12 years a slave – Das muss man aushalten können

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….und damit meine ich nicht das Sklave sein aushalten können zu müssen…sondern die Gräuel in dem Film ertragen zu können.

Endlich habe ich den neuen Film von Steve McQueen gesehen (ich fiebere seit „Hunger“ jeder neuen Arbeit von ihm entgegen). Ganz schön harter Tobak. Selten zuvor habe ich erlebt, dass bei einer Vorstellung so viele Leute den Kinosaal verlassen haben. Wenn ich aufgepasst habe, waren es bestimmt 12 – 15 Menschen. Warum nur? Dieser Film hat eine aufwühlende Geschichte, starke (an den Nerven zerrende) Bilder, große Dialoge, eine tolle Ausstattung…alles gut. Eine differenzierte Ausseinandersetzung mit einem dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte. Der Farbige (ich finde solche Beschreibungen so scheiße, echt) Solomon Northup ist Mitte des 19. Jahrhunderts ein freier Mann im Norden Amerikas, als er entführt und als Sklave verkauft wird. Wie Vieh (vielleicht hört diese schändliche Behandlung von Tieren auch irgendwann einmal auf?). Verschiedene „Master“ muss er durchstehen, bevor er nach 12 Jahren und unendlich vielen Demütugungen und Torturen nach Hause zurückkehren kann.

Theophilus Freeman

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Der eiskalte Sklavenhändler Freeman (Paul Giamatti) kauft Solomon ein. Er versorgt die Nachfrage an billigen Arbeitskräften und ist dafür verantwortlich, dass Menschen wie Solomon eingefangen  und durch Prügel „gefügig“ gemacht werden. Sein Mitleid beschränke sich auf den Durchmesser einer Münze, sagt der geschäftstüchtige Unmensch auf der Sklavenauktion. Bei solchen Typen läuft es einem kalt den Rücken hinunter.

William Ford & Tibeats

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William Ford (Benedict Cumberbatch) ersteht Northup auf dem Sklavenmarkt. Eine erschütternde Szene, hier werden die Menschen (zukünftige Sklaven) vorgeführt, ihnen wird in den Mund geschaut, sie müssen springen, um ihre körpliche Tüchtigkeit zu zeigen…alles widerlich. Dann wird eine Mutter von ihren Kindern getrennt und das geht ans Herz und an die Nieren. Schlimm. Northup, jetzt „umgetauft“ zu „Platt“ kommt auf die Plantage von Mr. Ford. Im Schweinesystem ist er ein „gutes“ Los. Er begegnet Solomon mit etwas, was annähernd wie Respekt wirkt (er nennt ihn dennoch Platt, außerdem ist Solomon nunmal sein „Eigentum“). Schwierigkeiten gibt es durch den Zimmermann Tibeats (Paul Dano). Ich liebe Paul Dano. Der spielt immer schön gestörte Irre. Der rassistische Tibeats kann es nicht verdauen, dass Solomon die Arbeitsprozesse optimiert und ihn so demütigt. Es kommt zum Eklat und beinahe wird Solomon aufgenüpft. Diese Szene ist quälend lang! Sehr schlimm. Ford sieht keinen anderen Ausweg, als Solomon an den Nachbarn weiterzureichen, um für sich und seine Planatage Ärger zu ersparen.

Edwin Epps & Samuel Bass

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Der versoffene Edwin Epps (Michael Fassbender) ist das Paradebeispiel eines schändlichen Nutznießers der Sklaverei. Northup wird als Baumwollpflücker eingesetzt. Auf der Plantage ist auch die Sklavin Patsey (Lupita Nyong’o), auf die Epps ein Auge geworfen hat. Er vergewaltigt sie und sieht in ihr mehr als in allen anderen sein Eigentum, über das er argwöhnisch wacht. Sie ist seinen Launen hilflos ausgesetzt. Ihre Misshandlungen sind derart schwerwiegend, dass sie Solomon anfleht sie zu töten, was er ablehnt. Die Sklaven müssen für Epps tanzen, ihn bespaßen, für ihn arbeiten, seine Launen aushalten, ihm ergeben sein  –  das ist sehr schwer zu ertragen. Auch Epps Frau, die seiner Leidenschaft für Patsey mit Eifersucht und Verachtung begegnet, ist grausam (wer den Film gesehn hat: die Szene mit der Flasche hat mich kalt erwischt!!). Eine furchtbare Zeit für alle auf der Epps-Plantage. Als der kanadische Zimmermann Samuel Bass (Brad Pitt) auf die Plantage kommt, fasst Solomon Vertrauen zu dem liberal denkenden Mann und bittet ihn Nachricht in seine Heimat zu senden. So kann er letzten Endes heimkehren.

Uff. Was für ein Schicksal. Mir hat der Film gefallen. Gerade weil er durch lange Einstellungen zeigte, wie diese ganze Grausamkeit Alltag war. Da hängt Solomon Northup hab aufgeknüpft am Baum, während im Hintergrund die Kinder spielen, oder Wäsche aufgehangen wird. Diese Perversität zu zeigen, finde ich wichtig. Auch das er in kleineren Nebenepisoden weitere Blickwinkel zulässt, wie etwa durch Alfre Woodwards (man sieht sie viel zu selten!) Rolle als Mistress Shaw, die sich als Geliebte eines Weißen einen gewissen Lebensstandard sichert und das System auf diese Weise unterstützt/ akzeptiert. Alles so falsch. Ich hatte hier nicht das Gefühl, dass McQueen den tugendhaft-moralisierenden Zeigefinger hob und uns brachial sagen möcht: Pfui Bah, das war schlecht. Vielmehr zeigt er das wahre Geschehen, Fakten der Geschichte, aus denen man Lehren ziehen kann und sollte. Das schätze ich an McQueen einfach sehr: er hält sein Publikum nicht für dumm und schreibt ihnen vor, was sie zu denken und fühlen haben. Er gibt ihnen Anstoß und Raum dafür.

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