Ami, ob er uns die Regeln erklären könnte. Er gibt sich Mühe, aber wir verstehen noch weniger. Außerdem dauert die Action (=gääähn) auch nur 2 Minuten, dann kommt eine Pause und die SmileCam startet. Da darf man dann in die Kamera grinsen und Quatsch machen. Manche gingen gut ab. Das hat Spaß gemacht. Gewinn- und Ratespiele gibt es auch. Dann trabt wieder jemand aufs Feld. Werfen, Schlagen, Rennen. Stop. Wieder SmileCam. Ist das öde. Diese Dynamik. Wie beim Hallenhalma der Seniorklasse in Bad Mergentheim. Furchtbar langweilig. Wir halten bis nach der Pause (wozu eigentlich, sind doch genug Pausen während des Spiels) durch, bis wir aufgeben und gehen. Das hatten wir uns aber spannender vorgestellt. Aus den Nachrichten erfahren wir dann, dass die Yankees gewonnen haben.

Besuch bei John Lennon und James Dean

Popkultur. Wir wohnen währens unserer Zeit in New York gar nicht weit weg vom Dakota-Building. Da wo John Lennon gewohnt hat. Mit seiner Yoko. Sie wohnt, glaube ich, immer noch dort. Es ist ein wirklich schöner Bau, sehr verspielt und direkt am Central Park. Würde ich auch einziehen.

Direkt vor dem Eingang wurde der beste Beatle erschossen. Ein Elend. Tragisch. Schnief. Ich hätte gedacht, dass da mehr abgeht vor Ort. Keine Plakette, nichts. Wenn man es nicht wüsste, dass dies derjenige Ort welcher ist, dann weißt nichts darauf hin. Im Central Park gegenüber gibt es zum Gedächtnis die Strawberry Fields. Dort in diesem kleinen Bereich des gigantischen Parks findet sich auch das „Imagine“-Mosaik. Das war total belagert.

Nur wenige Straßen weiter, so sagt der Reiseführer, hat mal James Dean gewohnt. Ein schmuckloses Haus, an dem auch wieder nichts darauf hinweist, dass die 50er Filmikone dort mal gelebt hat. Schade.

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