Hamlet-Hype: Ist eine anständige Kritik in Cumberbatch-Land unmöglich?

hamlet

Hype ist was Schlimmes. Wenn man Dinge so hochpusht. Was konnte man nicht vor der ersten Hamlet-Aufführung lesen: Dass die Fans ja schlimm sind, dass Cumberbatch ein solches (irres) Gefolge hat, dass die Theaterwelt von Kreischteenies erschüttert werden wird. Cumberbatch (als wäre Hamlet eine One-Man-Show, wie das immer NERVT!) gab auch nur ein Interview (Vantage Magazine) ansonsten hielt er die Füße still (ich mag das an ihm!)  Auch sonst war so gut wie nichts über den Entstehungsprozess zu hören. Kein Interview mit den Machern, für die sich auch jetzt niemand interessiert, es ist ja die große Cumberbatch-Show. Meine Güte, das geht mir immer so auf den Keks, wenn jemand so aufgebauscht wird. Kann Cumberbatch selbst vielleicht jetzt nur bedingt was für, aber das ist so bescheuert. Oh, der Messias stellt seine Füße auf eine Theaterbühne. So lesen sich die aufgeregten Berichte vorab. Und dann natürlich die Fangirls, die auf Twitter, Facebook und Tumblr ihr Unwesen treiben und sich in Lobeshymnen vergehen. Das kann man natürlich ausblenden, indem man solche Plattformen meidet oder die Leute blockt. Aber das ist dann auch Arbeit, wenn man über das Thema etwas online nachlesen will und erstmal durch einen Wust unreflektierter Huldigungen durch muss.  Und wehe, es gibt Leute, die es wagen zu sagen, dass ihnen die Hamlet-Produktion nicht schmeckt. Dann geht das Cumberkollektiv aber auf die Person (www.twitter.com/Tim_A_Roberts oder www.twitter.com/_dreadfort) los. Wie kann man so drauf sein? Diese Massendynamik stößt mich ab.

Und auch die Presse spielt verrückt: Die Daily Mail hat eine „Rezension“ zusammen mit ein paar furchtbar körnigen Handy-Fotos veröffentlicht und das liest sich wie der Beitrag einer 10jährigen, die das erste Mal ihren Schwarm beschreibt. ENTSETZLICH!! Was ist das denn? Selten habe ich so einen hanebüchenen Scheißdreck gelesen:

„I must say, he looked particulary fetching n his tight, white fencing jacket, even when it was pierced by a poisened foil.“

„Goodnight, sweet prince. You were completely amazing.“

Dass die DM kein Qualitätsblatt ist, weiß ich auch, aber das ist ja unterirdisch und spiegelt, wie Cumberbatch und die Manie um ihn (das tut mir so leid für ihn) wahrgenommen wird: Benedict ist der Größte und egal, was er macht: alle feiern drauf ab. Aber nicht nur die Daily Mail hat eine Rezension nach der Erstaufführung geschrieben, auch die Times hat sich hier eingereiht und das Wochen vor der offiziellen press night, was in Londoner Theaterkreisen eigentlich verpönt ist. Kate Maltby vergibt dann auch nur 2 von 5 Sternen. Und jetzt sind alle unfassbar sauer auf die Times. Auf die Daily Mail komischerweise nicht. Ich finde es auch nicht wirklich schlimm eine Rezension nach der ersten Aufführung zu schreiben. Was soll sich bis zu press night denn noch großartig verändern?  Dass sich Schauspieler noch weiter in die Rolle reinfinden und die Nervosität etwas nachgelassen hat, macht eine Rezension dann später auch nicht aus. Und sie kritisiert auch eher die Produktion an sich als Cumberbatch, obwohl sie ihm vorwirft, er lasse Subtilität vermissen. Ihr Fazit: Die Aufführung sei „Hamlet for the kids“. 

Ich finde das legitim. Kate Maltby hat sich in einem Radiointerview geäußert und gesagt, ein Grund für eine so frühe Veröffentlichung sei, dass sie gehört habe, dass die DM mit dem Barbican/der Produktion eine Abmachung traf: Für Karten und die Möglichkeit Fotos zu machen, schriebe man eine sehr gute Kritik. Natürlich weisen den Vorwurf alle Beteiligten von sich, aber ich denke, das kann sehr gut sein. Wieso nicht? Als ob so etwas noch nie vorkam, oder nie vorkommt. Ist natürlich scheiße, aber ich finde das glaubwürdig. Ein Grund, als Times in die gleiche Kerbe zu schlagen und ebenfalls nach der Premiere eine Rezension, entgegen der Konventionen, rauszuhauen ist dies für mich allerdings nicht. Auf der Insel ist die Sache anscheinend ein echter Skandal: www.thestage.co.uk.

Der Telegraph geht gemäßigter an die Sache an und spricht von einem „promising draft“. Nochmal: wieso gehen denn die Theateruhren in UK so anders als hier. Wenn hier ein Stück Premiere hat, dann steht das so. Dann wird es auch nach der Erstaufführung rezensiert. Nicht erst zwei Wochen später. Was für ein Luxus ist das denn?

Die Times hat sich dann noch einmal gerechtfertigt und fragt nach dem Sinn von Previews: The Times – meaning of previews.

Und kaum ist die Premiere gelaufen, werden schon die Fans auf der anderen Seite des großen Teichs wuschig gemacht, wieder mal von der Daily Mail. Kommt Hamlet an den Broadway? Keiner von der Produktion hat auch nur den kleinsten Pups dazu verlautbart, aber allein die Überlegung dieses „Redakteurs“ reicht, um die Meute ganz wuschig zu machen.

Einer der Riesenfehler der Kritiker: Sie starten beim „Phänomen“ Cumberbatch, meistens noch bei seiner Zugkraft gegenüber eines jungen weiblichen Publikums. Das ist so doof, dass man sich fremdschämt. Ähnlich schreibt auch die RadioTimes:  „Hamlet has always been a geek posterboy – awkward but passionate, intelligent but crippled by self-doubt – and Cumberbatch is the go-to example of the power of modern fandoms. In the media, the online hordes of Cumberfans have become lazy shorthand for nerds and obsessives, so much so that some predicted the opening night would be disrupted by shrieking.“

Cumberbatch ist halt seit geraumer Zeit der heißeste Shit aus London.  Da fällt es vielen anscheinend schwer differenzierter hinzuschauen. Vor allem natürlich seinem Gefolge. „The fifth estate“ beispielsweise war Grütze. Das ist aus vielen Gründen kein guter Film. Aber da der Cumberlord an Bord ist, war das natürlich ein glorreiches Werk in den Augen seiner Fans. Und weil diese Verblendung dafür sorgt, dass seine Cumberbabes alles, was mit ihm zu tun hat, in sich aufsaugen und bereit sind aus allen Ecken der Welt anzureisen, bedeutet das für die Gazetten immer mehr immer stupidere Artikel als Clickbaits zu drucken (cost per click = Ka-tsching!).

Die unschöne Seite des Ruhms, des „Journalismus“ und von Social Media. So sieht es auch Grant Feller von Forbes: „What I think the extraordinary fuss over Cumberbatch’s Hamlet really tells us – aside from the fact that a generation of channel-surfing film and TV lovers are suddenly transfixed by Shakespeare – is that social media and the internet has destroyed the craft of the critic. Or, if not destroyed it, cheapened it.“

Ich werde mir das Stück bald ansehen und freue mich darauf. Dann kann ich mir selber ein Bild machen, gemäß der einen guten Szene aus „The fifth estate“: „You want the truth? You have to seek it out for yourself.“

24 Gedanken zu “Hamlet-Hype: Ist eine anständige Kritik in Cumberbatch-Land unmöglich?

  1. Ich finde Eure Blogbeiträge zu Cumberbatch extrem interessant, da das gleiche Phänomen auch bei den Richard Armitage Fans zu beobachten ist. Es gibt die (alteingesessenen) Fans, die durchaus in der Lage sind die Rollen konstruktiv und auch mit Kritik zu diskutieren. Und es gibt „neue“ Fans, die in den sozialen Medien jeden an den Pranger stellen wollen, der sich in irgendeiner Weise nicht positiv über das OdB äußert, für mich ein NoGo. Egal wie weit die Begeisterung für einen Schauspieler/in gehen mag, jeder hat mal einen guten und einen schlechten Tag/Rolle und nicht alles kann immer perfekt sein – Vielseitigkeit würde ich das nennen. Jemanden auf ein Podest zu setzen und anzubeten bringt nur dem Knienden etwas: kaputte Kniescheiben…….. Kritik kann immer auch etwas konstruktives beinhalten 🙂
    Tja und leider gilt wie immer: Sex sells! Und an den Fans, v.a. den weiblichen wird gut verdient! Wenn man sich die Plakatierung und das Merchandising der Produktionen ansieht wird schon klar, dass genau auf der Schiene auch „verkauft“ wird.
    Ich mag BC sehr gerne, liebe Sherlock ❤ und habe auch Karten für Hamlet. Ich habe auch beide Produktionen von Frankenstein gesehen und fand ganz persönlich die Version besser wo er das Monster gespielt hat. Er ist sehr vielseitig und ich glaube wir können noch tolle Leistungen von ihm erwarten 🙂

    1. Das Problem ist, dass selbst Journalisten/ Kritiker sich hier auf ein Niveau begeben, das nicht mehr vertretbar ist. Ich will eine Kritik lesen und nichts über Fandom. Das ist vielleicht eine Randnote (wenn überhaupt) wert. Und diese Voreingenommenheit (SuperPro in Daily Mail, SuperNogo in der Times) führt das ganze ad absurdum!

      1. Das SuperPro kann ich mir eigentlich nur damit erklären, dass diese Kritiken (das sind dann allerdings keine mehr!) von absoluten Fans geschrieben werden, da haben die Redaktionen dann nicht gut ausgesucht 😦 . Schade! Denn auch ein Schauspieler braucht konstruktive Kritik.

  2. Wow. Auch wenn Du merklich emotional geschrieben hast – schade, dass so viele inhaltliche Unsauberkeiten in Deinem Rundumschlag vorkommen.

    Ich versuch sie kurz der Reihe nach zu skizzieren. Zu mir: selber Fan, weder Teenie, noch kreischend.

    1) Tim Roberts: ist Beleuchter bei einem Musical. Hat Fans per Twitter u.a. als Nazis beschimpft. Bevor Reaktionen von Fans kamen. Einige seiner tweets hat er mittlerweile gelöscht aber vermutlich auf tumblr zu sehen. Korrekt: darauf zu reagieren, ist vergurkte Zeit.
    – angebliches Abkommen mit DM: dazu gibt’s eine Stellungnahme von der Produktion: Nein. Selbst wenn man (wie ich) leicht zynisch auf solche Aussagen schaut: stimmt sehr wahrscheinlich, da auch Autorin des Artikels einen sehr unrühmlichen Ruf hat.
    – press night: Magst Du als Luxus ist empfinden, ist aber am Broadway plus UK Theater Usus. Daher gibt’s eine Vielzahl kritischer Reaktionen aus der Theaterbranche auf diesen noch nie dagewesenen Bruch. Falls Du Artikel oder Tweets dazu lesen möchtest, bitte melden.
    – Veränderungen im Stück zwischen first preview und press night können gravierend sein. Textliche Änderungen sowie strukturelle Änderungen sind dabei nicht selten. Das von Dir angesprochene Sichererwerden in der Rolle ist da nur ein Bonus.
    – Times:
    a) wird nicht als einzige aber hauptsächlich kritisiert, weil eben „honorige“ Zeitung (gehört mittlerweile Rupert Murdoch)
    b) Aussagen der Reporterin, die nicht die Theaterkritikerin des Blatts ist, widersprüchlich sind
    c) Reporterin 2 Tage vorher per Twitter kund getan hat, dass sie bei „dem Publikum“ schon jetzt angewidert von der Vorstellung sei.

    – 5th Estate: wird auch von den Fans als nicht gut eingestuft.
    Aber: wir unterscheiden zwischen Film und schauspielerischer Leistung. Und letztere war, auch für Filmkritiker, ausgezeichnet.

    Persönlicher Nachsatz: ich bin vom Hype auch nicht begeistert, und, wie Du schon sagtest, Benedict selbst ist es am allerwenigsten.
    Dass Du aber, genau wie die Presse, die Fans als dämliche, unkritische Hühner darstellst, die’s selbst Schuld sind, reisen sie doch tatsächlich, um ihn live auf der Bühne zu sehen.. das hat mich enttäuscht.

    1. Hi, Danke für deinen Kommentar. Ich kenne Tim Roberts nicht. Er hat einen Kommentar zum Hamletstück gegeben, dass ihm vorkam wie für ein 1directionPublikum (wieder Cumerbatch-Hamlet=Fans=schlecht). Da springen gleich die Fans auf ihn an, es ist seine Meinung, die steht ihm zu. Ich folg ihm nicht, wenn er so ein Widerling ist, wie du schreibst, ist das ja auch gut so.

      Press Nights: Ja, ich verstehe den Tabubruch. Ich finde aber auch, dass man da die Kirche bitte mal im Dorf lassen sollte. Ob es die Abmachung gab und nicht, ist für mich in der Sache auch gar nicht Ausschlag gebend. Ich habe gesehen (nicht gelesen, das schlägt ja Wellen…), wie sehr das in der Theaterszene auf Missbilligung stößt.
      Ich nehme die Time-Reporterin für ihren Artikel ja auch nicht in Schutz. Vielmehr zeigt sich doch, dass mit einem vorgefertigtem Bild im Kopf an die Reviews herangegangen wird. Daily Mail mit Fangirl-Herz und bei der Time mit Ablehnung. Das ist beides falsch. Und das nervt mich so. Beide nehmen Cumberbatchs momentanen Marktwert als Basis und schreiben von dortan ihre „Kritiken“
      Ich habe bis dato immer nur Fans getroffen, die TFE über den grünen Klee gelobt haben, und auch sonst las ich in Fankreisen mehr Gutes als Schlechtes. Freut mich aber sehr, wenn es da doch differenzierte zugeht.
      Weißt du, das ist auch ein Problem, gerade in puncto Social Media: Man hat seine Nische mit Infos, die man sich durch Abos, Follows und likes selbst einrichtet. Das ist natürlich einseitig. Aber will man über den Tellerrand schauen wird es schwierig, wie ich in meinem Text beschreiben möchte.
      Ich möchte, NIEMALS, alle Fans als dämliche, unkritische Hühner darstellen. Himmel, ich bin doch selbst einer. Habe selbst Spaß Leute, deren Arbeit ich mag auf der Bühne zu sehen. Und solltest du dich von meinem Text angegriffen fühlen, täte es mir leid, da unbeabsichtigt. Ich mag nur die nicht, die laut allem hinterherhecheln, alles beklatschen. Und die gibt es. Und an denen muss man oftmals erst einmal vorbei.

  3. P.S. Du hast in Deinem Artikel einen Artikel von The Stage verlinkst. Das war der erste von 3 weiteren zum Thema preview/review. Einer davon beschäftigt dabei sich mit den Auswirkungen auf die Theaterbranche insgesamt. Interessant.

  4. Sorry, da war ich zu kurz. Ich meinte interessant zu lesen, weil der Artikel beleuchtet, wie schwerwiegend die Folgen für die Theaterwelt sein können. Die beiden anderen Artikel (gestern und heute) sind ebenfalls lesenswert.

    Bzgl. DM: bitte aufhören, die Autorin als Fan zu bezeichnen. Sie war nie einer und wird auch nie einer sein. Wie gesagt, sie hat einen äußerst schlechten Ruf. DM plus sie ist sozusagen Bild-Zeitung hoch fünf.
    Daher bin ich ziemlich sicher, dass es keine Vereinbarungen gab.

    Alle sog. Kritiken, die jetzt rausgekommen sind, sind nicht ernstzunehmen. Wie gesagt, previews sind Veränderungsphasen.

    Das ist auch genau, was Fans auf die Palme bringt: Dass die Medien ihn mit allen Mitteln zu Geld macht. Und bitte nicht glauben, dass hier vor allem die Fans die Leser sind! Reißerische Schlagzeilen werden von uns eher ausgelacht, bis auf den Ärger, dass sich BC mit diesem Müll (und Paparazzi) herumschlagen muss.

    Sicher gibt es verschiedene Nischen und ganz sicher auch unkritische Fans (und ja, die nerven auch mich). Insgesamt bin ich über Inhalte wie die oben genannten jedoch etwas besser informiert als Du, da bin ich (logischerweise) mehr „im Zentrum“.

    Danke für die Entschuldigung. Ja, ich bin/war durchaus angepiekst, hier die gleichen Pauschalisierungen zu hören wie „draußen“.

    1. Nur kurz zur Daily Mail-Schreiberin: sie hat definitiv und sehr bewusst so geschrieben, wie ein liebestrunkener Teenager. Vielleicht stößt dir das Wort Fangirl so auf, weil es natürlich verallgemeinert. Ich bin ja selber eines, finde mich aber in der Fangirl-Bezeichnung dieser Dame nicht wieder. Du musst dir den Schuh also nicht anziehen. Es sollte beschreiben, dass der DailMail-Vertreterin der Abstand zur Thematik fehlte. Was ich als das Problem hinter dem ganzen sehe.
      Ich habe einen Tweet von James Rhodes gesehen, der fragte: Wer braucht schon Kritiker? Ich antworte: Ich. Und ich möchte diese Vermischung aus Social Media ranting/gushing und Journalismus nicht. Und das ist hier passiert. Hier könnte man natürlich die seit langem geführte Debatte über den status quo und die Zukunft des Journalismus einbringen,führte aber zu weit. Aber das ist genau das Thema.

    2. Nochmal zu Fangirls. Ich habe das auf meinem Blog ja schon mehrfach beschrieben, wie befremdlich das teilweise auf mich wirkt. Das ist aber eben nunmal meine Meinung. Und es geht ja auch um diejenigen, die wirklich blind folgen und einfach nur Lob in die Welt schreien (und das laut und an so vielen Stellen, dass man ihnen kaum entkommen kann). Das können die ja auch machen, ich trete nicht mit ihnen in Kontakt und diskutiere den Sinn dieser Aktionen, ist deren Sache. Aber ich habe mich in meinem Eintrag auf sie bezogen, weil es eben so schwer ist um sie herumzuschauen, weil man post über post wegklicken muss, wo einfach nur gelobhudelt wird. Solche Dinge bringen mir nichts. Aber du sagst ja selbst, solche nerven dich auch.
      Es gibt aber auch Beiträge, die ich gerne lese, zum Beispiel hier:

      https://vickster51corner.wordpress.com/2015/08/06/first-preview-thoughts-benedict-cumberbatchs-hamlet-at-the-barbican/

      https://londontheaternerd.wordpress.com/2015/08/07/hamlet-barbican-centre/

      Ich denke, wir liegen beide mit unseren Meinungen, unserer Haltung zum Thema /zu den Themen nicht weit auseinander. Zugegeben, ich vermische in meinem Text auch verschiedene Dinge.

  5. Ich versuch mal zu verlinken, da einer der Artikel von der HuffPost war statt des Stage:
    http://m.huffpost.com/uk/entry/7946468

    The Stage zur Qualität von Kritiken (aus meiner Sicht besser als der zitierte Forbes) https://www.thestage.co.uk/opinion/2015/paddy-smith-reviewing-previews-cumberbatchs-hamlet-starting-pistol-race-bottom/

    Ein hervorragender Artikel zu Fans und Presse
    http://exeuntmagazine.com/features/the-barbicans-hamlet-anatomy-of-a-cumberkerfuffle/

    Hoffe, mein erster Linkversuch per Handy ;P hilft weiter.

    Und noch eine Nachfrage: wieso zielt das Merchandising von Hamlet auf „sex sells“ ab? Ich seh da immer nur den kleinen blaubewamsten Jungen. Außerdem gibt’s wohl auch einen Totenkopf.
    Tatsächlich gibt’s von BC bisher nur im Programmheft ein paar Aufnahmen von den Proben. Es soll später auch ein Produktionsposter mit ihm statt kleinen Jungen geben. Das kennen wir aber bisher nicht. Persönlich kann ich da jetzt einfach gar nichts auf der zitierten Schiene entdecken…

    1. Wo steht das mit dem Merchandise und „sex sells“? Ich finde das Design mit den Kindern nämlich auch toll. Mir gefällt der Stil und der Fakt, dass dieses Artwork eben genau nicht den Cumberbatch-Pfad wählt.

      Ich frage mich, ob das ganze so Wellen geschlagen hätte, wäre die Bewertung besser ausgefallen?

  6. Danke für das Aufdröseln, die ersten Berichte von denen man zu lesen bekam waren ja… uff.
    Aber seien wir mal ehrlich: Genau diese Reaktion war doch schon seit Bekanntgabe des Stücks zu erwarten. Da wird der schnelle run auf die Karten mal eben dem „Cumbercollective“ zugeschrieben und fertig ist die Meinung, die derzeit überall in den verschiedensten Variationen zu lesen ist. Es ist nur schade zu sehen, wie sich manche Presseheinis daraufhin verhalten. Von professionellem Abstand spürt man hier so gut wie nichts und das darf einfach nicht sein. Aber das hast du eben davon, wenn du so eine große Nummer präsentierst. Da wird alles um ihn herum so lange gekaut, bis auch das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit verschwunden ist, aber hauptsache die Presse hat ihren Aufhänger…

    PS: Übrigens habe ich erst vor wenigen Tagen beiläufig aufgeschnappt, dass Ciarán Hinds in dem Stück mitspielt. Aber sowas geht ja sowieso schnell unter, sobald sich der mediale Fokus auf Cumberbatch richtet. Verdammt, mir tut der gute richtig leid.

    1. Und das finde ich, wie gesagt, so schade. Dieser Überfokus (wie der zustande gekommen ist, wäre interessant zu untersuchen) lässt so vieles in den Hintergrund treten und die Presse fällt zum Teil in einen Rausch, das hinterlässt mich fast sprachlos, soviel zu journalistischem Ethos.

  7. Sorry, irgendwie bin ich zu dusselig, bei den Antworten direkt zu einzufügen. 😦 Entschuldige mich daher für eine Sammelantwort.

    Der Kern des Themas bzgl der sog „Kritiken“ bis jetzt scheint mir, dass sie hier als solche überhaupt verstanden werden. Während ich versuche zu vermitteln, dass es mit Theaterkritiken nichts zu tun hat. Die tatsächlichen Kritiken werden von den tatsächlichen Theaterkritikern der jeweiligen Blätter nach der press night erscheinen.
    Was bisher passiert ist, ist schlicht eine ungeheure Meinungs- und Geldmache. Und die ist zu Recht anzukreiden!

    Also durchaus nicht „die Kirche im Dorf lassen“ wenn die Presse sich einen noch nie dagewesenen Tabubruch leistet. Und nicht eine Autorin als Fan bezeichnen, wenn sie sinnlos „gusht“ (ein Bankräuber mit der Maske eines Polizisten macht noch keinen Polizisten). Auch das ist Teil dieser Kampagne, dass Fans unkritische kleine Doofchen sind.

    Mittlerweile wird jeder, der die Aufführung gut findet, als „groupie“ gelabelt. Theaterbesucher äußern sich besorgt, ob die kreischenden Fans nicht die Vorstellung versauen. Und tweeten anschließend überrascht, dass sie noch nie ein so ruhiges und aufmerksames Publikum erlebt haben.

    Sorry, vom Thema abgekommen. In kurz: Ja, es wird Theaterkritiken geben. Inwieweit die dann in der Lage sind, sich von der bisher stattfindenden Meinungsmache unbeeindruckt zu zeigen, und tatsächlich das zu beurteilen, was sie sehen – das werden wir Ende August wissen.

    1. Aber das sehe ich doch genauso. Ich bleibe aber dabei (auch wenn es eine britische und wohl auch amerikanische Tradition ist), dass ich PERSÖNLICH eine preview review nicht so schlimm finde. Ich finde allerdings ebenfalls alle Kritiken bis dato überflüssig und ihres Namens nicht wert. Der Grund dahinter, wie ich bereits sagte, dass hier nicht objektiv operiert wurde.
      Ich kreide doch auch an, dass mir die Berichterstattung nicht gefällt.
      Eben diese Berichterstattung, die immer auf Cumberbitches (langsam könnte ich bei dem Thema echt kotzen) abzielt, bzw. von dort aus ihre Artikel starten, finde ich beklagenswert.

  8. Ja, da sind wir uns völlig einig! Auch dabei, dass unkritische „Heldenverehrung“ nicht unser Ding ist. Womit ich nicht schmachtendes „fangurlen“ ab und an meine ;P Und mit „Fan“ meine ich diejenigen, die sich zumindest auch mit der Arbeit des Schauspielers befassen. Die ausschließlich „blauen Augen“- oder „der ist in“-Anhänger sind damit nicht gemeint.

    Was zur Zeit in der Presse abgeht, ist aus meiner Sicht zum großen Teil Sensationshascherei, Faulheit (warum auch recherchieren) und, leider, eine bewusste Schmierenkampagne. Letzteres möglicherweise als simple „tear them down“-Phase (sowas verkauft sich ja immer prima), möglicherweise auch mit einem durchaus politischen Hintergrund.

    Wieso Schmierenkampagne?
    Cue 1) „Vor Fans wird gewarnt“
    „Horden“ von Fans, die offensichtlich unzurechnungsfähig sind, reisen sie doch teilweise weite Strecken und stehen sogar für Karten an, werden den Theatersaal
    bevölkern.
    Cue 2) „Fans sind ungebildet“
    Sie kommen alle nur wegen des Hauptdarstellers und haben von Shakespeare keine Ahnung. Die Times liefert auch gleich den Beweis mit einem Vokabeltest und, shocking, kaum einer wusste, was ein „arras“ ist. Man darf sich also fragen, ob diese ungebildeten Horden überhaupt das Stück verstehen können/wollen.

    Zwischensumme: Die Fans von Cumberbatch sind alle.. s.o.

    Cue 3) Auftritt der DailyMail
    Als „Kritik“ verkauft mit einem sülzigen Gewäsch „wie von einem Superfan“

    Zwischensumme: Klar, dass hirnlose Fans das Stück kritiklos in den Himmel loben

    Cue 4) Auftritt der Times
    Als „Kritik“ bezeichneter Verriss, der das Stück als für „Fans auf dem Niveau von Moulin Rouge inszeniert“ bezeichnet.

    Fazit: 3) beweist, dass Fans das Stück toll finden. 1) und 2) beweisen, dass Fans doof sind. Also muss 4) zutreffen.

    Interessant nur, dass diese „kritik“äußernden Medien (inkl.des „Telegraph“, der der Times mit einer halbherzigen Reportage hinterherhumpelt) Rupert Murdoch gehören. Den der Hauptdarsteller mehrfach deutlich kritisiert hat. Der eine (gesellschafts-)politische Richtung vertritt, die von der des Hauptdarstellers diametral verschieden ist. Und der Hauptdarsteller ist dafür bekannt, sich gesellschaftspolitisch einzusetzen. Und eine große Fangemeinde, sprich Einfluss, zu haben. Zu einer Zeit, in der es auf Murdoch’s Betreiben z.B. der BBC an den Kragen gehen soll. Drolligerweise ist der Hauptdarsteller einer *der* Verkaufsschlager der BBC.

    Wenn die Rechnung aufgeht, sind am Ende der Hauptdarsteller auf Durchschnittlich reduziert und seine Fans endgültig als hysterische Dummerchen diskreditiert.

    Zu weit hergeholt? Zu zynisch? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun? Vielleicht.

  9. Hoppla, hier geht’s ja heiß her! 😉 Ich glaube ja, dass ihr beiden, schauwerte und Fufi, ja auf derselben Seite steht. 😉

    Ich persönlich finde es aus dem Grunde schade, dass gegen den normalen Usus bzgl. der Reviews verstoßen wurde, dass dadurch noch mehr Hype verursacht wird – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite können sich die Kritiker eben diesen Hypes noch mehr bestätigt fühlen (dieser Cumberbatch wird doch nur hochgejubelt – deswegen machen wir ihn lieber runter).

    Man kann ja zu der Tradition der Previews stehen wie man will (so richtig verstanden habe ich das anfänglich tatsächlich nicht, warum es sowas gibt, bin ja noch nicht so lang in Londoner Theatern unterwegs), aber was ich ja wirklich unmöglich finde, ist es, selbst geschossene Fotos in einem Zeitungsartikel zu verwenden. Das ist ja wirklich höchst unprofessionell!

    Naja, ich kann die offiziellen Reviews nach Press Night erwarten – ich sehe das Stück ja eh erst im Oktober… 😉

    PS: Ich finde es ja verständlich, dass es keine Stage Door mit BC geben wird, allerdings finde ich schade, dass es dann vermutlich auch nicht die Chance geben wird, z. B. Ciarán Hinds zu seiner Performance zu gratulieren…

  10. Völlig einverstanden 🙂

    Zu Autogrammen habe ich auch noch nicht gehört, dass welche gegeben werden. Find ich auch schade. (Nicht bei BC, da bin ich tatsächlich froh, dass nicht.)

    Danke Euch sehr für Diskussion, Geduld und Verständnis! Und besonders Dir, schauwerte, für die Plattform. War eine auch für mich ziemlich toughe Woche da draußen. Um so dankbarer bin ich für die Refugien hier!

  11. Falls es Euch interessiert, im Guardian ist ein Gastbeitrag von John Tiffany zu dem Thema „review on first preview“ erschienen.
    http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/09/benedict-cumberbatch-hamlet-barbican-review-wrong?
    John Tiffany ist ein mehrfach ausgezeichneter Theaterregisseur mit Erfahrungen quer durch die schottische, englische und amerikanische Theaterlandschaft. Er wird das neue Harry Potter-Stück „The Cursed Child“ auf die Bühne bringen.

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