My dear Mr. Cumberbatch – that’s a bit not good: The Fifth Estate & Little Favour

first of all: there will be spoilers!

Benedict Cumberbatch? Finde ich super. Ich habe viel von ihm gesehen und gehört. Vieles ist genial. Ich war deswegen auch relativ hibbelig, wenn es um „The Fifth Estate“ ging. Ein Film über Wikileaks. Oha, dachte ich mir. Ist das nicht etwas früh? Egal, Cumberbatch ist an Bord. Das lässt doch hoffen. Dann kam der erste Trailer und ich befürchtete, dass das kein guter Film wird. Allein, wie da schon wieder Hacker gezeigt werden: Zottelige, haarige Freaks, die wie wild auf Tastaturen einhämmern. Ja, genau. Und in den Brillengläsern reflektiert dann der Computerbildschirm. Gähn.

Natürlich kichert man auch ein bisschen, wegen der blonden Haare. Ist ja schon ein „spezieller“ Look. Mir hat der Film nicht gefallen. Aus mehreren Gründen. Ich fand ihn zerfahren und habe mich gefragt: Was will mir der Film eigentlich sagen? Vieles rauscht an einem vorbei, viele schnelle Schnitte. Da geht es um die halbe Weltgeschichte  und das spiegelt auch das „zerfahrene“ wider. Ein wenig mehr Verdichtung hätte dem Ganzen gut getan. Ich war seltsam unberührt von allem. Assange (der echte hatte schon Recht damit auf die Barrikaden zu gehen, er kommt nicht wirklich gut rüber hier) ist ein egomanischer Getriebener, von dem man nichts weiß. Was ihn antreibt, wie er denkt – nichts. Dieses, von Cumberbatch immer beworben als „wertfreie Darstellung“, ist ein echtes Problem, weil man den Zugang nicht findet und wie erwähnt, unberührt bleibt. Das einzige Mal, wo man wirklich gepackt wird, ist, als der Informant im Nahen Osten von der Regierungsbeauftragten Sarah Shaw (Laura Linney) droht, in seiner Rolle aufzufliegen und über die Grenze flieht. Apropos Laura Linney. Ich mag sie sehr. Aber ihre Rolle hier ist ja undankbar. Sie ist superunterkühlt (Hey, Politik ist knallhartes Business) und darf so grauenvolle One-liner sagen wie „Welcome to the revolution!“ Schrecklich. Sowieso – die Frauenrollen in diesem Film sind ein Witz. Geradzu beschämend!  Alicia Vikander als Anke Domscheit-Berg hat eine kümmerliche Rolle dank der Drehbuchschreiber bekommen. Die wahre Domscheit-Berg ist eine gebildete, engagierte und erfolgreiche Frau. Im Film ist sie eine schnutenziehende Zicke, die wartet, dass Daniel mal nach Hause kommt und sich ärgert, dass das Essen kalt wird. Und wann hatten beide eigentlich das letzte Mal Sex? Echt mal, da könnte ich kotzen!!

Und: war der Film von Club Mate gesponsort? Da gibt es viele Szenen, da ist das Zeug elementar wichtig anscheinend. Moritz Bleibtreu kriegt einen ganzen Kasten hingestellt und darf sagen: „Oh, you know the way to my heart“. Assange, dieser Wilde, öffnet während der Autofahrt eine Flasche mit den Zähnen. Als er Daniel zu Hause stört aufsucht, verlangt er nach einer Flasche der Brause. Und wenn sie in den coolen Bars und coolen Hotspots (Tacheles!) abhängen, steht da natürlich immer ein Fläschken rum. Super.

Auch super sind die mitunter völlig unmotiviert eingeworfenen Kindheitserinnerungen von Assange. Die stoßen einen völlig vor den Kopf. Und was man davon glauben soll – keine Ahnung. Die beste Rolle hatte, meiner Meinung nach, David Thewlis als Nick Davies vom Guardian. Er erweist sich als balancierter Charakter, der Chancen und Gefahren gleichermaßen sieht und abwägt.

Die einzig gute Szene für mich war der Schluss (nach 124 Minuten), wo man Assange in der Botschaft interviewt und er zum Wikileaks-Film gefragt wird. Assange fragt augenzwinkernd: „Film? Which one?“ In dieser Szene wird allerdings auch ein bisschen die Hilflosigkeit  klar, indem die Macher Assange sagen lassen „You want the truth? You have to seek it out for yourself. That’s what they’re afraid of – you!“ Das ist aller ehrenwert und betont nochmal, dass hier keine Gewichtung zu irgendeiner Seite geschehen sollte mit diesem Film, aber ein bloßes Nachfilmen der Ereignisse funktioniert eben auch nicht besonders gut. Schade.

Little Favour

Dieses kleine Filmprojekt, von Cumberbatchs Personal Trainer  (pffft, was ich von sowas halte…naja…) aus Star Trek Zeiten ist auch so eine Sache. Es wurde über Crowdfunding finanziert. Da habe ich nicht mitgemacht. Die Macher dahinter haben wirklich genug Geld. Sorry, aber Crowdfunding für Newbies oder Projekte, die sonst keinen Weg in die Realisierung finden – super. Das sehe ich hier nicht. Egal, neugierig war ich dennoch. Der Trailer sah ja auch nicht sooo schlecht aus:

Uh yeah, da geht’s ab. Ich habe mir den Film auf itunes für 3€ gekauft. Das kann man mal machen. Aber was habe ich denn da jetzt gesehen? Zwei Männer. Einer schuldet dem anderen einen Gefallen. Er soll auf die Tochter aufpassen. Dann kommen russische Gangster, schlagen um sich, nehmen das Mädchen gefangen. Cumberbatch wird schön durchgeprügelt. Dann schießt das Mädchen alle tot und die ganze Zeit steckte ihr Vater hinter dem Ganzen, um die fiesen Russen auszulöschen. Ja, prima. Was für ein Quatsch ist das denn? Tolle Message auch. Voll OK, dass eine 10jährige mal eben ein paar Typen um die Ecke bringt. Ne, echt. Voll dufte. Das hat mir nicht gefallen. Was mir gefallen hat, war das Licht in diesem Kurzfilm. Das sah gut aus.

Ich hoffe, die neu gegründete Produktionsfirma Sunny March von Cumberbatch & Co hat interessantere Stoffe auf Lager.

Schauspielerisch kann man bei beidem eigentlich nix allzuschlechtes sagen. Weder bei „The Fifth estate“ noch bei „Little Favour“. Aber das allein reicht halt nicht.

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