Rufus Wainwright & Berlin

J. wohnt jetzt in Berlin. Das ist super. Günstig übernachten, harhar. Zwei Wochen nachdem er übergesiedelt ist, spielt Rufus Wainwright in der Apostel Paulus Kirche. Den wollte ich immer schon mal sehen. Und da ich mittlerweile öfter in der britischen (bald wieder, hurra!!!)  als in der deutschen Hauptstadt war, hänge ich noch zwei Tage dran und bummle ein wenig durch Berlin. Guter Plan!

Rufus Wainwright

Beim Musikstöbern bin ich 2011 mal über Rufus Wainwright gestolpert. Dann habeich mir das Album „Poses“ gekauft und es rauf und runter genudelt. Großartig! Mein Lieblingsalbum ist aber nach wie vor „Want Two“. Das ist eines der von mir meist gehörten Alben überhaupt. Und endlich habe ich ihn live erlebt. Wieder etwas zum abhaken! 😉 Ich bin aus dem Büro raus, direkt in den ICE, dann zu J. um Klamotten abzulegen und weiter zur Apostel Paulus Kirche nach Schöneberg.  Da hast an Stress! Als wir ankommen ist die Schlange vor der Kirche schon lang und der Einlass hat begonnen. Wir bekommen nur noch oben im Seitenschiff einen Platz. Wir können aber über die Balustrade gebeugt ganz gut sehen. Die Holzbänke sind unbequem. Quengel. Als Aufwärmer ist Halbschwester Lucy mit auf Tour. Sie singt ganz süßlich-zuckrig und es haut mich nicht um. Eigentlich quatscht sie auch mehr als sie singt („You got any questions?“). Naja. Dann kommt Rufus und setzt sich an den Flügel. Der hat ein solch stimmgewaltiges Organ, das ist der Wahnsinn. Der bräuchte eigentlich kein Mikrofon. Er macht merkwürdige Ansagen und stammelte so vor sich hin, er wirkte wie ein zerstreuter Professor. Ich höre seine warme Stimme so gern. Vor allem „Vibrate“, „The Maker makes“, „The Art Teacher“ (*seuftz!!!!*), „Gay Messiah“, „Poses“ und natürlich „Hallelujah“ haben mich dahinschmelzen lassen. Aber mein absolutes Highlight war „Candles“:

Schnief. Dass das Schwesterchen dann nochmal als Liza Minelli verkleidet auf die Bühne kommen, irgendein Männer-Pärchen Rufus Blumen überreichen und noch ein Rocky Balboa-Double mitmischen musste: geschenkt. 😉

rufus

rufus 3

Berlin

Jüdisches Museum

juedisches museum

Diesmal habe ich es endlich geschafft ins Jüdische Museum zu gehen. Was für ein Bau! Ich hatte mir vorgestellt, darin die Geschichte des Judentums fein chronologisch aufbereitet vorzufinden. Ich bin so retro. So geht Museum nicht. Besser ist das. Als erstes geht es in den Keller und ich war vom vielen nackten Beton erstmal enttäuscht. Dann ist man auf der „Achse des Holocaust“. Das ist dementsprechend beklemmend. In den Schaufenstern liegen Schenkungen von jüdischen Angehörigen. Da ist zum Beispiel ein Brief eines Jungen, den er im Zug ins KZ geschrieben hat. Wenn dann dort so ein Satz in wackliger Schrift steht wie „Mir ist alles ganz gleichgültig“ schnürt es einem die Kehle zu. Dann gibt es hier noch den „Holocaust-Turm“ am Ende des Ganges. Man stößt die schwere Eisentür auf und steht in einem hohen, dunklen Raum. Ringsum nackter Beton. Es zieht. Das ist kein gutes Gefühl, dass man dort drinnen bekommt. Im „Garten des Exils“ verhält es sich ähnlich. Der Boden ist uneben und ansteigend. Dazu hat man das Gefühl, die Stelen erschlagen einen.

In den oberen Etagen lernt man viel über den jüdischen Alltag. Über jüdische Persönlichkeiten. Über die Geschichte des Judentums in Deutschland und wie sich die Kulturen gegenseitig beeinflussten. Das war sehr interessant und es gab viel Möglichkeit der Interaktion. Das hat mir gut gefallen.

juedisches museum 6

juedisches museum 4
rabbi enten
Die Distel

Boah, das war war wirklich schlecht. Schon lange nicht mehr so übles Kabarett gesehen. Blärch! Wir wollten am Abend unbedingt noch etwas unternehmen und haben gesucht und gesucht. Bruno Ganz liest Shakespeare. Hmm, neee. Kabarett? Warum nicht? Da ist man schon in der Hauptstadt, also ganz nah dabei und könnte schön vom Leder ziehen und dann wird das so pupig. Niederschmetternd. Es geht um ein Treffen von Lobbyisten, die die Geschicke der Welt leiten. Das Programm lautete passenderweise „Wie geschmiert“. Das war aber alles so harmlos und betulich, „da hätten die Wirtschaftsbosse und Politiker im Theater sitzen können, ohne sich angesprochen zu fühlen“, so J. Jeder noch so halbwegs „anarchische“ Ansatz verlief im Sande und in der zweiten Hälfte wurde es richtig platt. Stupide Bohlenwitze und Gags über den Berliner Flughafen: gääähn. Also das war wirklich enttäuschend.

admiralspalast

distel
Nibs

Beim rumstromern bin ich auf das winzige, dafür aber umso süßere Kakaolädchen Nibs aufmerksam geworden. DOrt habe ich dann auch eine der besten Trinkschokoladen meines Lebens verkostet.  „Kakao orientalisch“, mit Ingwer, Zimt und was nicht alles. Leeeeeeeeeeeeeeeeeeecker!!! Da musste eine zweite Tasse folgen. Diesmal mit Chiliflocken. Suuuuuuupergut. Dazu ein Churro. Die Dinger haben mir in Spanien nicht geschmeckt. Hier schon. Komisch. Der kleine Laden war mitunter brechend voll. Immer wieder kamen Kinder aus der Nachbarschaft, die sich kleine Tütchen mit Schokolinsen kaufen. Wie schön.

nibs 2

nibs

nibs 3

Ansonsten war nicht wirklich viel Zeit, sodass nur Bummel durch die City möglich waren: Reichstag, Dom, Tiergarten, an der Spree entlang, Denkmal der im Nationalsozialismus verfolgten Sinti & Roma (wo asiatische Touristen sich benommen haben wie die Axt im Wald), Markthalle in Moabit, Denkmal der im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das ehemalige Tacheles, Fernsehturm, Siegessäule…der Postkartenkram also größtenteils.

spree 3

 

brandenburger torFolgender Granaten-Monolog aus der U-Bahn war auch nicht schlecht:

„Juten Tach. Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine Zeitschrift mehr anbieten kann. Die hab ich alle verkauft. Danke dafür. Für 5 Euro können Sie aber Ihre Aggressionen an mir auslassen . Mit ein paar gekonnten Tritten an meinen Körper. Vielleicht nicht gerade ins Gesicht, dafür aber in die Weichteile…Da fällt mir ein: Ich habe keine Krankenversicherung. Geben Sie mir dann besser so die 5 Euro.“

Hahha. Mensch Berlin. Ich komm‘ wieder.

Der Plan für den nächsten Besuch sieht einen Besuch in Köpenick, im Spreewald und in Potsdam vor.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s