In Mönchskutte oder im Liebestöterschlübber: James McAvoy in „The Ruling Class“ ist eine verdammte Offenbarung

Das Internet ist schon eine gute Sache. Die ganze Informationskiste mal beiseite geschoben – über diese Bloggerei hier habe ich mich mit der SingendenLehrerin zusammengerottet und zwei FORMIDABLE!!!!! Theaterstücke in London angeschaut. Kommen wir gleich zum ersten: The Ruling Class von Peter Barnes mit JamesMcAvoy. Vorweg: War das fantastisch! Ich könnte hier alles in Großbuchstaben schreiben und mit Ausrufezeichen versehen, um zu verdeutlichen, wie unfassbar toll ich das fand!

Trafalgar Studios

Vorab gab es ein paar Warnungen. Oh Nein, schon wieder ein lauter Schuss. Da hatte ich mich bei Richard III. schon so fies erschrocken!

Warnung ruling class

Spoilers ahead

Das Stück von Peter Barnes aus dem Jahre 1968 ist zum Schreien komisch und einfach bitterböse. Und es funktioniert heute so gut wie damals. Der 13. Earl of Gurney hat einen merkwürdigen sexuellen kink: er schnürt sich gern die Atemluft ab. Leider übertreibt er es hiermit und als Butler Tucker den leblosen Earl findet, ruft er aus: „One less!“ Danach geht es natürlich ums Erbe. Wer bekommt die Besitztümer des Earls, doch sicher nicht der schizophrene Sohn Jack? Das will der Bruder des Verstorbenen, Charles Gurney verhindern. Dann gibt es den famosen Auftritt von James McAvoy als Jack! In Mönchskutte und mit seligem Gesicht schockt er die erlesene und ehrenwerte Gesellschaft und die Kirche damit, dass er verkündet Gott zu sein. Ein Gott der Liebe. Er provoziert die upper class doch tatsächlich mit Aufforderungen wie „Geht und habt Sex.“ Er schläft am Kreuz. Er bricht in spontanen Gesang und Tanz aus. Er erfreut sich an der Natur. Die Versuche des Onkels Jack das Erbe zu abzuluchsen gelingen nicht (so unterschreibt Jack ein Verzichtsdokument mit „Mycroft Holmes“ – hahahahaha!), deswegen entsinnt er den Plan, seine Geliebte Grace zu Jacks Ehefrau zu machen. Ein männlicher Nachkomme soll gezeugt werden, dann Jack zurück in die Psychiatrie kommen, sodass Charles als Verwalter des Vermögens agieren kann. Doch Grace verliebt sich in Jack. Des Weiteren versucht Charles‘ Ehefrau Claire den Psychiater Dr. Herder in seinen Heilungsversuchen zu unterstützen. Als ein letzter Versuch erfolgt die Konfrontation Jacks mit einem anderen Patienten, der ebenfalls glaubt der Allmächtige zu sein, der „elektrische Messias“. Jack lässt sich daraufhin auf eine Elektroschocktherapie ein, um zu beweisen, dass nur einer (nämlich er) Gott sein kann. Pünktlich zur Geburt seines Sohnes ist der Gotteswahn Jacks behoben. Er akzeptiert wieder seinen bürgerlichen Namen. Sein Gesicht wird immer stärker zu einer harten Maske. Er geht auf die Jagd und tötet Tiere. Er ist arrogant und zynisch. Als Charles nun in einem allerletzten Versuch einen neuen Psychiater Jack untersuchen lässt, kann dieser nur einen „fellow Etonian“ in Jack erkennen. Nur: Jack hält sich nun für Frauenmörder Jack the Ripper und  das bedeutet den Tod für Gattin und Tante… Jack ist also nun perfekter Teil dieser „ruling class“.

Während der erste Teil des Stücks mich zu Lachtränen hingerissen hat, bleibt einem das Lachen zum Ende des zweiten Teiles im Halse stecken. Böse, böse. Es gibt viele ganz, ganz wunderbare Szenen mit bonmots, einige seien hier kurz wiedergegeben:

Jack: „I pick up a newspaper and I’m everywhere.“

Claire: „Then go. For Christ’s sake!“

Jack: „Don’t go for my sake.“

Jack: „Mrs. Pamela Treadwell, can you love? Can your blood bubble, flesh melt, thighs twitch, heart burst for love?“

Mrs. Treadwell: „Your Lordship, I’m a married woman.“

Jack: „Sexual perversion is no sin.“

Jack: „I married on August 28th in the year of me, 1961.“

Jack: „I was trying to do what’s expected. I recall it’s a sign of normalcy in our circle to slaughter anything that moves.“

ruling class

ruling class

Es war ein solcher Genuss zu sehen, wie James McAvoy da über die Bühne wirbelt. Mit diesem unglaublich treuherzigen, offenen Gesicht zu Beginn. Wie er von der Liebe predigt, auch von der Körperlichen. Also mich hat er bekehrt (*hüstel*). Und wenn er singt und tanzt oder auch mal in ’nem schönen weißen Schlübber Einrad fährt, kann man nicht anders, als restlos begeistert zu sein! Und eines muss hier noch erwähnen, habe ich der SingendenLehrerin ja versprochen. Wir saßen in Reihe drei, also sehr nah dran, was mein Anschmachtherz zum Beben gebracht hat. Aber Gott sei Dank saßen wir nicht in der ersten Reihe, da wäre bestimmt der ein oder andere Speichelregeln auf uns niedergegangen. Klar, jedem Schauspieler fliegen mal ein paar Tröpfchen aus dem Mund, aber Herr McAvoy hat sich in dieser Angelegenheit sehr verausgabt. Für mich heißt er jetzt James „The Spit“ McAvoy. Wirklich, der hat die Bühne getränkt! Einmal hat sogar ein Kollege auf der Bühne etwas pikiert geschaut, als ihm da die Flüssigkeit auf die Klamotten tropfte. Hähähähähä.

Wir sind dann noch zur Stage Door und ich habe den schnuckeligen Schotten geknipst. Er hat dann auch noch gezeigt, dass er ein fantastischer Zeichner/ Maler und Anhänger der Abstrakten Kunst ist, denn er hat mir irgendein kryptisches Zeug in mein Stück gekrakelt. Soll wohl seine Unterschrift sein. 🙂

James

Autogramm von James

Hach, er ist einfach so goldig. Ja, schwärm, schwärm, schwärm. Das kann ich nicht unterdrücken. Es war ein großartiges Stück mit einem tollen Ensemble und einem [Superlativ hier einsetzen] McAvoy und ich würde mir so sehr wünschen, dass das Mal bei NTlive in die deutschen Kinos käme. Soll aber wohl nicht sein. Sehr schade. Ich will das nochmal sehen, es war zu gut!

2 Gedanken zu “In Mönchskutte oder im Liebestöterschlübber: James McAvoy in „The Ruling Class“ ist eine verdammte Offenbarung

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