Reisebericht Kairo Teil 2: Ägyptisches Museum

Die Erkundung der Stadt geht ganz langsam los. Mit einem Tag im Museum. Himmel, bin ich danach vollgestopft mit Eindrücken. George und Fahrer Samuel holen mich um 9:00 Uhr in Maadi ab und dann kämpfen wir uns mit dem Auto durch bis zum Tahrirplatz. Oha. Da war ja in den letzten Wochen einiges los. Ich bin von A. und M. vorab gewarnt worden, aber mulmig war mir nicht. Es war auch harmlos, wenn man davon absieht, dass man, um zum Museum zu kommen, an einer Absperrung vorbei musste, seinen Rucksack zum passieren der Strasse durchsuchen lassen musste und an vielen, vielen schwer bewaffneten Polizisten und Militärs (inklusive Panzer) vorbeimarschierte. Natürlich darf man davon kein Bilder machen. Also nicht direkt davor. Also…gut, ich hab geknipst, aber halt am Eingang der Straße, da war das noch OK.

stacheldraht

Was für ein Bild, wenn die Jungs auf dem Panzer liegen und die Schusswaffen reinigen. Blääääääh! Mag ich nicht. Links steht die abgebrannte Parteizentrale Mubaraks.

Parteizentrale

Im Museum sind Fotos auch nicht erlaubt. Schade. Was mir hier schon das erste Mal bittersüß auffällt: Es sind so gut wie keine Touristen da. Ich habe das Museum fast für mich allein. Das ist für die ägyptische Wirtschaft bestimmt schrecklich und fatal für die Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, aber für mich ist das toll. Schlimm.

ägyptisches Museum

George führt mich herum und zeigt mir den Rosetta-Stone, mit Hilfe dessen die Hieroglyphen entschlüsselt wurden. Leider ist es nicht das Original. Das habe ich im British Museum in London gesehen. Ich lerne soviel bei jedem Ausstellungsstück, dass ich leider vieles schnell wieder vergesse, bzw. ich das alles gar nicht richtig verarbeiten kann. Wenn eine Statue beispielsweise einen aufgerollten Bart hat, entstand sie nach dem Tod des Abgebildeten. Wenn bei den Hieroglyphen die Vögelchen nach rechts gucken, muss man von rechts nach links lesen. In den Kartuschen steht der Name des Pharaos. Ramses II. war ein emsiger Bauherr und eitler Typ, denn sein Bildnis findet man überall.

Als wir dann in der ersten Etage die Schätze von Tut-ench-amun sehen flippe ich fast aus. Das kann doch alles nicht wahr sein. So viel Gold. So viel Prunk und Pomp. Und so wahnsinnig gut erhalten. Und welche Gedanken hinter den Grabbeigaben alle steckten. Ich bin unglaublich fasziniert und versuche wirklich, mir viel zu merken, was mir George erklärt. Gut, dass er Ägyptologie studiert hat. Aber die Eindrücke sind fast zu viel. Mir schwirrt der Kopf! Alles ist verziert und hat eine tiefere Bedeutung. Tut-ench-amun war dabei ein unwichtiger Pharao, der auch nicht wirklich lange regiert hat. Man kann sich kaum vorstellen, wie die Gräber der bedeutenderen Pharaos ausgesehen haben müssen. Noch dazu hatte man in Tut-ench-amuns Fall nicht viel Zeit die Grabkammer fertig zu machen. Ich glaube, es waren 70 Tage. Normalerweise wird damit ja schon begonnen, sobald der Pharao zu solchem ernannt wird. Alles ein totaler Wahnsinn! Unzählige Amphoren und Möbel und Schmuck und und und…Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Und alles ist über 3000 Jahre alt! Ich wandle fast fünf Stunden durch das Museum und kann mich kaum satt sehen. Dann geht es in den Mumiensaal, der nocheinmal 100 L.E (ägyptische Pfund, ca. 10 Euro) extra kostet. Das ist irgendwie gruselig. Die Mumien sind mitunter in hervorragendem Zustand und ich befürchte fast, dass sie gleich die Augen aufschlagen. Uah. Man kann sogar noch Haare am Kopf von Ramses II. sehen. Das ist so schwer fassbar und gruselig und wunderbar zur gleichen Zeit. Auch hier war wieder kaum jemand außer mir. Sonst muss man Schlange stehen.

ägyptisches Museum 2

Gerne hätte ich mir im Museumsshop ein Buch zur Sammlung gekauft, aber es gab gar keinen Shop. Der ist seit der Revolution komplett leergeräumt. Schade. Muss ich aber unbedingt nachholen. Ein guter Einstieg in die Stadt und in die Geschichte des Landes. Ich bin bis oben vollgestopft mit Eindrücken. Und das wird bis zum Ende meines Aufenthaltes so weitergehen.

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