Reisebericht Schottland. Teil 1: Edinburgh, Glasgow und St. Andrews

Ich bin so verliebt. So richtig. Schottland hat mein Herz gestohlen. Es lebt nun zwischen den grünen Hügeln im rauen Wind. Und es ruft mich zurück. Wow, wird man kitschig nach einem Urlaub in Schottland. Das waren mit die schönsten zehn Tage meines Lebens im hohen Norden des Vereinigten Königreiches. Los ging alles in Edinburgh.

it's us

Edinburgh

Wir sind mit der Schrömmel-Airline Ryanair nach Edinburgh gedüst (Weeze ist als Flughafen echt schrecklich, am A**** der Welt, da kommt man ja kaum weg, grauenhaft!!) und von dort haben wir uns ein Taxi genommen, um zu unserem Gästehaus in Leith zu kommen. Dort spielt sich die Handlung von Irvin Welsh’s Trainspotting ab (gedreht wurde aber, glaube ich, in Glasgow). Ich fand es eher ruhig und angenehm als schrömmelig, wie im Buch. Das Crioch Guest House war ein Träumchen. Das Gastgeber-Pärchen James und Dora war entzückend und es gab morgens ein superleckeres full english breakfast (ohne saussages für mich, natürlich) und sie hatten immer Zeit für ein nettes Schwätzchen und viele Tipps.

english breakfast

Unser Dreierzimmer unter dem Dach war ganz gemütlich und es gab leckere Kekse. Hachja. Mit dem 25er Bus schaukelten wir dann immer schön in die City, die uns gleich beim ersten Stadtbummel den Atem raubt. Wir steigen auf der Hauptstraße, der Prince’s Street aus, um zur Touri-Info zu gehen und uns mit Stadtplan etc. einzudecken (und über den ganzen Merchandising-Kram zu sabbern). Links von uns ist ein riesiges Gebäude mit einer großen Uhr im Dach. Wir sind platt – was für ein Bau. Es ist ein Hotel! Wow! Über das Dach des Waverly-Bahnhofs hinweg zeigt sich uns eine beeindruckende Kulisse der Stadt. Ist das schööööön!!!

Wir haben für Edinburgh drei Tage eingeplant und sind die Stadt rauf und runter gelatscht. Von rechts nach links, von alt nach neu, von hinten nach vorne. Edinburgh ist eine wahnsinnige Stadt. Als wir da sind, platzt sie aus allen Nähten, weil gleich mindestens 4 große Festivals auf einmal stattfinden. Vor allem das Fringe Festival ist komplett irre. Das Programm ist ein kiloschwerer Katalog von fast 400 (!!!!) Seiten. Unglaublich. Überall sind Performances. Ständig werden einem Flyer in die Hand gedrückt. Aber nicht einfach so. Die dazugehörige Theater-/ Tanz- oder Sangestruppe gab dann auch immer eine Kostprobe ab. Die Stadt vibriert also ganz schön im Sommer. Die Einwohnerzahl von 500.000 verdoppelt sich in dieser Zeit auch immer. Krass das alles. Ich fand’s prima. Leider waren wir abends so tot, dass wir uns kein Stück oder so angesehen haben. Schade.

Gerade die Royal Mile war immer brechend voll. Aber auf dieser Straße kann man alle 2 cm stehen bleiben, weil man etwas neues Tolles sieht. Vom Schloss bis hinunter zum Parliament habe ich mir schon die Finger wund geknipst und wir sind in die Kirchen, Shops und Museen gelatscht, als gäbe es kein Morgen mehr. Natürlich trifft man immer mal wieder auf Dudelsackspieler, für ein Pfund darf man sich mit ihnen fotografieren lassen. Wer’s mag.

Das Wetter war während unserer Stadterkundungen meistens gut. Nur als wir das Schloss besichtigten hat es geregnet. Hat mir aber auch nichts ausgemacht. Das Schloss ist schön, aber nicht mal annhähernd so wunderbar wie Stirling Castle oder die irre schönen Schlösschen in den Highlands.

edinburgh castle

edinburgh castle

Unser Guide, Frank, hat uns ganz spaßig herumgeführt. Dieser schottische Akzent ist so genial. Eine Kostprobe von Frank:

Es ist schon krass, wenn man da herumläuft, wo einst Maria Stuart untwegs war. Durch deren Lebens- und Leidensgeschichte hat man sich ja im Englisch- und Geschichtsunterricht geprügelt. Das jagt mir immer eine Gänsehaut über den Körper. Im Schloss sehen wir dann auch den stone of destiny, auf welchem die schottischen Häupter gekrönt wurden, bis die fiesen Engländer ihn geklaut haben. Elizabeth II. hat ihn erst 1996 zurückgegeben. Wenn Charles gekrönt wird, muss er allerdings zurück in die Westminster Abbey. Oder vielleicht doch nicht? Im September entscheidet sich ja, ob Schottland wieder unabhängig wird (ich wage es zu vermuten). Außerdem habe ich der Legende gelauscht, dass der wahre stone of destiny im verborgenen ruht und erst wieder ans Licht kommt, wenn Schottland wieder eigenständig ist. Wer weiß, wer weiß…:-)

Nach der ganzen Wanderung durch die Geschichte haben wir uns noch im Castle Café eine Teezeit gegönnt. So kann das Leben weitergehen.

afternoon tea

Edinburgh (Edinbrrra) ist eine sehr, sehr hübsche Stadt. Der alte und der neue (der nicht wirklich neu ist) Teil sind beide gleichermaßen ansehnlich. Ich bin gerne umhergestromert, habe die prächtigen Fassaden und Gebäude bestaunt. Die Schotten sind superfreundlich und herzlich. Das ist so erfrischend.

Ich war sogar mutig und habe vegetarischen Haggis probiert. OK, das ist jetzt gar nicht so gewagt. M. hat „echten“ Haggis gegessen und ist davon ziemlich angetan. Die vegetarische Variante mit „tatties und neeps“ (Kartoffeln und Rüben) ist super lecker.

haggis

Was weniger lecker schmeckt ist dagegen die schottische Brause Irn Bru. Die schmeckt wie ein Mix aus Fanta und Red Bull. Näää, dat is nich meins.

Ein absolutes Highlight war der Klettertrip in Holyrood. Da läuft man so die Royal Mile hinunter und auf einmal hat man das Gefühl, man sei schon in den Highlands. Natürlich mussten wir den Hügel besteigen. Es war sonnig und windig und jeder Schritt ein Genuss!

Von hier oben hatte man eine tolle Sicht auf die Stadt und auch auf den Palast der Queen.

Nach dieser Wanderung ging es gleich weiter zum Calton Hill. Auch hier wieder der von uns so heiß geliebte „alte Gammel“ (Edinburgh ist Weltkulturerbe).

Calton Hill

Ein Traum. Und zum Abschluss unserer Mammuttour spazierten wir noch über Friedhöfe und ergötzten uns an den schönen Grabsteinen. Perfekt

Wir haben uns danach noch Glasgow und St. Andrews angesehen. Dann gab es einen Ausflug zum Stirling Castle, dem Loch Lomond und einer Whisky-Brennerei, bevor wir dann eine kleine Rundfahrt durch die Highlands und die Isle of Skye gemacht haben. Bevor es dann nach Hause ging, gab es noch eine Nacht in Edinburgh. Dafür haben wir uns in einem Hostel einquartiert. Das Belford Hostel ist eine ehemalige Kirche, in die man ein paar Schlafzimmer eingebaut hat. Das sieht ziemlich abgefahren aus.

Man hat nur ein Fenster in der Zimmerdecke und sieht über sich die riesige hohe Decke des Kirchenschiffes. Wir sind an diesem Abend nach der Rundreise allerdings derart müde, dass wir von allem genervt sind. Vor allem von den Feierrussen, die auf dem Gang rumschreien. Kurz bevor ich aufstehen und mich beschweren will, ist allerdings Ruhe. Gott sei Dank. Hostels sind ja meistens nicht so prickelnd. Unser Viererzimmer war wirklich sauber und die Duschen waren auch OK. Ich kann es also empfehlen. Außerdem hat das Hostel eine enorm große Küche, in der man sich selber etwas brutzeln kann und auch die war in Ordnung (das ist ja sonst der Raum, in dem es einem schnell mal hochkommt).

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Glasgow

Mit dem Zug braucht man ca. 80 Minuten von Edinburgh nach Glasgow. Laut Reiseführer eine Stadt, die sich beträchlich gemacht habe und Edinburgh nun ziemlich den Rang ablaufe. Das stimmt definitiv nicht. Glasgow bekommt von mir das Prädikat „ganz nett“. Schlimm, ich weiß, aber es war nun einmal nett da. Mehr nicht. Und überlaufen war das, meine Güte. Als wir da sind finden nämlich die Commonwealth Games statt. Ich hätte nicht gedacht, dass das soviele Leute anzieht. Die Stadt platzte ja aus allen Nähten!

Schon am zentralen George Square steht ein Riesenzelt und die Leute stehen Schlange. Was es darin gibt? Commonwealth Merchandise. Nicht mal Ticktes, nein, nur Merch. Und die Leute kaufen und kaufen. Wir gehen in Richtung Merchant City. Dann sind wir auch schon auf den Haupteinkaufsstraßen. Wir entscheiden uns direkt zur Glasgow Cathedral zu laufen, die etwas außerhalb liegt. Da wird, als wir ankommen, gerade geheiratet und es ist uns ein Lästerfest dazusitzen und die furchtbaren, grauenvollen Outfits der Damen zu bewerten. Da wurde sich aber auch in Kleider reingeschossen, du lieber Himmel. Und ALLE, wirklich ALLE mussten Mega-High-Heels tragen. Gerne auch mal eine Nummer zu groß. Und kaum eine konnte auf den Dingern wirklich laufen, die sind gewankt und gestakselt – lächerlich! Das hat Spaß gemacht. Böse, böse. Leider war deswegen die Kirche selbst nicht zu besichtigen, dafür sind wir zur Nekropolis rüber. Das ist ein immens großer Friedhof mit vielen, vielen schönen Gruften und Grabdenkmälern. Wirklich enorm.

Zurück in der City ruhten wir uns erst einmal im Willow Tea Room aus. Gestaltet vom berühmten Designer und Architekten Macintosh. Das sah schon abgefahren aus und es saß sich auch komisch auf den Stühlen mit den super hohen Lehnen. Aber lecker war es. Und weniger teuer als befürchtet.

Gerne wollten wir auch den Wintergarten sehen, den er entworfen hat, doch dort fanden die Commonwealth Games statt und es war brutal voll. Nachdem wir uns aber gestärkt hatten, ging unser Ochsenmarsch weiter, wir wollten noch runter an den River Clyde, zum Science Center. Uff, was haben wir uns die Füße blutig gelatscht (naja, nicht in echt, aber fast).

Wir haben insgesamt ca. sechs oder sieben Stunden in Glasgow verbracht und haben uns gedacht, dass das aber auch reicht. Vielleicht tun wir der Stadt unrecht, aber so hingerissen wie von Edinburgh waren wir lange nicht.

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St. Andrews

Diese Universitätsstadt ist niedlich klein und recht adrett. Mann kann sie in vier Stunden problemlos durchlaufen. Von Edinburgh aus, fährt man mit dem Bus übrigens gute zwei Stunden hin und auch wieder zurück. Ich fand dennoch, dass es sich gelohnt hat. Die Universitätsgebäude sind bezaubernd und das Museum der Uni (welche Uni hat schon ein eigenes Museum?) ist faszinierend.

Die Traditionen aus dem Mittelalter werden heute noch gepflegt und ich finde das gut. Das hat etwas Ehrfurcht gebietendes. Kein Vergleich zu den Nutz-Unis, an denen ich studiert habe. *seuftz* Ganz wichtig: Ich bin an dem Café vorbei gelaufen, wo William seine Kate auf ein koffeinhaltiges Heißgetränk traf. Die werben richtig damit. *lach* Ach, herrlich.

Den Eintritt in die Schlossruine habe ich mir gespart, man hat von außen eine fantastische Sicht auf das Ganze. Und dann der Blick auf’s Meer: Seuftz! Und einen Steinwurf entfernt ist auch gleich wieder einer dieser tollen Friedhöfe, über die ich so gerne spaziere. Überall sind Golfshops und sogar ein Golfmuseum gibt es hier.

Diese Universitätsstädte sind aber auch eine Wucht. Oxford fand ich schon so prima und St. Andrews steht dem in Nichts nach!

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