Liebe Marge Simpson, lieber Albert Camus…Letters Live in London

Habe ich ein Glück. In London Holborn hat es nämlich heute gebrannt. So ein Glück. Heute und nicht gestern. Heute fällt nämlich die Vorstellung „Letters live“ in der Freemason’s Hall in Holborn aus. Gestern bei der Premiere war noch alles gut. Sogar sehr gut. Und ich war dabei. Es war ein Vorleseträumchen! Fotografieren war streng verboten, deswegen habe ich das mal anderen überlassen:

danish cumbercollective
(c) danish cumbercollective tumblr
londonphile
(c) londonphile tumblr
Juliet Stevenson via Letters Live on Facebook
Juliet Stevenson via Letters Live on Facebook

Ich bin leider gerade auf dem Sprung, deswegen wird das hier nicht besonders ausführlich. Nur soviel: Die Location allein hat schon gelohnt. Was für ein Gebäude!

freemason's hall

Bevor aus den Briefen gelesen wurde, gab es immer eine kurze Einleitung aus dm Off, was ich gut fand. Unterbrochen wurden die Lesungen von Musikstücken von Tom Odell. Das ist der hier:

Seine Version von Nick Caves „love letter“ war bezaubernd. Das hat mir sehr gefallen. Gelesen haben an diesem Abend: Benedict Cumberbatch, Louise Brealey, Tobey Jones, Russell Brand, Juliet Stevenson (sie war GROSSARTIG!!), Caitlin Moran, Sally Hawkins, Richard Holloway und noch ein guter Typ mit Vornamen Adam, dessen Nachnamen ich vergessen habe und auch google konnte mir hier nicht weiterhelfen. Matt Berry. 🙂 Gerade er las einen saukomischen Brief eines Musikers, der in einem Brief auf die Zusendung eines Albums mit Saxophon-Freejazz aus Schweden antwortet: „The noises you got out of an musical instrument…i can’t believe it. I DON’T UNDERSTAND.“ Hahahaha, der muss die Musik auf der CD echt gehasst haben. Selbiger Typ las auch einen Brief des South Park-Machers Trey Parker, der auf der Facebook-Seite „Letters of note“ zu finden ist:

Here is our new cut of the South Park movie to submit to the MPAA. I wanted to tell you exactly what notes we did and did not address.

  1. We left in both the „fisting“ and the „rimjob“ references in the counselor’s office scene. We did cut the word „hole“ from „asshole“ as per our conversation.
  2. We took out the entire „God has fucked me in the ass so many times…“ It is gone.
  3. Although it is not animated yet, we put a new storyboard in for clarification in the scene with Saddam Hussein’s penis. The intent now is that you never see Saddam’s real penis, he in fact is using dildos both times.
  4. We have the shot animated that reveals the fact that Winona is not shooting ping-pong balls from her vagina. She is, in fact, hitting the balls with a ping-pong paddle.
  5. We took out the only reference to „cum-sucking ass“ in the film. It was in the counselor’s office and we took it out.
  6. We left in the scenes with Cartman’s mom and the horse as per our conversation. This is the one joke we really want to fight for.

Call with any questions.

Matt

P.S. This is my favorite memo ever.

Ich habe so gelacht. Als aber Richard Holloway den Brief einer Witwe an ihren verstorbenen Mann vorlas, hat es mir die Tränen getrieben. Das war soooo traurig, sie müssen sich sehr geliebt haben und das auf eine so unkitschige Weise, ich habe wirklich geschluchzt! Manche Briefe waren lang (Sally Hawkings hat mich fast zum eindösen gebracht bei ihrem Brief von Cassandra Austen an ihre Cousine zum Tode Jane Austens, war das laaangweilig!), manche sehr kurz (Eric Idle an John Major, die beide am gleichen Tag Geburtstag haben, der eine ist halt der Typ, bekannt für den Nudge Nudge Sketch, der andere ist ein Premierminister. Idle hoffe, darüber sei der PM nicht so enttäuscht, hahahah). Begeistert hat mich Juliet Stevenson, die das mit den Stimmen echt drauf hat. Ihre Darbietung von Katherine Hepburn (in einem Brief an den verstorbenen Spencer Tracey) war unübertroffen. Auch ihre Marge Simpson (in einem Brief an Barbara Bush!!) war genial. Die kann was! Süß waren Cumberbatch und Brealey als Chris und Bessie, die heiße Liebesschwüre in Kriegszeiten in ihren Briefen austauschten. Cumberbatch las auch einen Brief von Nick Cave (und bei aller Liebe, aber das mit dem Aussie-Akzent sollte er sein lassen!) und einen von Albert Camus an seine ehemalige Lehrerin, die ihn sehr geprägt habe. Caitlin Moran las einen Brief an ihre Tochter im Falle ihres Ablebens. Sehr spaßig (nachzulesen hier).

Das war ein wunderschöner Abend in beeindruckendem Ambiente. Da wurde mächtig auf meiner Gefühlsklaviatur gespielt. Die Briefe waren lustig, traurig, wütend, nachdenklich, bizarr, herzlich. Einfach gut.

Ich war in so guter Stimmung danach, dass ich mich sogar mit meinem Programmheft, das übrigens sehr schön ist mit Vorworten, Schreibtipps, Artwork und einigen Beispielbriefen, an die „Stage Door“ gestellt habe. Außer mir waren da noch ca. 30 Leute. Alles ganz gesittet, ganz ruhig, aber Cumberbatch und Co haben sich durch einen anderen Ausgang davongestohlen. Schade.

Wie sich die Briefe so anhören, kann man hier nachvollziehen:

PS Am 20. April um 14:15 (UK time) kann man den Briefen zwischen Chris und Bessie, gelesen von Cumberbatch und Brealey auf Radio 4 hören!

10 Gedanken zu “Liebe Marge Simpson, lieber Albert Camus…Letters Live in London

  1. Loo ist toll! Ich konnte sie bisher 2 x im Theater bewundern: im Gate Theatre in Trojan Women – da war sie ganz nackt! Und in The Herd im Bush Theatre – da habe ich sie anschließend auch getroffen und sie hat sich sehr viel Zeit genommen.

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