Massive Attack – im wahrsten Sinne des Wortes

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Massive Attack v. Adam Curtis „A musical entertainment about the power of illusion and the illusion of power“ – so wird das Film-Konzert-Experiment der Ruhrtriennale angekündigt.

Mit der Eintrittskarte bekommt man ein Paar schön bunter Ohrstöpsel in die Hand gedrückt. Oha! Wird das wohl laut? 😉

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In der Kraftzentrale sind wir dann umgeben von 12 riesigen Leinwänden. Ich weiß oft gar nicht, auf welche ich schauen soll. In fünf oder sechs Abschnitte wurde der Film des britischen Dokumentarfilmers Adam Curtis unterteilt. Es ging ans Eingemachte. Bilder von Osama Bin Laden, den Cesauescus, von Rumsfeld und Donald Trump umschwirren uns. Es geht um Macht, um Daten, um den Wert der Daten, um die Reduzierung des Menschen auf Daten. Um die Berechenbarkeit von Risiken, von der Unberrechenbarkeit des Menschen, um Lügen und Staatsformen. Um Banken und Politik. Um uns alle, die wir sehen, aber oft nicht wirklich wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Einzelschicksale werden in das große politische Geschehen verwoben. Diese Welt ist so komplex, sich durch den Datendschungel und den Medientrubel nicht vereinnahmen zu lassen, ist unsere Herausforderung. Wir hören von Pauline Boty und ihrer Familie oder von Yegor Letov, beide Wegbereiter in Sachen Kunst und fortschrittliche Geister. Rebellen, wenn man so sagen mag. Letov war übrigens Teil einer Punk-Band, namens Graschdanskaja Oborona (GrOb). Deren Stück „vse idet po planu“ (Everything according to plan) wurde von Massive Attack auch intoniert.

Zwischendurch Bilder größter Belanglosigkeit. Etwa von Jane Fonda und ihrem „Körper-Faschismus“, wie ihre Aerobic-Aktivitäten hier genannt wurden. Super! Dazu die Musik von der Band, die hinter den Leinwänden aufspielt. Sie unterstreicht, ergänzt und überhöht die Bilder, die wir sehen. Es wird immer wärmer in der Kraftzentrale und die Bilder rauschen über unsere Augen, die Musik in unsere Ohren. Sie geht von zarten, lieblichen Popklängen bis zu hämmernden Bässen, die die Wände vibrieren lassen. Ich fühle mich von allem vollkommen vereinnahmt und gleichzeitig möchte ich meine Faust emporrecken ud aufschreien: „R-E-V-O-L-U-T-I-O-N!!“ Wir hören und sehen Menschen, die putschen und betrügen, Menschen, die Prozac nehmen, Heroin, die sich das Leben nehmen. Die anderen das Leben nehmen. Das geht uns sehr nahe. Nach zwei Stunden werden wir mit den Worten „And now find your own way home“ aus dem Konzert entlassen. Eine nette Erinnerung, stets zu hinterfragen und seinen eigenen Weg in der Welt zu machen. Diese Gedankenklatsche tut gut und wirbelt unsere Hirne ganz schön durcheinander. Ein super Konzert, ein tolles Zusammenspiel von Bewegtbild und Musik! Es war großartig!

Als wir aus der Halle kommen (wir müssen, warum auch immer, den Seitenausgang nehmen), werden wir von Scheinwerfern angestahlt. Wir sind orientierungslos. Die Scheinwerfer tauchen den beginnenden Nachthimmel um uns in ein surreales Licht. Wir stolpern, noch völlig vollgestopft mit unverarbeiteten Gedanken vor uns hin. Passt irgendwie.

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Eindrücke von Besuchern des Manchester Festivals , wo das Spektakel seine Premiere feierte:

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