Theater auf die Ohren: The Encounter mit Simon McBurney

Simon McBurney ist einer der Schauspieler, die mir immer wieder mal begegnen und die ich immer wieder irgendwie unheimlich finde. Einer derjenigen, die am Rande oder am Hintergrund auftauchen, man sie aber doch mehr wahrnimmt als man glaubt. Mir fällt gerade vor allem sein ekliger Mr. Brocklehurst aus der Jane Eyre -Verfilmung von Cary Fukunaga ein.

Letzte Woche haben mich auf Twitter Laura Dern, Andrew Garfied, Rowan Atkinson und auch Benedict Cumberbatch auf das Live-Streaming von „The Encounter“ aus dem Londonder Barbican aufmerksam gemacht.

Gestern war es dann soweit. Um halb Acht ging’s los, meine Kopfhörer lagen bereit. Diese Show ist nämlich der Wahnsinn in Sachen Sounddesign! McBurney erzählt die Geschichte des amerikanischen Fotografen Loren McIntyre, der im brasilianischen Urwald auf den Stamm der Mayoruna, den sogenannten Katzenmenschen trifft. McBurneys Stimme wandert direkt in unser Hirn. Unterschiedliche Mikrophone kommen zum Einsatz: mit einem spricht er McIntyre, mit einem amerikanischen Akzent und einer tiefen Stimme, die sich deutlich von seiner Erzählerstimme über das andere Mikrofon absetzt. An anderer Stelle steht ein binaurales Mikrofon, das seine Position wahrnimmt und mit dem Schauspieler wandert. So kann seine Stimme entfernt und sehr (!) nah klingen. Als flüsterte er direkt in unser Ohr. Unheimlich! Unterbrochen wird die Geschichte in Brasilien hin und wieder von Dialogen, die McBurney mit seiner Tochter führt (das ist hinreißend!). Diese ist natürlich auch nur ein „Soundeffekt“, denn es ist eine One-Performer-Show. Keine One-Man-Show, denn im Hintergrund müssen etliche Techniker sitzen, bzw. gesessen haben, um all das hier zu stemmen. McBurney samplet seine Stimme, die er bspw. nutzt, um eine Regenwald-Atmosphäre herzustellen und das funktioniert hervorragend.  Immer wieder mache ich die Augen zu und bin erstaunt, welche Bilder mir diese Töne in den Kopf rufen. Wenn ein bisschen zischen und ein Schrei auf einmal eine ganze Regenwald-Fauna kreiieren oder eine Wasserflasche zu einem Fluss wird.

Es ist ein langes Stück (gute 2 Stunden) und ich kann dem Schauspieler nur meinen Respekt aussprechen für den vielen, vielen Text, den er sich gemerkt hat! Ich muss allerdings auch zugeben, dass trotz aller faszinierender Technik, mich „The Encounter“ ermüdet hat. Dennoch spreche ich die unbedingte Empfehlung aus, sich das anzuschauen/ anzuhören, es ist ein Trip in eine völlig andere Welt und das auf mehreren Ebenen!

Das Stück ist noch bis zum 8. März auf Youtube zu sehen, allerdings müssen die Deutschen sich wieder mit der GEMA rumschlagen, für sie ist es gesperrt, wie so oft. 😦 Dennoch mal der Link:

4 Gedanken zu “Theater auf die Ohren: The Encounter mit Simon McBurney

  1. Für mich war es auch ermüdend, vor allem weil ich mich sehr konzentrieren musste, um es einigermassen zu verstehen. Ich bin immer wieder abgedriftet. Die Einführung war zwar unterhaltsam, aber irgendwie aus einer anderen Welt, kürzer wäre besser IMO.
    Trotzdem eine sehr interessante Erfahrung.

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