The Master Builder im Old Vic

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Endlich Ralph Fiennes in Aktion gesehen. Was für ein Erlebnis. Der Mann ist gut! Er spielt in Ibsens Spätwerk Halvard Solness, einen Baumeister. Der sieht in seinem jungen Angestellten Ragnar eine Bedrohung seiner Position, denn Ragnar ist sehr talentiert. Ragnars Verlobte Kaja ist in den Baumeister verliebt. Er geht immer wieder ein wenig auf sie zu, lässt Interesse anklingen, hält diese Flamme ihrerseits lodernd. Er spielt mit ihr und nutzt sie aus. Sie arbeitet als seine Buchhalterin. Das Verhältnis Halvards und seiner Frau Aline ist unterkühlt. Eines Tages bekommt der Baumeister Besuch von Hilde Wangel (Sarah Snook) einer jungen, ungestümen Frau, die sein Leben durchwirbelt. Vor 10 Jahren hatte er den damaligen Teenager bedrängt und ihm dafür ein „Königreich“ versprochen. Dies fordert sie nun ein. Hilde bringt die Wahrheit zu Tage: Bei einem großen Feuer vor 10 Jahren verbrannte das Elternhaus von Aline und anschließend an diese Katastrophe sterben die Söhne von ihr und dem Baumeister. Für ihn war das der Start für seine Karriere, für Aline das Ende. Beide fühlen sich schuldig. Aline, weil ihre Kinder an ihrer Muttermilch (nach dem Brand) starben, Halvard, weil er das Unglück zu seinem Vorteil nutzte. Das Stück endet damit, dass der übermütige Halvard beim Aufhängen des Richtkranzes zu Tode stürzt.

Das war groß! Angefangen beim fantastischen Bühnenbild (mit Wow-Effekt zum Schluss) über die Regie bis zu den Schauspielern. Mir gefiel das sehr sehr gut. Ralph Fiennes spielt so, als wäre es für ihn das einfachste und natürlichste der Welt. Der ist so überzeugend, ich bin immer noch ganz begeistert. Auch Sarah Snook war prima. Ihre Figur war für mich nicht ganz einfach zu greifen, weil ich ich fand, dass sich hier Mystisches (immer die Verweise auf Königreiche, Prinzessinendasein und Luftschlösser) mit der Realität vermischt. Sie wurde vom Baumeister als Jugendliche bedrängt (hatte er Sex mit ihr? Interpretationssache.) und daraus resultierte ihre Fixierung auf ein „gutes Ende“, namentlich ein Leben  im versprochenen Königreich.

(c) Manuel Harlan
(c) Manuel Harlan

The Master Builder ist ein gutes, wenn auch selten aufgeführtes Stück. Wie das Leben des Baumeisters aus den Fugen gehoben wird und sein Ende immer unausweichlicher wird, war spannend zu verfolgen. Zwei Stunden und 45 Minuten dauert das Drama, unterbrochen von 2 Pausen, die für Umbauten genutzt werden. Beim letzten Bühnenbild schwingt sich Hilde auf eine Schaukel und schaukelt höher und höher und steigert sich in ihre Schilderung des glorreichen Wirkens des Baumeisters hinein. Sie steigt auf und auf, während sein Fall bevor steht.

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(c) Manuel Harlan

Ibsens Stück hat interessante Frauenfiguren. Aline steht neben der lauten und forschen Hilde etwas im Abseits, aber ihre Tragik berührt dafür mehr. Sie ist an den Baumeister in einer lieblosen Ehe gebunden, sie bekommt mit, wie er mit Kaja flirtet. Aber auch ihre Starre wird durchbrochen vom Wirbelwind Hilda. Sie wirbelt die Leben durcheinander und trägt zum Ende des Baumeisters bei (Er will ihr imponieren). Sie ist Heils- und Todesbringerin zugleich.

Gerne würde ich mir das noch einmal ansehen (via NTlive). Das war toll.

 

6 Gedanken zu “The Master Builder im Old Vic

  1. Ich habe auch schon mit meiner Kritik angefangen, bin aber noch nicht ganz so weit. Im Grunde genommen könnte ich ja bei dir abschreiben… 😉 Ich fand ja auch die Kostüme und Beleuchtung, gerade im Bezug auf Hilde so toll: ihr weißes Kleid (aus dem ersten Teil) strahlte förmlich – was den heilsbringenden, aber auch den märchenhaften Aspekt sehr gut unterstrich. Man konnte den Blick gar nicht von ihr wenden!

  2. Bei Ibsen sind die Frauen irgendwie immer interessanter und sympathischer. Fiennes macht den Baumeister dadurch sympathisch, dass er den verletzlich Kern hinter der berechnenden und zynischen Fassade zeigt. Der Moment wo er vor Aline auf dem Boden kauert und die beiden sich für einen ganz kurzen Moment nahe sind, hat mich am meisten bewegt.

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