Hamlet revisited- National Theatre live

Es ist nun über sechs Wochen her, dass ich Hamlet live im Barbican gesehen habe und gestern habe ich mir die Kino-Übertragung angeschaut. Ich war schon neugierieg, wie das jetzt so auf mich wirkt. Wie anders ich das Stück erleben würde.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, was das für ein Aufwand sein muss, um diese Übertragung zu stemmen. Aber ich bin dankbar dafür. Die Bilder von der Filmprobe waren schon mal interessant:

(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive
(c) NTlive

Nun gab es also ein Wiedersehen. Nach der Arbeit sich noch für 4 Stunden ins Kino setzen und aufmerksam sein, das braucht schon ein bisschen Enthusiasmus. 🙂

hamletAm Mittwoch Abend gab es ein ausführliches und interessantes Interview mit Cumberbatch über seinen Hamlet, dem ich gerne zugehört habe. Teile daraus, wurden vorab gezeigt. Ein sehens- und vor allem hörenswertes Gespräch!

Es war interessant, nun Nahaufnahmen von den Gesichtern der Darsteller zu haben. Cumberbatch hat als Hamlet viel Tränen fließen lassen. Da bin ich ich immer perplex, wie Schauspieler das so auf Knopfdruck hinbekommen. Das gigantische, gewaltige Set entfaltet auf der Leinwand nicht dieselbe Wirkung wie im Theater. Und dadurch, dass die Kameras sich immer auf eine Persepktive festlegen müssen, sieht man im Kino nicht, was sonst noch so auf der Bühne passiert. Mir kam die ganze Inszenierung auch sehr viel dunkler vor, als sie im Barbican wirklich ist. An meiner Kritik zum Stück hat sich nichts geändert (hier nachzulesen).

Nach dem Applaus trug Cumberbatch (mit einem großen schwarzen Konfetti auf der Nase!! 🙂 ) einige Zeilen aus dem Gedicht „Home“ von Warsan Shire vor, um im Rahmen der Kampagne „Help is coming“ für Spenden für die Flüchtlingshilfe www.savethechildren.org.uk zu appellieren.

Dies ist übrigens das Gedicht:

no one leaves home unless
home is the mouth of a shark
you only run for the border
when you see the whole city running as well

your neighbors running faster than you
breath bloody in their throats
the boy you went to school with
who kissed you dizzy behind the old tin factory
is holding a gun bigger than his body
you only leave home
when home won’t let you stay.

no one leaves home unless home chases you
fire under feet
hot blood in your belly
it’s not something you ever thought of doing
until the blade burnt threats into
your neck
and even then you carried the anthem under
your breath
only tearing up your passport in an airport toilets
sobbing as each mouthful of paper
made it clear that you wouldn’t be going back.

you have to understand,
that no one puts their children in a boat
unless the water is safer than the land
no one burns their palms
under trains
beneath carriages
no one spends days and nights in the stomach of a truck
feeding on newspaper unless the miles travelled
means something more than journey.
no one crawls under fences
no one wants to be beaten
pitied

no one chooses refugee camps
or strip searches where your
body is left aching
or prison,
because prison is safer
than a city of fire
and one prison guard
in the night
is better than a truckload
of men who look like your father
no one could take it
no one could stomach it
no one skin would be tough enough

the
go home blacks
refugees
dirty immigrants
asylum seekers
sucking our country dry
niggers with their hands out
they smell strange
savage
messed up their country and now they want
to mess ours up
how do the words
the dirty looks
roll off your backs
maybe because the blow is softer
than a limb torn off

or the words are more tender
than fourteen men between
your legs
or the insults are easier
to swallow
than rubble
than bone
than your child body
in pieces.
i want to go home,
but home is the mouth of a shark
home is the barrel of the gun
and no one would leave home
unless home chased you to the shore
unless home told you
to quicken your legs
leave your clothes behind
crawl through the desert
wade through the oceans
drown
save
be hunger
beg
forget pride
your survival is more important

no one leaves home until home is a sweaty voice in your ear
saying-
leave,
run away from me now
i dont know what i’ve become
but i know that anywhere
is safer than here

8 Gedanken zu “Hamlet revisited- National Theatre live

  1. Äh, das waren hauptsächlich Schweißtropfen und keine Tränen! Und das war auch kein Konfetti im Gesicht! Die Ophelia und damals der Hiddleston haben geheult, was die Tränen hergeben.

    1. War das so? Der hatte doch total oft nasse Augen? Passt doch auch, bei all der Verzweiflung, die er da an den Tag legen muss…

      Aber der hatte doch beim Schlussapplaus da was Schwarzes auf der Nase!

      1. Er hat auch oft gezwinkert, weil im Schweiß in die Augen gelaufen ist, und durch den Schweiß gibt es auch Rötung und Tränen. Aber es gab schon auch ein paar Stellen wo er emotionale Tränen in den Augen hatte. Das war der Dreck von der Bühne. Da ist zwar auch so was Ähnliches wie Konfetti darunter, aber ich glaube eher das war ein Fleck von dem Staubzeugs. Ist aber eigentlich auch egal. Nur hat Benedict eben nicht so die Tränen fließen lassen – ehrlich gesagt finde ich das auch gut so. Hiddles Tränenflut bei Coriolanus fand ich ziemlich übertrieben und Ophelias geheule fand ich auch ziemlich nervig.

  2. Ähm, also ich hab das schon auch so wie schauwerte gesehen, dass da sehr viele Tränen bei Benedicts Hamlet geflossen sind. Klar war auch Schweiß dabei, aber für mich war das schon eine sehr emotionale Darstellung. Aber ich fand ja auch Hiddlestons Tränen bei „Coriolanus“ gut, von daher… Ich stehe auf weinende Männer. 😉

    Interessant, wie unterschiedlich wir manches sehen. Ich fand z. B. die Ophelia ganz großartig.

    Ich muss sagen, dass mich das Bühnenbild trotzdem auch ziemlich umgehauen hat, auch wenn man es selten in der Totale sah. Im Gegensatz zu dem, was du in deiner Kritik vor sechst Wochen geschrieben hast, fand ich das tolle Bühnenbild aber gar nicht ablenkend. Klar, durch die Kameraausschnitte wurde man ja im Blick gelenkt, aber ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass mich das beim Live-Erlebnis gestört hätte.

    1. Ich hab da auch Tränen gesehen, aber ich kann mich auch bis jetzt an keinen Hamlet erinnern, den ich live gesehen hätte, der nicht geheult hat.
      Das Bühnenbild kam in der Übertragung teilweise sogar besser rüber als live. Ich habe in der Pause zu meiner Schwester gesagt, irgendwie wirkt das Stück fast, als wäre es unbewusst für den Broadcast inszeniert worden. Lag aber sicher nur daran, dass die Riesenbühne und die schiere Größe des Barbican das Filmen von den Entfernungen und Winkeln her einfacher machen als die meisten Theater, aus denen bisher übertragen wurde.

  3. Sorry, aber die Ophelia geht für mich so gut wie gar nicht! Ausnahme die Szene wo sie von der Bühne geht und der absolute Höhepunkt für mich ist, als Gertrude die Fotos und Kamera findet, begreift und Ophelia hinterherläuft. Ein wunderbar bewegender Moment! Weil man sich Zeit nimmt. In der ganzen Produktion ist insgesamt zu viel Tempo. Die Fechtszene am Ende geht viel zu schnell rum, keinerlei Spannung. Hamlet auf Speed. Horatio auf Dope oder Heroin? Ophelia wirkte auf mich schon total gestört, bevor sie völlig abgedreht ist. Was mich diesmal mehr als beim ersten Mal schauen stört, es gibt überhaupt keine Nähe zwischen Claudius und Gertrude. Sie wirken eher wie ein entfremdetes altes Ehepaar. Und Claudius als reiner Baddie- nein, der Part hat doch mehr Schichten zu bieten – ach was war Patrick Stewart gut in der DT Version!
    Das Bühnenbild fand ich wesentlich weniger beeindruckend als im Theater. Leider hat das Lichtdesign auch nicht so gut gewirkt, wie im Theater. Ich bin insgesamt nach wie vor ziemlich enttäuscht von dieser Produktion. Ich mag sie vielleicht nur ein klein wenig mehr als die vom NT mit Rory Kinnear, ansonsten bevorzuge ich in jedem Fall die David Tennant, John Simm, Michael Sheen oder Maxine Peake Version und das liegt in erster Linie am Gesamteindruck und an der Gesamtleistung der Ensembles.

  4. Habe Deine ursprüngliche Kritik nochmal richtig gelesen – hatte sie damals nur überflogen. Beim ersten Schauen hätte ich auch 3,5 Sterne verteilt. Jetzt würde es nur noch 3 bekommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s