Reisebericht Kuba. Teil 1: Die Rundreise: Havanna, Pinar del Rio, Vinales-Tal

Vor einem Jahr haben J. und ich beschlossen eine Fernreise zu machen. Nur wohin? Allzu teuer durfte es auch nicht werden. Australien/ Neuseeland fallen also weg. Asien? Nach Thailand? Warum nicht? Karibik? Kuba, solange es noch so ist, wie es die Castros eingefädelt haben? Unsere Wahl fällt auf letzteres Reiseziel. Eine gute Wahl. Es war ein Knaller. Wir waren bestimmt 4 oder 5 Mal im Reisebüro, um uns beraten zu lassen (und weil wir auf die aktuellen Angebote warten  mussten, die erst Ende Juni/ Anfang Juli vorliegen). Wir wollten auf jeden  Fall nicht nur Strandurlaub machen, sondern auch etwas von Land und Leuten mitbekommen. Da wir beide kaum spanisch sprechen, haben wir uns für eine geführte Rundreise durch Westkuba entschieden (der Preis war allerdings auch ausschlaggebend…*hüstel*).

Nach einem 10-Stunden-Flug kommen wir im sonnigen Varadero an. Nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug (aus der Luft hatten wir übrigens einen Granaten-Blick auf Florida – superschöööön!), müssen wir erstmal über eine Stunde warten, an den Passkontrollen. Das ging alles so schleppend langsam, dass es einem vorkam wie reine Schikane. Vorab wurde man verrückt gemacht, weil man für die Einreise dringend nachweisen muss, dass die Krankenkasse eventuelle Behandlungskosten vor Ort übernimmt (wir mussten also eine Zusatzversicherung abschließen). Am Schalter saß eine gelangweilte Dame, die sich eeeewig Zeit nahm, um den Pass zu checken, das Touristenvisum zu studieren, ein Foto zu machen, um zu stempeln und NICHT nach der Krankenversicherung zu fragen. Das hat wirklich unfassbar lange gedauert und sehr an meinen Nerven gezerrt. Dann summt endlich die Tür und man darf ins Land. Ach, neee. Ätsch. Doch nicht. Denn man muss sofort wieder Schlange stehen, weil nochmal das Handgepäck durchleuchtet wird. Alle Mann durch diese eine winzige Schleuse. Macht ja auch Sinn, das bereits durchleuchtete Gepäck nochmal zu überprüfen. NERV!! Unsere Koffer liegen mittlerweile auf dem Band, das schon vor Ewigkeiten seinen Dienst eingestellt hat. Meiner ist komischerweise ganz nass. Egal. Raus da. Nope. Erst noch einmal warten, denn am Ausgang stehen Menschen, die den Schrieb haben wollen, den man im Flieger ausfüllen musste. Dass man keine Drogen oder sowas ins Land bringt. Bitte sehr. Jetzt aber. Vor den Türen des Mini-Flughafens stehen gefühlte 1000 Reiseleiter und suchen ihre Gäste. Wir werden aufgegabelt und zu unserem Taxi gebracht. Wir treffen auf den ersten Teil unserer 9köpfigen Reisegruppe. In 2,5 Stunden fahren wir nach Havanna. Die Landschaft ist ganz schön, die Sonne scheint und nachdem wir durch einen Tunnel fahren ist da auf einmal -ZACK, BOING- Havanna. Wir fahren die Promenade entlang und fahren dann weit hinaus aus der Innenstadt. Unser Hotel „Commodoro“ ist im Westen der Stadt. Noch hinter dem Diplomatenviertel mit den ganzen Botschaften. Kein Reiseleiter ist mehr da, aber wir bekommen unser Zimmer ganz easy. Es ist ein kleines Apartment an der großen Poolanlage. Unten ein kleiner Wohnzimmerbereich mit Kitchenette, oben ein großes und schönes Bad und ein großes Schlafzimmer mit großer Terasse. Sehr schön! Im Speisesaal unten hat man Blick aufs Meer (einen richtigen Badestrand hat man aber nicht). Wir essen etwas und fragen uns, wann wir wohl morgen abgeholt werden (der Anruf mit den Infos kommt um 22h als wir müde im Dämmerschlaf liegen).

havanna hotelblick

Die Rundreise

Pinar del Rio – Vinalestal – Havanna

J. und ich haben uns vom Hotel vorab abends aufgemacht in die Hauptstadt. Mit dem Taxi zahlt man 10 CUC (Touristenwährung, etwa 8€). Das war OK. Wir haben uns am Capitol, einem Nachbau des Capitols in Washington, absetzen lassen. Wir sind dann erstmal schön die „falsche“ Richtung gestiefelt. Es wurde immer dunkler. Die Laternen an den Straßen wurden einfach nicht angemacht. Keine Touristen weit und breit und wir fühlen uns total beäugt. Es wird uns mulmig. Es gibt auch nicht wirklich etwas zu sehen. Nur kleine Imbisse, die provisorisch zwischen Tür und Angel installiert sind. Als es uns wirklich zu dunkel wird, drehen wir um. Wir bekommen eine typische Touristenmasche zu spüren. Ein junges Pärchen kommt vorbei. Er spricht mich an: „Welcome to Cuba“. Wow, der ist aber freundlich, denke ich mir. Er fragt, woher wir sind, wie wir Kuba finden. Ob wir ’ne Bar suchen. Ja. Dann zeigt er uns die beste. Und natürlich ist da auch gerade ein Salsa-Festival. Wir wollen eigentlich gar nicht, aber man wurde sie gar nicht mehr los. Beide führen uns ins irgendein obskures Kulturzentrum, wo wir nicht hinwollen. Dann sehen sie uns erwartungsfroh an. J: „Die wollen jetzt, dass wir mit denen etwas trinken, die einladen und denen für den Tipp was geben. Keinen Bock. Lass gehen.“ Wir stammeln uns weg. Die gleiche Masche begegnet uns noch einmal, diesmal wehren wir sie schneller ab. Später landen wir im Touristenviertel. Hier leuchten die Laternen, die Gebäude sind auf Vordermann gebracht und es gibt Bars und Restaurants. Wir trinken Mojito und Cuba Libre und kriegen uns nicht mehr ein, wie günstig die Drinks sind (2 CUC , also keine zwei Euro – ein Wahnsinn). Am nächsten Tag geht dann unser Grüppchen gemeinsam auf Rundreise.

cuba libre

havanna preisliste

Die Gruppe besteht aus drei Ehepaaren, einer Alleinreisenden und uns beiden. Wir sind ca. 30 Jahre jünger als die anderen, was sich immer wieder bemerkbar macht. Und ein Meckerhaufen ist das. Liebe Güte! Schon vor der Abfahrt wird sich beschwert: „Also das Essen, das geht ja gar nicht. Das Hotel…also…naja. Der kleine Bus…“ Aber dann groß rumtönen: „Man darf in anderen Ländern den Leuten nicht die eigene Kultur aufzwingen!“ Dann gab es direkt den ersten Crash, als unsere Frau aus dem Osten (aus Halle), wir nannten sie analog des Namens ihres Mannes Waltraut, meinte, Stierkampf fände sie ja gar nicht mal so toll, aber das wäre Teil der spanischen Kultur, das müsse man ja akzeptieren. Da bin ich sofort an die Decke gegangen und habe gesagt, das müsse man nicht, wenn es Sklavenhaltung in Spanien gäbe, tolerierten Sie das doch wohl auch nicht??! Da waren dann die Fronten schon mal klar. 😉 Das stinkeligste Pärchen waren aber Birgit und Bernd, von uns liebevoll Biggi und Bernie genannt. Beim Warten auf dem Bus fällt Bernie die Tasche runter. Biggi  tönt laut: „ALSO DAS FINDE ICH JETZT GAR NICHT GUT, WAS DU DA GEMACHT HAST. DA WAR ZERBRECHLICHES DRIN. DAS IST JETZT SICHERLICH KAPUTT. KLAR, IST DAS KAPUTT!“ Erstens hat das Bernie sicherlich nicht mit Absicht gemacht, zweitens war natürlich nichts kaputt. Aber immer Panik und Kreisch. Das ging die ganze Zeit so. Unser Bus hatte einen Platten nach wenigen Metern Fahrt. Oh Nein! Na, das fängt ja gut an. So was. Das gibt’s doch nicht. Schimpf und Elend. Was nun? Was nun? Wir wurden von einem anderen Bus mitgenommen und unser netter Busfahrer (der leider kein Wort deutsch oder englisch sprach und wir uns nur mit Handzeichen verständigten) war einfach super und hat alles repariert und war immer zuverlässig.

platten 2

platten

Alles war gut, aber die älteren Damen und Herren haben einen immer ganz wuschig gemacht. Auch als wir auf unser Mittagessen warteten, wurde vorab erstmal eine halbe Stunde Schwarzmalerei betrieben, was an dem Essen alles nicht schmecken könnte. Bei so etwas drehe ich durch. Es war alles ganz prima. Wir beide haben auf Nachfrage auch immer eine vegetarische Alternative bekommen. Meist gab es musikalische Begleitung in den Restaurants. Ich fand das nett. Die Musik war auch nie zu laut, nie wurde direkt am Tisch gespielt. Aber natürlich kam dann jemand rum, um Geld zusammeln. Biggi: „Ich hab keine Musik bestellt, ich zahl nix!“ Ein paar CUC (Pfennigbeträge, echt!) hätten ihr nicht weh getan. Biggi hatte auch immer Probleme und Angst vor den Zuständen der sanitären Anlagen. OK, der Standard ist ein anderer. Es ist für uns nicht wirklich angenehm, abgezähltes Papier zu bekommen, nur halbhohe Toilettentüren zu finden, die Ergebnisse des Klobesuches mit einem Eimer Wasser wegzuspülen ist auch nicht das Tollste im Leben, aber meine Fresse, dann macht man das halt mal. Davon stirbt man nicht. Aber da wurde jedes Mal ein Aufhebens drum gemacht, das hat uns an den Rand eines Lagerkollers gebracht. Was uns noch auffiel und sehr störte: Unser Reiseleiter Andrés bot immer an, noch Zeit auf eigene Faust in den einzelnen Orten zu verbringen, wie viel Zeit wir bräuchten/ wollten? J. und ich wollten immer viel, die anderen nix. Denen hätte es vollkommen gereicht, sich alles vom Bus aus anzuschauen. Nachdem J. und ich von unseren Erlebnissen in Havanna erzählt haben, wollten die anderen dort allein gar nicht mehr hin. Das ist doch bescheuert. Apropos Andrés. Als er seinen Namen nannte, sagte er, das sei die spanische Variante von Andreas (ach?). Konsequenterweise nannten ihn die anderen nur noch Andreas hierauf. Das fand ich auch zum kotzen. Mit Wehmut haben J. und ich immer auf die andere Reisegruppe geschielt, die wohl einen ähnlichen Trip machte und auf die wir immer wieder trafen. Die waren jünger und gut drauf. *seuftz*

Pinar del Rio

Wir besuchen hier eine Zigarrenfabrik. Da werden am Tag die Massen durchgeschleust. Ich mag es ja nicht gut leiden, wen man anderen Leuten so ins Handwerk schaut und sie bei der Arbeit beobachtet. Das ist mir unangenehm. Wie die Tiere im Zoo sitzen die Arbeiterinnen und Arbeiter hinter der Absperrung, bzw. hinter Glas und drehen die stinkenden Stummel. Der Tabakgeruch ist sehr dominant und ich frage mich, ob das so gut für die Gesundheit der ZigarrenbastlerInnen ist. Wir wundern uns, dass an der Wand der Fabrik (es sind drei Räume mit alten Holztischen und Stühlen…) geschrieben steht: „Homosexualida no es peligroso“ (Homosexualität ist nicht gefährlich), finden es aber gut.  Wir lernen, dass es früher in den Fabriken Vorleser gab, die mitunter den Grafen von  Montechristo oder Romeo und Julia vorlasen. So erklären sich die Namen der bekanntesten Zigarrensorten. Wir bekommen auch einen Film vorgeführt, der uns erklärt wie der Herstellungsprozess verläuft, wie man die Zigarre richtig anzündet und raucht. Der Film ist sicherlich schon ein paar Takte älter, wir beömmeln uns über das umständliche deutsch. Unser Lieblingssatz: „Lassen Sie die Zigarre in Würde ausgehen…“ Das Örtchen bietet ein ähnliches Bild wie wir es in Havanna schon erlebt haben: der Charme des Verfalls ist allgegenwärtig. Und überall Leute, die uns fragen, ob wir Kugelschreiber abzugeben haben. Mit einem Kugelschreiber ist man anscheinend ganz vorne mit dabei in Kuba. Hätte ich das gewusst, hätte ich ein Pfund mitgebracht!

pinar fabrik

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Vinales-Tal

Ist das schön da. Schon die Fahrt dahin (die Andrés mit vielen, vielen interessanten Facts zu Land und Leuten unterfüttert) zeigt, wie schön Kubas Natur ist. So sattgrün! Es ist während der Rundreise ausnehmend gutes Wetter und die Sonne macht das ganze nochmal so schön. Ich denke mir, dass es so aussieht wie ich es mir am Amazonas vorstelle. Wir werden hier eine alte Indiohöhle besuchen. Aber erstmal fällt unser Blick auf die riesige Wandmalerei „Mural de la Préhistória“, das die Evolutionsgeschichte des Landes darstellt. Was für ein Fotomotiv!

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Die Höhle ist auch superschön und interessant und dann machen wir darin noch eine kleine Bootsfahrt. Aus der Höhle fahrend, das braune Gewässer betrachtend, fühle ich mich wirklich wie im Regenwald. Und dann stehe ich auf einmal unter einer Bananenstaude und finde das ganz großartig. Sonst kennt man die Dinger ja nur aus dem Supermarkt. Toll, toll, toll.

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vin hoehle 5

bananenstaude

Im kleinen Restaurant essen wir eine Kleinigkeit und lauschen der Musik. Es gibt, wie immer und überall „moros y cristianos“ (weißer Reis mit schwarzen Bohnen). Biggi ziert sich. Ich sage ihr, es ist lecker, es schmeckt wie Chili sin carne und dann greift sich doch zu. Dazu trinken wir leckeres kubanisches Bier. Ich Bucanero und J. Cristal. Mjamie.

bucanero

Während wir auf unseren Busfahrer warten liegen wir in der Sonne auf dem Gras und lassen uns treiben (während die anderen jammern, wo denn nur der Bus bleibt und den armen Andrés belatschern, als könnte er den Wagen herzaubern und machte es nur nicht).Dann gibt es noch einen Zwischestopp auf einer Aussichtsplattform mit einem super Blick über das Tal.

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Trotz der spackigen Gesellschaft war das ein schöner Anfang der Rundreise.

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