Paddeln auf der Niers aka paddling in the rain

Ich finde Gutschein-Geschenke blöd. Sind Sie für den Einzelhandel zeugt das von mangelnder Kreativität und auch für Faulheit (Hier kauf dir selbst was Schönes). Sind sie, wie in diesem Falle, für ein „Event“, das man „irgendwann mal machen“ kann, muss man als Beschenkter immer hinterher sein, dass das Dingen auch einmal eingelöst wird. Das hat mit meinem „Paddeln auf der Niers“-Gutschein jetzt drei (!!!) Jahre gedauert.

Nun also, drei Jahre und einen Monat nachdem ich dieses Geburtstagsgeschenk erhalten habe, machen wir uns auf an den Niederrhein, um ein wenig auf der behaglichen Niers zu schippern. In der Nacht hat es ordentlich geregnet. Oh-oh. In Kevelaer werden wir erst einmal daran erinnert, dass wir in einem  Wallfahrtsort sind.

Dann steigen wir in unsere Kajaks und stochern uns in Richtung Goch.

Gut 5,5 Stunden auf dem Wasser liegen vor uns. Uff. Um uns herum schöne Natur. Ein kleines Highlight: Eine Entenfamilie macht auch einen Sonntagsausflug und sie begleitet uns eine Weile. Die hatten überhaupt keine Scheu und keine Angst vor dem Paddel. Wie süß!

Mein Steuermann liegt halb im Boot und hat keine Ahnung, was er da mit den Paddeln eigentlich macht. So fahren wir die ganze Zeit Zick-Zack und immer wieder in die Uferböschungen. Das ist am Anfang noch ganz spaßig, aber dann nervt es, weil man kaum vorwärts kommt. Immer wieder muss ich rufen: „Rechts! REEEECHTS!!!!!!, jetzt links. NEIN, LIIIIINKS!!!“, damit der STEUERMANN uns nicht wieder in die Büsche manövriert. Wenn man auf dem vorderen Platz dann das Kajak aussteuern muss, geht das tierisch in die Arme. Dann fängt es an zu plästern. Unsere Klamotten jenseits der Regenjacke sind dann schnell nass. Hrmpf. Da es aber sonst recht warm ist, ist das nicht so schlimm. Das unkoordinierte Gepaddel allerdings schon. Zu einem Zeitpunkt fährt der Steuermann links, ich rechts. Als ich dies feststelle sage ich: „Merkst du, dass wir gegeneinander arbeiten?“ Er: „Jaaa…“ Wieso macht er das dann? Ich habe hinten keine Augen, er muss das doch merken. Wirklich, das hat mich wahnsinnig gemacht. Die anderen meinten, man hätte aus unserem Boot immer nur mich gehört, wie ich keife. *lach* Das habe ich aber auch nur gemacht, weil das für mich einfach einen wahnsinnigen Kraftaufwand dargestellt hat, um vorwärts zu kommen und die Richtung auszuloten. Himmel hilf. (Resultat sind am Tag danach übrigens Blasen an der Daumenwurzel.)

An einem Wehr in Weeze müssen wir aussteigen und diese Pause ist sehr willkommen. Schnell schieben wir uns ein paar Snacks rein und füllen die Akkus wieder auf. Wir überlegen, ob wir die komplette Tour durchziehen oder aufgrund des Wetters an einer früheren Stelle aufhören. Wir wollen das unterwegs entscheiden. Dann geht das Gestrauchel weiter und wir verpassen einen Anleger. Danach müssen wir eine laaaange Strecke bis zum nächsten zurücklegen und es fängt stark an zu regnen. Wir sind nass bis auf die Knochen. Die Feststellung das der Regen kälter ist, als die Niers, macht uns nicht gerade glücklich. Als wir endlich den nächsten Ausstiegspunkt erreichen ist da ein ganz schöner Andrang.

Wir ziehen uns und die Boote aus dem Wasser und zittern. Da unsere Autos am Endpunkt der Tour stehen, rufen wir ein Taxi, das uns dorthin fahren soll. Das kommt statt nach 20 erst nach 45 Minuten. Auf dem Land war anscheinend der Bär los, in Weeze suchten die letzten Festivalbesucher ihren Weg heim via Taxi und in Kevelaer war wohl Kirmes. Da sind die wenigen Taxis ständig in Betrieb. Icing on the cake.

Als wir dann zu Muttern fahren (die auch auf dem niederrheinischen Lande wohnt) klärt der Himmel auf und es ist wirklich noch ein schöner Abend. Mit Grillgut im Magen klingt der verfahrene (hahahahaha, Wortspiel) Tag doch noch versöhnlich aus.

Blick...
Blick…
...aus...
…aus…
...Mutters Garten
…Mutters Garten

Merke:

Gutscheine sind blööööööööd.

Der Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ stimmt nur bedingt.

Die Landjugend verbringt ihre Sonntage zu 99% mit Bier in der Hand (ich habe noch nie so viele hackebreite Teens gesehen wie auf der Niers und aus dem Fenster des Taxis heraus).

Nachdem man aus nassen Klamotten ins Trockene gewechselt ist, eine warme Tasse Tee in der Hand hat, ist die Welt wieder schön!

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