Gesehen: „Tom Felton meets the superfans“

tom felton

Ich gehe ja demnächst zur Sherlock Convention, dem Inbegriff der (Sherlock) Fankultur. Ich winde mich seit dem Ticketkauf zwischen Vorfreude und Vorab-Scham hin und her. Ist das nicht peinlich? Andererseits macht es vielleicht auch Spaß? Finden die Darsteller und Macher die aufgescheuchten Mädels nicht lächerlich? Andererseits ist es doch spannend die Menschen von der Mattscheibe live zu sehen. Ach, ich weiß auch nicht. Und dann habe ich im TV noch eine Doku über Superfans gesehen. Tom Felton, Draco Malfoy in den Harry Potter Filmen, spürt (seinen) Fans nach und versucht ein wenig Licht ins Leben von sehr engagierten Fans zu bringen. Sind die nun ein bisschen irre oder total harmlos? Schiebt man sie in die Ecke von Stalkern oder ist das ungerecht?

Tom Felton wäre mir jetzt nicht als jemand eingefallen, der die Massen in Scharen hinter sich herzieht. Zumal er doch so jung war, als das alles mit Ruhm und Rummel anfing. Und aus wirklich anderen Rollen kenne ich ihn nicht. Egal. Jedenfalls gibt es auch für ihn eine Fanbase aus Harry Potter Freaks, die ihm mitunter hinterher reisen. Da ist vor allem eine ältere Frau, Tina, die für ein Foto mit ihm an roten Teppichen steht, recherchiert, auf welchen Events er sein könnte, um ihn dort „abzufangen“. Felton ist das unangenehm und es macht ihn beklommen. Was hat diese Frau davon, dass er für ein paar Sekunden durch ihr Leben huscht? Das ist mir auch ein Rätsel. Und: Ich würde nie nach einer Umarmung fragen, ich finde das wirklich … merkwürdig.

Tom Felton, der in dieser einstündigen Doku auch Regie führte, geht an das Thema sehr behutsam ran und sucht den Kontakt zu diesen Fans. Einer, Steve,  sieht aus wie Harry Potter, tätowiert sich Autogramme in die Haut und hat seine Behausung mit Memorabilia vollgestopft. Das ist verrückt. Oder nennen wir es verschroben. Felton macht sich nicht lustig. Er lässt die Fans zu Wort kommen und alle sagen das gleiche: Wir machen das, weil es uns Spaß macht und weil es Platz in unserem Leben einnimmt, der sonst leer wäre. Ein Mädchen sagt, dass das Fan-Sein ihr geholfen habe eine schwere Zeit (Depression) zu überstehen. Das liest man ja auch öfter. So weit, so gut. Man kann es auf der einen Seite belächeln, man sieht aber auch den gigantischen Markt dahinter. Diese ganzen Conventions sind gewaltige Gelddruckmaschinen. Da lacht dann keiner über die Menschen, die sich einen Reibach zurecht scheffeln. Auf eine eben solche Convention (ich glaube, es ist San Diego) begibt sich Felton und zeigt die ganzen Cosplayer in ihren Kostümen ohne sie ins Lächerliche zu ziehen.

Ich habe ja auch Freude an Unterhaltung. Ich war auf der Moritzburg, wo der beste Weihnachtsfilm der Welt gedreht wurde: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Ich habe Benedict Cumberbatch bereits dreimal live erlebt und das jedes Mal genossen. Ich finde es jedes Mal prima Leute, die man von der großen Leinwand kennt, auf der Theaterbühne zu sehen. Ich bekomme aber jedes Mal einen dicken Kloß im Hals und ein Drücken im Magen, wenn es um Stage Door geht oder um arrangierte Foto-Shootings. Ich fühle mich dann immer, als würde ich den Leuten zu nahe kommen und sie belästigen. Was ja anscheinend auch in gewissem Maße stimmt, so wie Felton es beschreibt. Auch wenn es von beiden Seiten als ungeschriebenes Gesetz gilt, dass so etwas „einfach dazu gehört“. Aber warum? Warum sollte es „dazugehören“, nachdem man auf der Bühne gearbeitet hat, danach noch in unzählige Kameras zu grinsen und sich, wie ein Kumpel, neben lauter fremde Leute zu stellen? Und was hat man davon?

Ich werde das erste Mal in meinem Leben so eine Foto-Geschichte mitmachen und wahrscheinlich aussehen, wie ein paar ausgetretene Turnschuhe, weil ich mich so befangen fühlen werde. Andererseits: Näher kommt man den Darstellern ja nicht, als bei diesen Gelegenheiten. Aber richtige „Nähe“ ist das wiederum ja auch nicht. Da wird man dann nach der Reihe abgefrühstückt und mehr außer „hello“ und „thank you“ hat man dann auch nicht miteinander gesprochen.

Felton stellt in seiner Doku fest, dass dies vielen Menschen aber durchaus reicht, ihnen sogar viel bedeutet. Zumindest in diesem Moment. Er interviewt seine Potter-Kollegen und auch diese haben ein weitestgehend entspanntes Verhältnis zu ihren Fans. Daniel Radcliffe findet gute Worte. Er kann verstehen, dass Leute seine Rolle als Harry Potter gut finden und sich, wie auch immer, mit diesem Part identifizieren. Was er aber gar nicht mag und wo er sofort dicht macht, ist, wenn Leute sich in sein privates Leben drängen, ihm hier auch zu folgen versuchen. Das sollte jedem klar sein, aber gut, dass er das noch einmal deutlich formuliert. Radcliffe sagt auch so etwas Schönes wie: „Ist doch harmlos, wenn man besessen ist von Büchern oder Filmen. Andere nehmen Drogen, um sich gut zu fühlen.“

Ich fand die Dokumentation gut, weil sie viel Verständnis gezeigt hat. Für beide Seiten. Nichtsdestotrotz wirkt diese Art des Fan-Daseins auf mich befremdlich.

Wer die Doku anschauen möchte, sie ist im BBC iPlayer zu finden, ich weiß allerdings nicht, wie lange noch.

 

8 Gedanken zu “Gesehen: „Tom Felton meets the superfans“

  1. Oh interessanter Artikel – habe gar nichts von der Doku gewusst, habe aber richtig Lust mir die anzuschauen. Werde das möglichst bald nachholen.
    Allerdings habe ich im ersten Moment nicht so ganz gecheckt, dass dein Artikelname der name der Doku ist und war die ganze Zeit während des Lesens etwas verwirrt, weil ich nicht wusste wo man die schauen kann.

    1. Danke für den Hinweis, habe meinen Titel jetzt etwas abgeändert…:-)
      Wie geschrieben und verllinkt ist die Doku noch im iPlayer der BBC zu finden, ich kann sie empfehlen

  2. Danke, super interessanter Beitrag, das hat mich schon immer interessiert, wie die Stars und Sternchen den ganzen Rummel eigentlich sehen!
    Allerdings sagt der Link:
    BBC iPlayer TV programmes are available to play in the UK only.
    Gibt es noch eine andere Möglichkeit das anzuhören?

  3. Ha, dann werde ich nicht der einzige linkisch dastehende, leicht deplatziert wirkende Mensch auf der Sherlock-Con sein 🙂

    Die Doku hat mir ganz gut gefallen, zumindest war es ein erfreulicher Unterschied zur sonstigen Berichterstattung über Fans. Auch wenn mir die Hingabe der dort gezeigten Fans fehlt, stört es mich, wie häufig sie als lächerlich dargestellt werden. Fußballfans hingegen mögen randalieren, prügeln, etc. – sie werden als ernstzunehmende Gruppe betrachtet. Besonders, wenn sie ihrem Verein zu jedem Spiel hinterher reisen, die volle Kluft tragen, unter der Woche in der Vereinskneipe aufzufinden sind und ihr zu Hause in den entsprechenden Farben dekoriert haben. Wo ist der Unterschied? Vielleicht dann doch in der überwiegenden oder zumindest ursprünglichen Geschlechter-Aufteilung?
    Und liegt in der meist abklassifizierenden Berichterstattung mit ein Grund, warum wir uns in zweieinhalb Wochen unbehaglich und aufdringlich fühlen werden?

    Auf jeden Fall und trotzdem: auf ein erlebnisreiches Londoner Wochenende 🙂

  4. Ah, schöner Artikel und interessante Doku.

    „Ich bekomme aber jedes Mal einen dicken Kloß im Hals und ein Drücken im Magen, wenn es um Stage Door geht“ -> War dir das so unangenehm mit James und Mark? Jetzt hab ich ein ganz schlechtes Gewissen…

    Als jemand, der schon auf etlichen Conventions war, allerdings nur in Deutschland (Ringcon und Fedcon), muss ich sagen, dass wirklich die allermeisten Fans total harmlos sind, und die Stars und Sternchen meistens total beeindruckt sind, wie höflich die europäischen Fans sind. Sonst würden auch nicht Jahr für Jahr so viele Gaststars (wieder) kommen. Klar, reizt auch das Geld, das sie dafür bekommen, aber die meisten wissen genau, was sie an den Fans haben. Ohne die Treue der Fans – oft WEIT über das Serienende hinaus – hätten sie nicht den Erfolg gehabt und würden sie nicht immer noch auf Conventions eingeladen. Was ich persönlich auch immer toll finde, das sind die vielen Fans, die unglaublich viel Zeit und Mühe in das Schneidern von Kostümen oder in Artwork stecken – klar, ist das schon ein bisschen verrückt, aber was Radcliffe sagt, finde ich auch. Es gibt wirklich schlimmeres! Klar, manche übertreiben es auch und reisen von Convention zu Convention. Aber solange sich niemand in Schulden stürzt, finde ich es nicht viel anders, als wenn, wie Fufi schreibt, Fußballfans ihrem Club hinterherreisen, zur WM nach Brasilien fliegen, oder Theaterfans nach London fliegen, um sich jeden Abend ein anderes Stück anzusehen. 😉

    Natürlich gibt es Fans, die übergriffig werden, und ich glaube, die Amerikaner sind da manchmal etwas weniger respektvoll (so habe ich das auf jeden Fall auf der Fedcon immer mal gehört), aber das Gros der Fans, die ich erlebt habe (me included), ist einfach glücklich und dankbar, mal so einen Mini-Moment der persönlichen Nähe zu erleben.

    1. Naja, ich fühle mich halt vor der Stage Door wie eine Bittstellerin. Wenn ich dann sehe, wie im Falle Mark Strong, dass das alles ganz relaxed abläuft, finde ich es schon OK. Aber bei Martin Freeman und auch bei McAvoy, wenn dagedrängelt wird, wenn das so ein kleiner Auflauf an Menschen ist, finde ich das unangenehm.
      Ich habe ja auch viel Spaß mir bspw. ein tolles Theaterstück mit einer bekannten Nase darin anzusehen. Der Moment an der Tür und das Autorgrammebitten ist aber schrecklich. Wenn ich aber nicht an die Tür gehe und hinterher die vielen Fotos von Leute sehen, die sich mit dem Star des Abends alichten ließen, bin ich manchmal etwas neidisch. Vielleicht habe ich in diesem Punkt einfach noch zu wenig „Arsch in der Hose“.

      1. Ich sehe das ein bisschen anders. Na gut, die Bitte, ein Foto machen zu dürfen – dazu musste ich mich ja auch überwinden, da fühlte ich mich auch als „Bittstellerin“; und das hat mich auch im Vorfeld schon gestresst. Aber grundsätzlich finde ich, dass „Stagedooring“ in Grunde genommen nochmal der Ausdruck der Wertschätzung gegenüber dem Künstler ist. Also, deswegen ist es mir auch immer wichtig, ein paar persönliche Worte zu sagen, die zeigen, dass ich die LEISTUNG anerkenne. Ich würde nie schreien „I love you!“ oder „You’re so hot!“, sondern würde das immer auf die Arbeit beziehen, die der- oder diejenige geleistet hat. Deswegen hätte ich ja gerne auch Autogramme von den anderen Schauspielern ergattert, die aber wohl einfach davon ausgingen, dass sich für sie eh niemand interessiert.

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