Pendler Tagebuch I

Ich pendle seit geraumer Zeit mit der Straßenbahn zur Arbeit. Was anfangs noch ganz in Ordnung war, entwickelt sich in der letzten Zeit zu einem echten Albtraum. Du erlebst die krudesten Dinge im ÖPNV. Ich halte sie hier einfach mal fest. Wenn ich nicht jedes Mal mindestens drei Nahtoderfahrungen zu überstehen hätte, würde ich mit dem Fahrrad fahren, auch wenn der Arbeitsweg dann länger ist.

Was ich vorab schon alles erlebte:

  • kopulierende Mitfahrer
  • onanierende Mitfahrer
  • streitende Mitfahrer
  • die Morgentoilette in der Bahn erledigende Mitfahrer (Haare kämmen, Nägel knipsen, Schminke auftragen, eincremen etc.)
  • Frühstück/Mittagessen/Abendbrot verzehrende Mitfahrer
  • LAUT telefonierende Mitfahrer (und was man da immer für Geschichten mitbekommt)

Die schlimmsten/ schrägsten Momente (bis jetzt):

  • Eine Frau mit einem Kinderwagen fuhr eine Gans darin spazieren
  • Als ich in die Bahn stieg, wunderte ich mich, dass dieses Abteil so leer war und alle anderen so voll. Schnell wurde klar warum: Ein stark angetrunkener Mann lag auf einem der Sitze und hatte sich vollständig eingekotet. Diesen Gestank kann man sich nicht vorstellen!
  • Ich habe in einem Zug gesessen, vor den sich ein Mensch geworfen hat. Als wir auf freier Strecke dann in einen anderen Zug umsteigen mussten, habe ich den Fehler gemacht und nach vorne, zur Lok, geschaut. Die Polizei war mit den Sichtschutztüchern nicht schnell genug da. Seitdem weiß ich wie ein Mensch (oder was von ihm übrig ist) nach so einem Selbstmord aussieht.
  • Ein anderes Mal bin ich mit dem Zug an „Aufräumarbeiten“ nach so einem Vorfall vorbeigefahren, da wurde eine Leiche gerade in einem Sarg weggeschleppt.
  • Ein junges Mädchen saß mir mit ihrem Freund gegenüber und sie war etwas „langsam“ und sprach sehr nasal. Jeder Satz wurde eingeleitet mit „Daniel…“ Der gute Daniel bemerkte dann etwas Schorf im Gesicht des Mädchens. Sie zog sich die Kruste einer Wunde ab, das blutete wunderbar und warf dann diese Hautschicht vor meine Füße, während sie ihr Blut mit den Fingern verrieb. Beide haben sich dann geküsst, während ich meinen Würgereiz unterdrückte und Richtung Tür gesprintet bin.
  • Eine ältere Frau ist mal im Zug in Ohnmacht gefallen.
Foto: dpa
Foto: dpa

Hier dann mal das erste Erlebnis meines zukünftigen Pendlertagebuchs.

Nach der Arbeit stehe ich, froh nach Hause zu fahren, am Bahnsteig und warte. Dann höre ich komische Laute: „Mnääääüää“ und dazu unverständliches Gebrabbel. Ich drehe mich um und eine UNFASSBAR betrunkene junge Frau wankt vor sich hin, gestützt von ihrem Freund. Der scheint nüchtern zu sein. Ihre Laute klingen gar nicht mehr menschlich. Ihr Gesicht ist ganz rot und sie schreit „Bwääääääsdflvgfalfhlgfröeggvä“. Wirklich, diese unmenschlichen Laute fand ich gruselig. Und auch irgendwie eklig. Dann kann sie nicht mehr stehen. Ich überlege einen Krankenwagen zu rufen, als eine andere Passantin eben dies anbietet. Der Freund der Frau lehnt ab und raunzt seiner Freundin entgegen: „Das war’s. Kein Alkohol mehr.“ Ja, prima. Hätteste das mal vor 3 Promille zu ihr gesagt. Die Frau liegt auf dem Boden wie ein Käfer auf dem Rücken. Der Freund und noch ein anderer Helfer heben sie hoch, dann kommt meine Bahn. Sie steigen nicht mit ein in die furchtbar vollgestopfte Bahn, in der es schrecklich nach vielen Menschen und deren Ausdünstungen riecht. Feierabend beginnt erst in der eigenen Wohnung, keine Sekunde früher.

 

Der ÖPNV ist die beste Motivation sich ein Auto zuzulegen. Ich spiele wirklich  mit dem Gedanken.

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