Reisebericht London (again)

Schon ist sie wieder vorbei, die wundervolle Woche in meiner Lieblingsstadt. Dieses Mal gab es ein bisschen mehr Touri-Sightseeing, da meine Begleitungen die Stadt kaum oder gar nicht kannten. Macht ja nichts, macht ja nichts. Mir folgen, dem Regenschirm nach. Nicht stehen bleiben, weiter gehen…

Wir steigen im Hotel  Crestfield ab. Schön nah an King’s Cross/ St. Pancras.  Es ist absolut OK im Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Mitarbeiter sind des englischen mitunter aber nicht mächtig, das kommt schon komisch. Egal. Es war günstig, sauber, ruhig und zentral. Also: top. Wir grasen alles ab, was so sein muss: Tower Bridge, Buckingham Palace, Southbank, Tower, Picadilly, Trafalgar, West End, China Town, Big Ben, St. Paul’s, Westminster Abbey, Downing Street, London Eye, Tate Modern, British Museum, Baker Street, Royal Albert Hall, Kensington Palace, Hyde Park, Oxford Street, Bond Street, Marble Arch, The Globe, Camden, St. Barts, Covent Garden…

london eye

tower bridge

Ein paar Dinge waren aber besonders schön.

Harry Potter in King’s Cross

Am Gleis 9 3/4. Da ist ja immer die Hölle los. Als wir uns angestellt haben für ein Foto mit Harry Potters Gepäckwagen, recht früh morgens, hat sich schnell eine mächtig lange Schlange gebildet. Ein netter junger Mann unterhält die Wartenden und legt den Posierenden den Gryffindor-Schal um. Dann muss man für das Foto springen und der Junge wirft den Schal nach oben, damit man auch sehr dynamisch aussieht. Wir lachen und gratulieren ihm zu seinem Job. „It’s not too shabby, is it?“, feixt er zurück. Britisches understatement. Muss man einfach lieben. Eigentlich gilt es: Jeder ein Foto, dann der nächste. Wir machen alle ein einzelnes (Ich falle etwas aus der Rolle, weil ich einen Slytherin-Schal verlange, haharhar!!), dann ein Dreier, dann ein Zweierbild. Muss sein. Wir hatten echt Spaß an dem Quatsch. Das hat Laune gemacht. Im Gleis 9 3/4-Shop haben E, C und M dann noch Merchandising-Kacke gekauft. Wer’s mag. Man kann dort für unfassbare 30 Pfund einen Zauberstab kaufen. Da geh ich echt lieber in den Wald und schnitz‘ mir selber was zurecht. Wer das bezahlt, ist echt irre!!

gleis 934

duell

Frühstück im Duck and Waffle

Ich weiß nicht, wie ich drauf gekommen bin, aber ich bin im Netz auf das Restaurant „Duck & Waffle“ aufmerksam geworden. Es ist im 40. Stock des Heron Towers mit Blick hinab (!) auf The Gherkin. Das sah toll aus, das wollte ich auch mal erleben. Von den Preisen her, ging das auch so gerade noch. Ich habe online einen Tisch reserviert und bin kurze Zeit später angerufen worden, um Details zu besprechen. Das war sehr nett.  Als wir am Tower ankommen, finden wir den Eingang erst einmal nicht. Der große Eingang ist nämlich zu und der Mann am Empfang sagt uns durch die Sprechanlage, dass wir weiter nach rechts müssen. Da ist eine kleine Glastür, dahinter steht eine Frau an einem Stehtisch mit Laptop und fragt wo wir hin möchten und ob wir eine Reservierung haben. Dann schickt sie uns zum Aufzug. Uah. Der ist außen am Gebäude und aus Glas. Igitt!! Dann zischt das Dingen mit uns nach oben, dass uns hören und sehen vergeht. Uns war ein wenig kodderig während der 30sekündigen Fahrt nach oben. Die Aussicht ist dafür aber ein echter Knaller. Während wir auf unseren Tisch warten, tasten wir uns an die bodentiefen Fenster heran und wagen einen Blick in die Ferne und nach unten. Uäh, ist das hoch. Wir bestellen uns jeder nur eine Kleinigkeit (Preise…:-) ) und genießen die Aussicht aus der Mitte des Raumes heraus. Einfach toll. Meine „Colombian Eggs“ mit Avocado und Brot waren exzellent. Mjamie. Sehr lecker. Allerdings würde ich in der Heimat garantiert nicht 12 Euro für eine gute Portion Rührei bezahlen. Urlaub…was macht man nicht alles. E. trinkt ein Bier und ärgert sich beim bezahlen, dass es schlappe 6 Pfund (=7 Euro) kostet für ein Glas. Nicht schlecht. Wenn man sich auf diese Preise (ich finde sie für die Lage und das Niveau wirklich noch moderat!) einstellt, ist das Duck & Waffle ein super Tipp. Das Warten auf den Aufzug abwärts war allerdings wieder ein Schlag in die Magengrube. Örgs. Man steht direkt vor der Glastür und schaut in den Abgrund während man wartet. Meine Nerven. Die Runterfahrt war aber OK, nicht so schlimm, wie aufwärts. Den Höhenunterschied hat man allerdings in den Ohren gemerkt. Fazit: Ich fand’s da oben super. Mir hat’s geschmeckt, die Bedienung war nett und aufmerksam und es sah toll aus.

duck waffle 2

duck waffle

gherkin

Camden

Jaaa, shoppen. Handeln. Lecker essen. Camden! Da kann man prima Nippes kaufen, sich über den Tisch ziehen lassen, aber auch den ein oder anderen Glücksgriff machen. Meine Beute: eine Tasche, ein T-Shirt, eine Uhr, ein Armband, ein Ring, Ohrringe und Kopfhörer. Tschö, Geld. Mach’s gut. Wir kannten uns nicht lang…Ein schöner Krims-Krams-Schmuck-Handwerk-Klamotten-Laden jagt den nächsten. Die Horse-Stables sind so schön, die kleinen verwinkelten Straßen voller Stände auch. Alles ist so hinreißend. Überall will ich einkaufen. Die engen vollgepackten Märkte möchten auch, dass ich sie komplett in meinen Koffer packe und mit nach Hause nehme. Wenn ich nur könnte…Das Wetter ist während unseres Aufenthalts exorbitant gut und wir setzen uns schön am Camden Market auf die Vespa-Roller (eine schöne Idee!) und schauen auf den Kanal, während wir günstiges, schmieriges FastFood (Linsenburger!) in uns hineinstopfen. So lässt sich’s aushalten!

camden 3

camden

The curious incident of the dog in the night-time at the Apollo

Ok, das war’s. Besser geht’s nicht. Verdammt, ich hab‘ das perfekte Theaterstück gesehen. Und verdammt, ich will NOCHMAL! Ich habe das Buch gelesen, als es heraus kam. Das ist schon wieder 10 Jahre her. Ich habe es geliebt. Die Geschichte des 15jährigen Christopher, der das Asperger Syndrom hat. Der mithilfe mathematischer Logik versucht dem chaotischem Alltag um ihn herum Herr zu werden. Der außerdem den Mord am Hund Wellington aufklärt und so einem Familiengeheimnis auf die Spur kommt. Ein tolles Buch, lustig, traurig, mitreißend. Nur: Wie macht man daraus ein Theaterstück? So wie es die vermalledeiten Theaterhelden in England gemacht haben! Es hat einfach alles gestimmt. Das schöne Apollo Theater im West End, mein Sitzplatz, der eine Primzahl war und ich durfte mir ausrechnen, ob mein Name auch eine Primzahl ergibt. Falls ja, hätte ich etwas gewonnen. Leider war das nicht der Fall.

theaterticket

Lustig, und man wurde so Teil des Stücks. Der Aufgang zum Balkon, wo mein Platz war, hatte übrigens mathematische Formeln als Wandmalereien. Das fand ich alles so prima, das ist einfach eine runde Sache so. Angekündigt war eigentlich die Zweitbesetzung, um so erstaunter war ich, als Luke Treadaway (*roar*) auf der Bühne stand, der für diese Rolle den Olivier-Award bekommen hat.  Zurecht! Überhaupt: Diese Bühne. Alle Daumen hoch für das Bühnen-Design und die Technik. Das war einfach perfekt. Die Effekte haben Christophers Innenleben 1:1 wiedergegeben. Mit wie wenig Aufwand man manchmal die größten Effekte erzielt“ ist faszinierend. Einen Eindruck gibt der Trailer:

Es ist live sooooooo viel besser und beeindruckender. Es war einfach ein Wahnsinn! Treadaway war ein Knaller und es hat überhaupt nichts ausgemacht, dass er doppelt so alt ist wie seine Rolle. Toll war auch, dass die „4. Wand“ immer wieder durchbrochen wurde: „Christopher, nobody wants to hear about your maths equations“ – But that is my favourite part!“ – „Tell them after the curtains fall, those who stay might be interested“. Und genau das passiert dann auch. Nachdem der Vorhang gefallen ist, der Applaus versiegt und die Lichter angehen, kommt  Treadaway nochmal unter großem Applaus und Gejohle auf die Bühne, um seine Gleichungen zu erklären. Super! Was ein Spaß!!

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Chelsea

Einmal entlang der Kings Road und der New King’s Road bummeln muss man gemacht haben. Auch hier kann man wieder arm werden. In Sekundenschnelle. Hier heißt auf einmal alles „World’s End“. 🙂

world's end

Da fällt mir ein, ich muss noch den neuen Film mit Martin Freeman und Simon Pegg sehen.

Das hier in Chelsea mal der Punk abging ist nicht mehr zu spüren. Auch wenn man Überbleibsel sieht wie einen Pub, der den Namen McLarens trägt und Vivien Westwood da noch einen Laden hat. Es ist ein gutes Viertel zum einkaufen, vor allem Designerkram (Kleidung, Möbel, Schmuck). Das ist schon nett. Der Sloane Square ist dagegen wirklich unschön, da laut und unattraktiv.

westwood

Abbey Road

Endlich mal da gewesen. Und den Verkehr aufgehalten, weil auf dem Zebrastreifen gepost. Zu viert. Muss einfach sein! Perfekt. Meine Füße da, wo schon John, Paul, George und Ringo langwandelten. HEILIGER BODEN!  Und dann noch nebenbei die Abbey Road-Studios. Die sehen schön unspektakulär aus, aber die Mauer davor ist schön zugekrickelt mit Grüßen aus aller Welt. Ich mag so etwas. Die Autofahrer sind auch fast alle gelassen, dass da ständig Irre auf dem Zebrastreifen stehen bleiben und posieren, als gäbe es kein morgen mehr. Prima.

abbey road laufen 2

abbey road

Regent’s Canal

Da wir noch ein wenig Zeit haben, bevor die Tube zum Flughafen fährt, folgen wir dem Tipp des Ticketverkäufers aus dem Londoner Underground. Er schickt uns rüber an den Regent’s Canal. Alles ganz neu, meint er und sehr hübsch. Hat er recht. Nebenan ist zwar eine Riesenbaustelle, aber hier am Kanal rumzulümmeln ist einfach genial. Paradiesisch geradezu. Die Sonne scheint, die Brunnen sprudeln, die Liegestühle stehen bereit, über Brücken, Kanal und Häuser geht eine Art Silberblitz als Dekoelement und alles ist einfach nur schön. So kleine Oasen in der Stadt sind genial.

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Dreharbeiten zu „Guardians of the Galaxy“

Wir wollen zur St. Paul’s und wundern uns, dass die Millenium Bridge gesperrt ist. Dabei stehen doch da ein Haufen Leute drauf. Und wieso nervt der Helicopter über uns eigentlich so? Dann ruft’s von irgendwoher „action“ und die Leute auf der Brücke rennen uns entgegen. Wie sehen die denn aus? Der eine ist ja ganz blau. Und was issen das für eine Frisur? Was läuft denn hier für’n Film? Antwort: Dreharbeiten zur Comic-Verfilmung (Hollywod: Gäähn, aber echt mal) „Guardians of the Galaxy„. Da rennen als so ein paar Außerirdische über London’s Brücken. Das wird ein Filmfest! 😉 Die armen Leutchen mussten zig mal rauf und runter laufen. Dann ewig warten, bis sie wieder rennen durften. Schauspielern muss echt mitunter sooooooo öde sein. Wir verfolgen das Ganze aber doch recht interessiert und vor der Tate Gallery bekommen wir dann auch einen besseren Blick auf die Aliens oder whatever, wenn sie angerannt kommen und die Schauspieler sich nach jedem Take in den Armen liegen und gegenseitig applaudieren, wie toll sie waren (uärch…was für ein Berufsstand!).

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3 Gedanken zu “Reisebericht London (again)

  1. Ein schöner Eintrag. Meine Kinder lieben auch Harry Potter und Camden Town.
    Wir leben nicht weit von London.
    Es scheint, dass Du eine schöne Zeit hattest.

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