„Pornographie“ im Schloßtheater Moers

Sonntag war es fabulös sonnig und was mache ich? Setze mich in einen kleinen kalten Theaterraum und widme mich Simon Stephens „Pornographie“ im Schloßtheater Moers. Nein, nicht richtig, denn das Stück wird in der Kapelle aufgeführt, die abseits des Parks zwischen Straße und Parkplatz steht. Etwa 50 Personen passen in das kleine Häuschen und etwa halb so viele haben sich an diesem Nachmittag hier eingefunden.kapelle moers

In dem Bauwagen, der auf dem Bild zu sehen ist, konnte man sich für 20 Euro ein Ticket kaufen. Die Bühne bestand aus einer Rampe und drei angedeuteten Räumen, die man durch Jalousien öffnen und schließen konnte.

bühne moers

Stephens‘ Stück wurde 2007 uraufgeführt und zeigt ein Kaleidoskop von Londonern an den Tagen zwischen Live8-Konzert, der Verkündigung Londons als Austragungsort der Olympischen Spiele und den Terrorangriffen auf die Londoner U-Bahn 2005. Alles Ereignisse, die Auswirkung auf den Alltag der Menschen haben. Wir begegnen einer jungen Mutter, die ihren Arbeitgeber betrügt, einem inzestuösen Geschwisterpaar, einer 83jährigen, die sich Pornos ansieht, eine Frau, die für einen Arbeitsplatz sich mit einem ehemaligen Professor einlässt , einem Schüler, der seine Lehrerin belästigt. Die Lebensläufe werden durch die genannten Ereignisse miteinander verwoben, sie streifen sich aber nur auf das sachteste, stehen sonst unabhängig voneinander. Und die Tragödie des Terroranschlags spiegelt sich in den kleinen Verletzungen des Alltags. Angst und Verunsicherung sind bei allen Figuren präsent. Die Attentäter selbst werden nicht gezeigt, nur einmal wird ein Monolog vom Band abgespielt, der Terror bleibt ein unsichtbares Gesicht, eine nicht fassbare Bedrohung.

Ein interessantes Stück mit drei guten Schauspielern: Marissa Möller, Matthias Heße und Frank Wickermann. Dazu Musik von David Bowie, Radiohead, Sting oder The Clash, für das „London-Feeling“.

Es ist mitunter harte Kost, in diese Leben, diese Grenzüberschreitungen, hineinzuschauen. Mir hat die 100minütige Inszenierung aber gut gefallen. Ein kleines Juwel, irgendwo versteckt am Straßenrand am Niederrhein.

„Pornographie“ läuft nochmal am 26. April um 19:30 Uhr.

(c) Schloßtheater Moers
(c) Schloßtheater Moers
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(c) Schloßtheater Moers
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(c) Schloßtheater Moers

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