Gesehen: Hail, Caesar!

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Ich mag die Coen-Brüder. Mit deren Filmen kann man beim Kinoticketkauf nichts falsch machen. Natürlich haben sie stärkere und schwächere Produktionen in ihrem Portfolio. Hail, Caesar liegt da so in der Mitte. Der Film rund um Filmproduzent Eddie Mannix (von dem ich gerade gelernt habe, dass es ihn wirklich gab) ist eine bunte Nummernrevue, die den verschiedensten Filmgenres der 50er Jahre Tribut zollt. Da gehen natürlich mit den Brüdern wieder die Set-Design- und Choreographie-Gäule durch und das ist immer ein Fest. Der Trailer gibt übrigens ein falsches Bild, denn George Clooney (ich bin nicht so der Fan, mag es aber gern, wenn er so ein wenig einfältige Typen mit dümmlichen Gesichtsausdruck mimt) ist nicht die wichtigste Figur in diesem Film.

[Spoiler ahead]

Die Geschichte, die dem ganzen als roter Faden dient, ist dabei so dünn wie ein Blatt Papier. Hollywoodstar Baird Whitlock (George Clooney) wird entführt und Eddie Mannix muss sich neben seinem Produktions-Tagesgeschäft nun auch noch darum kümmern. Dabei hat er doch schon so viel zu tun! Wasserballetfilmchen-Star DeeAnna Moran (Scarlett Johanssen ) ist schwanger und nicht verheiratet – da muss eine PR-Strategie her. Der tumbe Westernstar Holbie Doyle (Alden Ehrenreich) versucht sich als ernstzunehmender Schauspieler in einem Drama von Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) und scheitert schon am kleinsten Satz. Burt Gurney (Channing Tatum), der sich sonst so charmant durch seine Filme tanzt und singt, läuft zu den Russen über. Und dann nerven auch noch die Schwestern Thora und Thassely Thacker (Tilda Swinton), die Klatschkolumnistinnen. Obendrein trägt sich Mannix noch mit dem Gedanken den Job zu wechseln, er hat ein Top-Angebot vom Luftfahrtunternehmen Lockheed.

Während Mannix unter Dauerstrom steht, ist der einfältige Whitlock bei seinen Entführern, die sich allesamt als Hollywood-Autoren entpuppen, die sich als Kommunisten verstehen.  Das Lösegeld ist für Gurney und seine Arbeit für die „gute Sache“ in Russland bestimmt. Whitlock lässt sich von den Kommunisten in ihre Ideenwelt einführen, bevor er vom rechtschaffenen Hobie Doyle „gerettet“ wird.

Wer Filme der 50er mag (Ich tue dies), wird hier viel wiedererkennen und hat daran große Freude! Channing Tatum singt à la Gene Kelly als Matrose „No Dames“ und ich bin hin und weg. Scarlett Johanssen ist als Esther Williams-Inkarnation, die eine Meerjungfrau spielt, wunderbar vulgär, wenn sie sich eine Fluppe in den Mund steckt und moniert: „Ich bin bald zu fett für den Fischarsch!“ Hobie Doyle sieht aus wie der junge Marlon Brando, spielt mit dem Lasso wie James Dean in Giganten und heißt in seiner neuen Produktion Monty wie Montgomery Clift. Da geht mir das Herz auf! Ralph Fiennes als Laurence Laurentz verkörpert den ersten Typ, der Hollywood-Regisseur-Garde, nämlich die des eingewanderten Europäers (wie Douglas Sirk, Elia Kazan, Fred Zinnemann, Otto Preminger und und und). Und auch die herrlich schrägen Pappkulissen für Monumentalfilme und das unglaubliche Pathos dieses Genres werden gut eingefangen.

Es gibt jede Menge Szenen, die mich haben laut lachen lassen. Wenn für die Jesus-Verfilmung Vertreter der katholischen, evangelischen, griechisch-orthodoxen und jüdischen Glaubensgemeinden am Tisch sitzen und darüber diskutieren, ob der Film in ihrem Sinne zu vertreten sei. Was für ein Tanz! Was für Dialoge!

Mein Highlight ist der erste Versuch Doyles die Regieanweisung von Laurentz umzusetzen und den Satz „Wenn es doch bloß so einfach wäre“ glaubhaft emotional zu sagen. Immer wieder lässt er ein holpriges „Wenn es doch blosso einfach wäre“ vernehmen und treibt den Regisseur in den Wahnsinn. Hahahahahaha.

Natürlich ist auch Frances McDormand (die Frau von Joel Coen) mit dabei und bei ihrer kleinen Szene als Cutterin habe ich mich fast eingenässt.

Auch Tilda Swinton als Hedda Hopper-Verschnitt, die ein bisschen wie eine schnippische Katherine Hepburn daher kommt, macht ihre Sache gewohnt gut.

Die Bonmots der Kommunisten kann man sich alle gar nicht merken, aber wie sie da zusammengetrommelt im Strandhaus sitzen und gegen das System wettern ist grandios.

Allein deswegen verzeihe ich dem Film seine Verzettelei und seine simple Geschichte. Ich hatte Spaß und ich bekomme Lust, alte Filmperlen wiederzuentdecken!

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