Nahe dran statt nur dabei – beim Blutbad von „A view from the bridge“

Theater, Theater – der Vorhang geht auf…

Nur, dass wir diesmal nicht im Zuschauerraum sitzen, sondern auf der Bühne des Wyndham Theaters. Au Weia! Über dem Minimalset stülpt sich ein grauer Kubus und wir sitzen in einigen wenigen Reihen rechts und links von der Bühne. Während im Zuschauerraum noch gewuselt wird, sitzen wir schon ganz gespannt und sind ganz wuschig, weil wir so unmittelbar nah dran sind. Wir könnten die Schauspieler anfassen. Ich bin regelrecht in Panik, dass mein Handy losgehen könnte und ich hier alles ruiniere und versichere mich ein paar Mal, ob ich es auch wirklich ausgemacht habe. Eine weitere Befürchtung: Hoffentlich muss ich nicht niesen. Wie peinlich wäre das denn? Dann hebt sich der Kubus und es wird Zweit für die volle Packung Familiendrama nach Arthur Miller mit Mark Strong. Yeah!

wyndham

spoilers ahead!

Arthur Miller – das heißt „bye bye American Dream“ und so ist es auch in diesem Stück von 1955. Wir treffen auf Eddie Carbone (Mark Strong), einen Hafenarbeiter aus Brooklyn. Auf seine Frau Beatrice (Nicola Walker) und seine Nichte und zugleich Ziehtochter Catherine. Für die italienischen Einwanderer geht Familie über alles. So ist es auch keine Frage, dass Marco und Rudolpho (Beatrice’s Cousins) aus dem wirtschaftlich gebeutelten Italien bei ihnen (illegal) unterkommen. Marco will in Amerika Geld verdienen, um seine Familie in der Heimat zu unterstützen (eines seiner Kinder leidet an Tuberkulose) und nach ein paar Jahren wieder zurück in seine Heimat. Rudolpho will in den USA sein Glück versuchen, er will Amerikaner werden. Rudolpho ist Eddie sofort ein Dorn im Auge, da er ihn als „unmännlich“ empfindet. Er ist blond, er singt und tanzt. Immer wieder sagt er „Something’s not right with him. He sings!“ Er hat die Befürchtung Rudolpho sei homosexuell. Als er dann auch noch beginnt mit Eddies Nichte auszugehen, sieht Eddie rot. Er befürchtet, dass er Catherine nur benutzt, um an eine Aufenthaltsgenehmigung zu kommen. Er steigert sich immer weiter in seine Abneigung und Paranoia und bringt sich so immer weiter ins Abseits. Als Rudolpho und Catherine heiraten wollen, will er beweisen das Rudolpho schwul ist, indem er ihn küsst. Als Eddie daraufhin auch seine Nichte küsst, wird noch einmal mehr deutlich, dass die Beziehung zu ihr keine normale Onkel-Nichte-Beziehung ist. Es kommt soweit, dass Eddie die Verwandschaft denunziert und so deren Ausweisung bevor steht. Marco spuckt Eddie ins Gesicht und nimmt ihm somit seine Ehre. Bevor es zum Abschiebungsprozess kommt, sind die Cousins frei und Marco sinnt auf Rache. Er ersticht Eddie vor Familie und Nachbarschaft.

Photo by Jan Versweyveld (c) Young Vic Theatre

Phoaw, das war eine gute Packung Drama und Mark Strongs „death stare“ lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

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Photo by Jan Versweyveld (c) Young Vic Theatre

Eines muss ich hier noch einschieben, WIE KONNTE ICH DAS NUR VERGESSEN?? Zu Beginn dürfen wir minutenlang zuschauen, wie Mark Strong mit nacktem Oberkörper auf der Bühne steht und sich wäscht! Das war ein Einstieg. Es war dann schon schwer den Worten des anderen Schauspielers zu folgen, wenn man diesen SEHR (*hust* *rotwerd*) ansehnlichen, durchtrainierten Körper so nah vor sich hat. Sorry, aber dieser Laut muss jetzt sein: Rrrrrrroaaaar!

Er hat mich wirklich begeistert. Wie dieser Mann sämtliche Bodenhaftung verliert, ist tragisch, lässt mich aber auch mit dem Kopf schütteln. Wie kann man seine Ehrvorstellung so krampfig vor alles stellen und offenen Auges ins Verderben rennen. Eddies Zeit ist lange abgelaufen, bevor er die beiden Cousins ankommen. Er ist die Generation, die dem Neuen weichen muss und das nicht akzeptieren kann. Andere Lebensentwürfe kann er nicht nachvollziehen und der „Verlust“ seiner Nichte macht ihm  zu schaffen. Eine langsame, schmerzhafte Geschichte eines Untergangs.

Ich fand das Stück ganz prima. Ich war gefesselt. Ich werde es mir auf jeden Fall im Kino anschauen, im Rahmen von NTlive. Es war so großartig (auch wenn das Kunstblut ganz furchtbar gerochen hat!) !

Auch hier waren wir an der Stage Door und mit  uns nur 10-15 Leute. Mark Strong war so unglaublich entspannt, ich war sofort hingerissen.

mark strong

mark strong

Er hielt auch kurze Schwätzchen mit den Leuten. Ich wunderte mich noch, dass eine Frau ihn ansprach mit „Bravissimo Giuseppe“, wo er im Stück doch Eddie hieß. Marco Giuseppe Salussolia – so heißt Mark Strong in echt, lerne ich dann später. Er ist halb Italiener, halb Österreicher. Das erklärt auch, dass er sich auf deutsch bedankt hat beim Autogramme schreiben. Hach, der ist sehr sympathisch!

Mein Autogramm (in GOLD!) auf dem Programm! 🙂

10 Gedanken zu “Nahe dran statt nur dabei – beim Blutbad von „A view from the bridge“

  1. Du hast ja ganz verschwiegen, was für einen geilen Körper der bald 52-Jährige hat! 😉 Irgendwie scheint das „in“ zu sein, dass sich die Männer auf der Bühne waschen; Richard Armitage tat das auch in „The Crucible“. Och, hab ich nix dagegen! 😀

      1. Da kannste gleich noch ein paar Tippfehler ausbessern… 😉

        Witzig übrigens, dass du dir Sorgen wegen Niesens gemacht hast – da hatte ich ja überhaupt keine Bedenken!

  2. Awww, wie genial, danke für diesen Bericht. Ich bin gerade ein ganz klein wenig neidisch…Mark Strong ist so ein großartiger Schauspieler und wenn ich den deutsch reden höre, kriege ich total weiche Knie 🙂

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