„Ich habe nichts zu verbergen – Mein Leben mit Big Data“ im Grillo Theater Essen

Ich nutze Facebook. Zwar weit weniger als viele andere Menschen, aber dennoch. Ich habe einen Twitter- und einen Instagram Account. Ich blogge. Ich mache mich also ganz schön nackig im Netz. Und jetzt habe ich noch das Wort „nackig“ benutzt und das zweimal – Willkommen liebe Schweinkram-Sucher. Ich versuche schon vorsichtig im Netz unterwegs zu sein, da kann ich sicherlich noch mehr tun. Sich aber immer wieder klar zu machen, dass das Internet keine abstrakte Bonbon-Welt ist, ist aber wichtig. Ich bin ja nach wie vor für das Pflichtschulfach Medienkompetenz. Wie lange das wohl noch dauert?

Im Grillo Theater in Essen haben wir uns am Wochenende das Stück „Ich habe nichts zu verbergen – Mein Leben mit Big Data“ angeschaut. Das Stück hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen.

big data martin kaufhold
(c) Martin Kaufhold

Am Anfang treffen wir auf eine Flodderesque Familie. Lisa hängt de ganz Zeit im Netz, der Vater ist irgendein Entwickler im Silicon Valley, der Mutter hängt die ganze Zeit eine Kippe aus dem Mundwinkel und das Big Data Baby wird mit Informationen gefüttert, damit es wächst und gedeiht. OK. So sehen die Durchschnittsuser aus, oder was? Und die Baby-Allegorie hat mich jetzt auch nicht aus den Schuhen gehauen. Was folgt ist ein Ablauf an Szenen und Gedankensplittern mit mächtig viel Geschrei. Anstrengend! Immer wieder brechen die Darsteller aus den Rollen aus und heben die ganze Sache auf eine Meta-Ebene. Da wird das eben gespielte reflektiert, bzw. wie man das heute „halt so macht“ bewertet. Gibt es ein Like? Haben wir unsere target group erreicht? Wie können wir alles noch messbarer und steuerbarer machen? An welchen Kriterien können wir den Erfolg des Stückes messen und so vorab bereits einen sicheren Erfolg planen?

big data

Das sind interessante Fragen. Und auch die Tatsache, dass Technik Segen und Fluch zugleich ist/ sein kann, ist spannend für einen Diskurs. Das ganze wird hier aber nur angerissen und ist mir in letzter Konsequenz auch nicht deutlich genug. Zwar wird klar, was unsere freiwillige Herausgabe vermeintlich banaler Daten für Konsequenzen haben kann (Lisa mag Löwenbabys, daraus kann man  anhand der Altersgruppe und ihrer sozialen Gewohnheiten die Wahrscheinlichkeit herausfiltern, welche Schuhe ihr gefallen und ihr ein schönes Angebot präsentieren). Aber wie weitreichend das unser Leben bestimmen kann, wurde mir nicht scharf genug gezeigt und auch nicht genug kritisiert. Schön war allerdings als es hieß, dass man sich nicht täuschen solle, weil die ganzen Online-Angebote ja so irrsinnig social und dementsprechend gratis seien: „Die bezahlst du mit deiner Arbeitskraft. Die AGB’s sind dein Arbeitsvertrag.“ Auch, dass wir alles immer „einfacher“ (???) machen, indem es für alles ein APP gibt, die uns hilft (ein Beispiel hier: Sensorenmelder, die der Tochter mitteilen, ob der alte Vater genug trinkt, sich noch bewegt o.ä.), die uns optimieren und uns immer mehr zu Wesen machen, die das Denken abgeben, wird hier zwar angeschnitten, aber nicht deutlich genug kritisiert. Das Big Data Baby als Stilelement, das wächst und gedeiht und dann eine mächtige Datenkrake wird, fällt auch einfach hinten über.

Zudem gingen mit die ewig schreienden und herumspringenden Schauspieler gewaltig auf den Keks.

Das ganze wirkte dann wie ein ziemlicher Flickenteppich.

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